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Delfintherapie: Hilfe oder Humbug?

Delfintherapie: Hilfe oder Humbug?

Tiergestützte Therapie - Delphin-Therapie
© Island Dolphin Care, Florida

Spätestens seit der Erstaustrahlung der Fernsehserie Flipper, ist der Mythos vom freundlichen Delfin ungebrochen. Seit der Psychologe und Verhaltensforscher Dr. David Nathanson 1988 in Florida eine von Delfinen gestützte Therapie, die so genannte „Dolphin-Assisted-Therapy“ (DAT) begründete, ist diese Therapieform – die vor allem Kindern mit mentalen und körperlichen Behinderungen helfen soll – bei Wissenschaftern heiß umstritten.




Immer mehr Delfinarien – vor allem in den USA – bieten eine Begegnungstherapie mit den sanften Meeressäugern an. Da es sich dabei nicht bloß um ein weiteres Freizeitangebot für gelangweilte Städter handeln soll, sondern um eine Behandlungsform mit therapeutischem Charakter, ist es sinnvoll einen genaueren Blick hinter die Kulissen dieser nicht unumstrittenen Therapie zu werfen.

Grundsätzlich sind tiergestützte Therapieformen zur Heilung oder Linderung der Symptome bei psychiatrischen und neurologischen Erkrankungen und Behinderungen nicht neu und werden auch in der Schulmedizin als Ergänzung klassischer Diagnose- und Behandlungsmethoden anerkannt. Besonders die Hundetherapie, bei der ausgebildete Therapiehunde als Medium verwendet werden, um eine exakte Diagnose der Erkrankung oder Behinderung des Patienten zu erleichtern, sowie die Hippotherapie, bei der speziell ausgebildete Pferde zur Physiotherapie eingesetzt werden, sind weitgehend unumstritten. Nicht so die Delphintherapie.


Delfine als Wunderheiler ?

Es gibt kein klar definiertes Krankheits- oder Behinderungsbild, auf das die Delfintherapie speziell zugeschnitten ist. Das Behandlungskonzept kommt aber häufig bei Kindern oder Erwachsenen mit Down Syndrom, Autismus oder Cerebralparese zur Anwendung, außerdem bei Wachkomapatienten.

Wichtigste Voraussetzung ist, dass der Patient in einem gewissen Grad von dem Delfin fasziniert ist und jedenfalls keine Angst vor dem Tier hat. Dann lautet das (Belohnungs-)Prinzip: Die Patienten dürfen erst mit dem Delfin interagieren, wenn sie ihre (aus konservativen Verfahren stammenden) Therapieaufgaben erfüllt haben. Die darauf folgende Begegnung mit den Delfinen ist dann ein beeindruckendes Erlebnis für die betroffenen Patienten. Durch die Aussicht auf ein neuerliches Zusammensein mit dem Delphin, sollen Therapieaufgaben schneller erfüllt werden und der Fortschritt besser voran gehen.

Zahlreiche, durchaus glaubwürdige Berichte betroffener Angehöriger zeigen, dass es – zumindest in der subjektiven Wahrnehmung – tatsächlich zu schnelleren Ergebnissen kommt, allein die Ursache bleibt wissenschaftlich unerklärt. Weder verfügen Delfine über heilende magische Strahlen, die sie aussenden, noch haben die Ultraschall-Laute der Delfine nach wissenschaftlichem Ermessen irgendeine medizinische Wirkung.

Der Erfolg einer Delfin-Therapie dürfte eher damit zusammenhängen, dass die Patienten Freude an der Begegnung mit den Delfinen haben und durch diese Begeisterung ausgeglichener und offener für klassische therapeutische Maßnahmen sind.

Kritik

Die Wirksamkeit seines Therapiekonzeptes hat David Nathanson in eigenen Studien mehrmals belegt. Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass keine unabhängigen Studien angefertigt wurden und in den bestehenden Studien die Begegnung mit dem Delfin nicht isoliert betrachtet wurde. Bis heute gibt es jedenfalls keinen wissenschaftlich geführten Beweis, dass die Therapieerfolge der DAT tatsächlich allein auf den Delfin zurückzuführen sind – wenngleich ein diesbezügliches Forschungsprojekt¹ der Uni Würzburg, des Tiergartens Nürnberg und der Humboldt-Universität zu Berlin 2009 abgeschlossen sein soll.

