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Blut im Harn | Medizinlexikon

Blut im Harn | Medizinlexikon

Blut im Harn

Eine rötliche Verfärbung des Urins deutet auf Blut im Harn (Hämaturie) hin, dies löst bei Betroffenen oftmals Angst und Panik aus. Tatsächlich ist es ein ernstes Zeichen, dem man beim Arzt mittels Unrinuntersuchung auf den Grund gehen muss. Die Ursachen können mannigfaltig sein, bei weitem nicht alle sind besorgniserregend. Und gar nicht so selten stecken Lebensmittel wie Brombeeren, Heidelbeeren, Himbeeren oder Rote Rüben hinter der Färbung des Urins und verursachen unnötig Stress.



Zuerst zu einer häufig gestellten Frage: Urin oder Harn, wo ist der Unterschied? Wie Sie gemerkt haben, verwenden wir beide Ausdrücke synonym, sie haben nämlich den selben Bedeutungsumfang und bezeichnen den selben Stoff. Es gibt also keinen Unterschied, beide Wörter bezeichnen das flüssige Ausscheidungsprodukt des Menschen, das in den Nieren gebildet, und über die beiden Harnwege nach außen geleitet wird. „Urin“ ist also lediglich die aus dem Latein abgeleitete Bezeichnung (lat. urina) für Harn.

Harn: Entstehung und Eigenschaften

Harn entsteht in den Nieren, mit ihm werden, neben Wasser, Stoffwechselprodukte, Giftstoffe und andere chemische Substanzen aus dem Körper transportiert. Unsere Nieren säubern täglich an die 1.500 Liter Blut und filtern dabei Abfallstoffe des Stoffwechsels heraus. Mit dem Harn werden diese dann ausgeschieden. Neben der Entsorgung von Stoffwechsel-Endprodukten (vor allem Harnstoff und Harnsäure) dient er auch der Regelung des Flüssigkeitshaushalts. Die tägliche Urinmenge beträgt cirka eineinhalb bis zwei Liter, abhängig von der Trinkmenge.


Harn besteht zu 95 Prozent aus Wasser, weitere Inhaltsstoffe sind Harnstoff, Harnsäure, Kreatinin, sowie verschiedenen Salze und Vitamine. Harn ist klar und weist eine gelbe Farbe auf, die durch bestimmte Harnstoffe (v.a. Urochrom, Urobilinogen) zustande kommt. Die Farbintensität hängt von der Konzentration der Urochrome im Urin ab. Frischer Urin ist üblicherweise geruchsarm, ein sehr unangenehmer Geruch entsteht bei Bakterienbefall und Infekten. Und bei abgestandenem Urin entsteht aufgrund bakterieller Umwandlungsprozesse der bekannte stechende Geruch von Ammoniak.

Untersuchung von Urinproben

Die Untersuchung von Urinproben hat eine lange Tradition. Die Betrachtung der Urinfarbe (früher auch die Bestimmung des Geruches und Geschmacks) spielte in der Geschichte der Medizin eine große Rolle. Heute gehören Untersuchungen des Urins mittels Urin- bzw. Harnproben neben der Blutanalyse zu den Routineuntersuchungen bei der Erhebung von Laborwerten.

Die Urinanalyse kann für viele verschiedene Erkrankungen wertvolle Hinweise liefern.

Die meisten Harnuntersuchungen werden mittels Teststreifen durchgeführt. Auf deren Oberfläche sind chemische Reagenzien angebracht, die mit dem Urin reagieren und sich je nach Befund verfärben. Das schwierige an einer Urinuntersuchung ist die Gewinnung des Untersuchungsmaterials. Je nachdem was untersucht werden soll, benötigt der Arzt oder das Labor verschiedene Arten von Urin. Unterschieden werden

  • Morgenurin (er ist hochkonzentriert, weshalb sich viele Substanzen nachweisen lassen)
  • Spontanurin
  • Erst- oder Initialurin (verwendet wird dabei der erste Teil des Harnstrahls, der stark mit Keimen des Harnröhrenausgangs durchsetzt ist)
  • Mittelstrahlurin (Bei durchgehendem Strahl wird die erste Portion des Urins normal in die Toilette gelassen, danach werden ca. 20 ml Urin aufgefangen, der Rest fließt wiederum in die Toilette. Damit soll gewährleistet sein, dass der Urin nur wenige Bakterien aus der Harnröhre aufweist.)
  • Sammelurin (Bei manchen Krankheiten muss der Urin eines ganzen Tages gesammelt werden. Der erste Urin ist der Morgenurin, der letzte ist der Morgenurin des nächsten Tages.)
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Ursachen für Blut im Harn

Die Kontrolle auf Blut im Harn ist bei einer Harnuntersuchung Standard. Im Urin eines gesunden Menschen kommen weder Blut, noch Blutbestandteile (z.B. Hämoglobin) vor. Aus diesem Grund ist jeder Nachweis bedeutsam und sollte unbedingt weiter verfolgt werden.

Der Nachweis von Blut im Harn kann auf

– Entzündungen im Bereich des Harntraktes (Harnwegsinfekt)
– Erkrankungen der Niere
– Nierensteine
– Nierenverletzungen
– Tumore an der Niere oder Blase
– Prostatakrebs

hindeuten.

Bei Frauen besteht immer die Möglichkeit der Verfärbung durch Menstruationsblut, weshalb während der Menstruation möglichst keine Urinuntersuchung stattfinden sollte oder aber gegebenenfalls ein Tampon verwendet werden sollte um Blutbeimengungen aus der Scheide zu vermeiden.

Der Nachweis des Blutfarbstoffes Hämoglobin wiederum kann auf folgende Krankheiten hindeuten:

– Muskelverletzungen und -krankheiten
– Infektionskrankheiten
– Vergiftungen
– Blutarmut

Verfärbung von Urin – Blut im Harn?

Eine Rotfärbung des Urins kann, muss aber nicht zwangsläufig auf eine krankhafte Ausscheidung von Blut hindeuten. Dunkler Urin mit leichten Blutspuren kann aber auch nach anstrengenden sportlichen Belastungen vorkommen und ist dann kein Zeichen einer Erkrankung, z. B. einer Entzündung oder Verletzung. Auch wenn man übermäßig Carotine (z. B. in Möhren, Tomaten, Orangen, Paprika etc.) oder Betanin (z. B. in roter Bete) zu sich genommen hat, kann es bei manchem Menschen zu einer kurzzeitigen Rotfärbung des Urins kommen. Auch Antibiotika, Gerinnungshemmer und Vitamintabletten können den Harn färben.

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Quellen:

¹ Der Hausarzt (1999; S.583-585)
² Befunde verstehen (S. Spreitzer; VKI; 2015)

Linktipps:

– Hämaturie (Blut im Harn) | Krankheitslexikon
– Harnwegsinfekt | Medizinlexikon
– Laborwerte – Rodopolisheit in Zahlen
– Blut im Bild: Blutbefund, Blutwerte, Blutbild

Zur Information: Diese Informationen wurden – im Sinne mündiger Patienten – für interessierte Laien eingerichtet. Keinesfalls dürfen sie als Ersatz für medizinsche Beratung und Hilfe seitens qualifizierten Personals aus dem jeweiligen Fachbereich angesehen oder eingesetzt werden. Kontaktieren Sie bei Beschwerden jedenfalls den Arzt Ihres Vertrauens!