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MRT-Bilder vom Gehirn zeigen: Fettleibige essen mit den Augen

MRT-Bilder vom Gehirn zeigen: Fettleibige essen mit den Augen

Magnetresonanztomographie

Moderne Bildgebung mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRI) entschlüsselt die Ursachen für süchtiges Verhalten. Bei fettleibigen Menschen, so fanden Radiologen heraus, stimuliert bereits der bloße Anblick von Abbildungen von Essen das Belohnungssystem im Gehirn. Eine Erkenntnis, die es wesentlich erleichtern könnte, die Suchtspirale zu unterbrechen. Ähnliche Mechanismen wurden auch bei Glücksspiel-Süchtigen entdeckt.



Was kann die Radiologie zur Behandlung von Fettsucht (Adipositas) beitragen? Eine ganze Menge, wie am Europäischen Radiologenkongress (ECR 2007) im Austria Center Vienna klar wurde. Während nämlich die strukturelle Magnetresonanztomographie (sMRI) „nur“ Form und Volumen bestimmter Gehirnregionen darstellt, erlaubt es die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRI), dem Gehirn gewissermaßen bei der Arbeit zuzusehen und dabei Geheimnisse zu lüften, die den Weg zu neuen Therapieformen erleichtern könnten.

Moderne Bildgebung entschlüsselt Ursachen für süchtiges Verhalten – Grundlage für neue Therapien?

fMRI-Forschungen an der Abteilung für Radiologie der Berliner Charité (Prof. Dr. Georg Bohner) haben jüngst ergeben, dass die deutsche Redensart „man isst mit den Augen“ zumindest für adipöse Menschen auf problematische Weise wahr ist: Die Wissenschaftler untersuchten die Gehirnfunktionen von 13 schwer übergewichtigen und 13 normalgewichtigen Frauen, während sie ihnen Fotos von Speisen mit unterschiedlichem Kaloriengehalt zeigten. Während die Normalgewichtigen dabei keine Gehirnaktivitäten aufwiesen, die Übergewichtige nicht auch zeigten, stimulierte die optische Konfrontation mit kulinarischen Köstlichkeiten bei den Adipositas-Patientinnen etliche Gehirnregionen, die bei den Normalgewichtigen nicht „ansprangen“ – und zwar umso mehr, je kalorienhaltiger die abgebildeten Speisen waren.

Zusätzlich aktiviert wurde bei den „Schwergewichten“ sowohl das primäre Geschmackszentrum als auch Regionen, die dem körpereigenen sog. „Belohnungssystem“ zugeordnet sind. Bestimmte Schaltungen im Gehirn Übergewichtiger sorgen also dafür, dass der bloße Gedanke an Essen zur Ausschüttung der Glückshormone Dopamin und Serotonin führt – ein teuflischer Kreislauf, denn ohne Essen keine derartige Belohnung, und folglich Unlustgefühle.

fMRI als Diagnose- und Kontrollinstrument für Suchttherapien – neue Behandlungsstrategien

„Ganz ähnliche Mechanismen wurden auch in der Gehirnfunktion Glücksspielsüchtiger gefunden“, bestätigt Prof. Dr. Stefan Sunaert von der Abteilung für Radiologie an der Katholischen Universität Leuven (Belgien). „Das bedeutet, dass wir fMRI jetzt als Diagnose- und auch Kontrollinstrument für Suchttherapien verwenden können. Ein Vorher/Nachher-Vergleich der Scans müsste uns zeigen, ob eine psychologische Behandlung, die auf die Entkoppelung emotionaler Befriedigung vom Essen abzielt, wirklich gegriffen hat.“

Denkbar, so Prof. Sunaert, ist nun aber auch die fMRI-gestützte Entwicklung neuer Behandlungsstrategien: „Medikamentöse Therapien mit Serotonin-Inhibitoren sind ebenso denkbar wie Substanzen, die unmittelbar auf den Hypothalamus wirken und damit das Hungergefühl ausschalten. Möglich ist aber auch die direkte Stimulation des Gehirns über Elektroden, vor allem der capsula anterior und des nucleus accumbens, des sog. ?Glücks-Nukleus?. Versuche mit Menschen mit Zwangsverhalten (Obsessive Compulsive Disorder, OCD) haben gezeigt, dass die Lust auf das Zwangsverhalten aufhört, wenn der ?Glücks-Nukleus? auf andere Weise aktiviert wird. All dies können wir nun viel rascher evaluieren, weil wir jetzt sehen können, ob sich die Gehirnaktivität daraufhin normalisiert.“

Magnetresonanztomographie (Kernspintomographie)

Die Magnetresonanztomographie (MRT – Magnetische Resonanz-Tomographie) ist ein bildgebendes Verfahren zur Darstellung von Strukturen im Inneren des mennschlichen (oder auch tierischen) Körpers und ermöglicht gestochen scharfe Schnittbilder. Das Verfahren wird auch als Kernspintomographie bezeichnet, wird jedoch aufgrund der bei Laien häufigen falschen Assoziation mit Kern- bzw. Atomkraft heutzutage in Fachkreisen zunehmend seltener verwendet.

Im Gegensatz zu anderen bildgebenden Verfahren, sind für die Kernspin-Tomographie keine Röntgenstrahlen oder Radioaktivität erforderlich. Die Methode arbeitet mit Magnetfeldern und Radiowellen und läuft vollkommen zerstörungsfrei. Der Patient wird in ein starkes, gleichmäßiges Magnetfeld gebracht. Danach werden dann die Kerne der im Körper vorhandenen Wasserstoffatome durch Radiowellen angeregt wodurch sie in eine Art Taumelbewegung geraten. Diese klingt nach dem Abschalten des Impulses ab. Dabei verhalten sich die Wasserstoffatome unterschiedlich – je nachdem, in welcher Umgebung sie sich befinden. Das unterschiedliche Abklingverhalten lässt sich zur Bildgebung ausnutzen: Es können Querschnittsbilder des Körpers erzeugt werden, auf denen man zum Beispiel einen Tumor von gesundem Gewebe abgrenzen kann.

Die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) ist eine relativ junge Weiterentwicklung der klassischen Magnetresonanztomographie, sie erweitert die MRT um einen funktionellen Anteil. Durch fMRT-Aufnahmen ist es möglich, Stoffwechselvorgänge, die aufgrund von Aktivität entstehen, sichtbar zu machen. Rückschlüsse auf den Ort einer Aktivität können dann in Form von Wahrscheinlichkeiten berechnet werden. Vor allem die Neurologie und Neuropsychologie profitieren von den Möglichkeiten der fMRT.

Linktipps:


– Darmkrebs – schonende Früherkennung mittels MRT
– Gehirntumor – Krankheit ohne klare Frühwarnzeichen
– Blutbild, Blutbefund, Blutwerte
– Vorsorge-Corner: Rodopolisenuntersuchung

Kave Atefie





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