Hauptstoßrichtung der Kritik ist aber, dass Forschung und Kommerz bei der Delfintherapie eng miteinander verwoben sind und umfangreiche Studien bisher fehlten. Zudem würden die negativen Folgen für die Tiere – begründet durch die Haltung in Gefangenschaft (oftmals in Becken) – einfach ignoriert². Die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation Society (WDCS) fordert deshalb auch einen generellen Boykott von Delfintherapien. Dies wiederum kann der Berliner Rehabilitationspsychologe Erwin Breitenbach nicht nachvollziehen. Nach seiner Aussage gehe es der WCDS nicht um sachlich-fachliche Diskussion, sondern um „politische Agitation“ zur Durchsetzung der eigenen Ziele.

Mythos Delfin

Fest steht, dass es derzeit weder Standards noch verbindliche Regelungen für die Anbieter solcher Therapien gibt und die Haltung dieser Wildtiere in Gefangenschaft ein zusätzliches Problem darstelle, da zu befürchten ist, dass die Delfinhaltung in Becken wieder salonfähig wird. Dazu kommt, dass viele Annahmen bisher unbestätigt geblieben sind. Weder sind Delfine intelligenter als zum Beispiel Menschenaffen, noch ist ihr Verhalten sozialer als etwa das von Elefanten oder anderen in Familienverbänden lebenden Tierarten. Zoologisch betrachtet ist und bleibt der Tümmler – der in der Regel für die Delfin-Therapie eingesetzt wird – ein räuberisch lebender Zahnwal, dessen Leibspeise bis zu 30 Zentimeter große Fische sind.

Unzählige Geschichten von Delfinen, die Menschen in Seenot gerettet haben sollen, und die besondere Gesichtsform, die an ein Lächeln erinnert, haben Delfinen aber eine besonderen Aura verliehen und schon oft die Fantasie der Menschen beflügelt.

Reine Geldmacherei, oder eine echte Chance für die Patienten?

In den letzten Jahren ist es zu einem regelrechten Run auf Therapieangeboten in diesem Bereich gekommen, nicht zuletzt durch übertriebene Medienberichte über die „Wunderheilder in grau“. Tatsächlich hat es den Anschein, dass es sich bei vielen Angeboten um den Versuch handelt, das angeschlagene Image der Delfinarien aufzupolieren. Und es handelt sich nachweislich um die erfolgreiche Erschließung einer neuen Geldquelle – in der Regel findet die Behandlung über einen Zeitraum von zwei Wochen statt und kostet zwischen 5.000.- und 15.000.- Euro.

Soweit nicht übertriebene Erwartungshaltungen geweckt werden um Angehörigen bloß das Geld aus der Tasche zu ziehen, ist – nach bisherigem Wissensstand – dennoch nichts gegen die Therapie einzuwenden, obwohl schon zu hinterfragen ist, ob der Effekt tatsächlich in Relation zum Aufwand steht und ob nicht andere Tiere – etwa Pferde – bei einigen Krankheitsbildern ähnliche Erfolge bringen würden.

Die Akademie für Ganzheitsmedizin bietet am 9. Jänner 2008 einen Informationsabend zum Thema Delfin-gestützte Therapie für Kinder mit Behinderungen oder besonderen Bedürfnissen an. Eltern, Familien und Interessierte können sich in Vorträgen und direkten Gesprächen mit den erfahrenen Therapeuten des anerkannten Delfintherapiezentrums „Island Dolphin Care„, Florida, USA, zur Delfin-gestützen Therapie informieren. Die Vorträge werden aus dem Englischen übersetzt.

Quellen:

¹ „Forschungsprojekt Delfintherapie? Dr. Eva Stumpf, Julius-Maximilians-Universität Würzburg
²

Linktipps:




– Hundetherapie: Therapeuten auf vier Pfoten
– Tourette-Syndrom

– Alternativmedizin-Corner

Kave Atefie





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