Mehr Arzneimittelfälschungen durch Internetapotheken?

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (2 Bewertungen, Durchschnitt: 4,50 Sterne von 5)

Internetapotheken und Arzneimittelversan in Österreich

Arzneimittelfälschung und Medikamentenversandhandel: Diese Themen waren heiß diskutierter Gegenstand der IIR Fachkonferenz für den Arzneimittelversandhandel. Als Einstieg in die Konferenz wurde dem in Österreich geltenden Verbot der Internetapotheken vonseiten mehrerer Rechtsexperten „klassische Inländerdiskriminierung“ und „EU-Rechtswidrigkeit“ attestiert. Im Rahmen des Sprecherforums am ersten Halbtag stellten sich sieben Interessensvertreter bzw. Unternehmen der Diskussion – und brachten sieben zum Teil völlig konträre Sichtweisen ein.

Eine traurige Tatsache: 95 Prozent der von den österreichischen Behörden untersuchten Medikamente aus dem Internet sind Fälschungen. Wer glaubt, auf vermeintlich sicheren Homepages Arzneimittel bestellen zu können, riskiert also Geld und mitunter Leben. Laut WHO erreichte der mit gefälschten Arzneimitteln weltweit erzielte jährliche Umsatz im Jahr 2010 den Betrag von 75 Milliarden US Dollar.

Uneinigkeit zwischen Pharmaindustrie, Apotheken und Behörden

Trotz dieser alamierenden Umstände fiel das Fazit der Konferenzteilnehmer uneinheitlich aus: Einig waren sich die Teilnehmer in der Einschätzung, dass dem Handel mit Arzneimitteln im Internet kaum Einhalt geboten werden kann. Die Ideen, wie dieser zu regeln sei, könnten nach jeweiliger Sicht der Vertreter aber unterschiedlicher nicht sein.

Franz Floss vom Verein für Konsumentenschutz forderte beispielsweise ein Siegel ähnlich den Bio-Lebensmitteln, sodass der Konsument seriöse von unseriösen Versandangeboten im Internet unterscheiden könne. Der Entgegnung, dass man dem vielzitierten mündigen Konsumenten eine gewisse Entscheidungsfähigkeit zutrauen müsse, wurde von Dieter Temme heftig widersprochen. Der Behördenvertreter aus Hamburg konstatierte bei Deutschlands Konsumenten ein niedriges Problembewusstsein und stellte fest, dass eine Unterscheidung zwischen legalen und illegalen Anbietern im Internet nur schwer möglich sei.

Max Wellan von der Apothekerkammer führte die mangelnde Beratung beim Internetverkauf als Gegenargument an, was von Otto Pjeta, Vertreter der Ärztekammer, insofern entkräftet wurde, als er zwei Studien zur Beratungsqualität zitierte, die Österreichs Apotheken einen äußerst negativen Bescheid hinsichtlich ihrer Beratungsleistung ausstellten. Helga Tieben, Vertreterin der Pharmig, beklagte wiederum, dass getäuschte oder gar geschädigte Konsumenten sich letztendlich wieder an die Produkthersteller wendeten.

Heinrich Jacoby von der ARGE Pharmazeutika bemühte das Argument der im Versandhandel nicht eingehaltenen Kühlkette. Diesem Einwand konnte Klaus Gritschneder vom Europäischen Verband der Versandapotheken allerdings gar nichts abgewinnen: „Das ist ein Strohhalm. Die Kühlkette hat man im Griff“ und könne sie bis in den Patientenkühlschrank nachgewiesen werden. Walter Oberhänsli von der Zur Rose-Gruppe (Online Apotheke aus Deutschland; Anm. d. Redaktion) nutzte das Sprecherforum für ein Plädoyer pro Liberalisierung. Er wünschte sich mehr Konkurrenz, um den österreichischen Markt nicht alleine bedienen zu müssen. Auch er konnte dem Vorwurf, der Versandhandel fungiere als Türöffner für Arzneimittelfälschungen, so gar nichts abgewinnen: „Der Versand hat mit Arzneimittelfälschungen überhaupt nichts zu tun.“ Die im Publikum wohl dringendste Frage nach den österreichischen Bezugsquellen der Zur Rose Versandapotheke ließ er unbeantwortet, damit diese nicht „totgeprügelt“ würden.

Den Arzneimittelfälschungen Einhalt gebieten – Aufklärungsoffensive soll helfen

Der zweite Konferenztag stand ganz im Zeichen der Arzneimittelfälschungen und der diese betreffenden neuen EU-Richtlinie. Zahlen von 3 bis 12 Mrd. Euro Einführungskosten schwebten ebenso durch den Raum wie kreative Ideen, wie die neuen Bestimmungen unter Einsatz krimineller Energie auch wieder umgangen werden könnten.

Fabian Waechter von Pfizer hob hervor, den Hersteller des meistgefälschten Arzneimittels der Welt zu vertreten und beantwortete die Frage nach den Chancen der Hersteller im Internetversandhandel wie folgt: „Aus Sicht eines Herstellers gibt es da nichts zu gewinnen. Es wird keine Marktzuwächse geben“. Eher gab er zu bedenken: „Wenn es legale Möglichkeiten gibt zu bestellen, werden auch die Bestellungen bei illegalen Möglichkeiten zunehmen.“

Die Österreichische Apothekerkammer engagiert sich seit Jahren für mehr Information und Aufklärung zu den Risiken von Medikamentenfälschungen aus dem Internet und startet gemeinsam mit dem Bundesministerium für Finanzen erneut eine große Informationsoffensive in der Vorweihnachtszeit. Unter dem Motto „auf der sicheren Seite“ werden derzeit in Hörfunk- und Kinospots die gesundheitlichen Gefahren von gefälschten Medikamenten thematisiert. „Wer bei der Einnahme von Arzneimitteln ‚auf der sicheren Seite‘ bleiben will, besorgt seine Medikamente in der Apotheke“, so Heinrich Burggasser, Präsident der Österreichischen Apothekerkammer. „Arzneimittelfälschungen haben in den Apotheken jedenfalls keine Chance.“

———–
Quellen: Institute for International Research (IIR), Österreichische Apothekerkammer

Linktipps

– Stationäre und Online Apotheken im Vergleich
– dm Drogeriemärkte kooperieren mit Schweizer Versandapotheke
– Die wichtigsten Medikamente (Top 50)
– Phytopharmazie – Arzneimittel aus Pflanzen
– Arztportale: Chancen & Risiken von Dr. Internet

Das könnte Sie auch interessieren...

www.surrogacycmc.com

http://viagra-on.com

www.steroid-pharm.com