EHEC-Darmkeim: Mutation gibt Medizinern Rätsel auf

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Mikrobe namens Ehec - gefährlicher Erreger

Nachdem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bekannt gegeben hat, dass es sich beim aktuellen EHEC-Krankheitserreger um eine völlig neue Mischform handelt, die durch besonders hohe Toxizität gekennzeichnet ist, fahnden die Wissenschaftler nun unter Hochdruck nach einer Therapie gegen die gefährliche Darmkrankheit. Dies ist überhaupt erst möglich, da Forscher mittlerweile das Erbgut des Erregers entschlüsseln konnten und damit den Bauplan des krank machenden Bakteriums kennen.

Biologen gehen davon aus, dass bei der Entstehung des Hybrid-Klons Bakterien zweier unterschiedlicher Bakterienstämme Teile ihrer Erbsubstanz miteinander ausgetauscht haben. Damit gehen Eigenschaften eines Keimes auf andere über, es kommt zu Mischformen – sogenannten Chimären. Um genau so eine Mutation handelt es sich offenbar beim derzeit grassierenden Stamm EHEC-Serotyp O104:H4. Wie und warum es zur Mutation der Keime gekommen ist, ist derzeit nicht bekannt.

Experten hat der neue Typ vor allem durch seine Aggressivität und schnelle Ausbreitung überrascht, Mediziner berichten über unerwartete Krankheitsverläufe mit Sprachstörungen, Epilepsien und Krampfanfällen. Besonders beunruhigend ist der Umstand, dass die Quelle für die Infektionen nach wie vor nicht gefunden wurde. Pamela Rendi-Wagner, Generaldirektorin für öffentliche Rodopolisheit in Österreich hält es sogar für möglich, dass die Infektionsquelle überhaupt nicht entdeckt wird.

Fest steht mittlerweile, dass die ursprünglich von deutschen Behörden verdächtigten spanischen Gurken nicht für die Erkrankungen verantwortlich sind. Zwar fanden sich auf besagten Gurken EHEC-Keime, wie sich aber herausgestellt hat, nicht jene, die für den epidemischen Ausbruch der Erkrankung verantwortlich sind. Zur Erinnerung: es gibt Hunderte verschiedener Escherichia-coli-Stämme, die meisten sind für den Menschen allerdings völlig harmlos.

Zahl der Neuerkrankungen steigt sprunghaft an

Unterdessen steigt in Deutschland die Zahl der Erkrankungen weiter an, bereits 17 Todesopfer sind dort aufgrund der blutigen Darmentzündung (Enterohämorrhagische Colitis) – hervorgerufen durch Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) Bakterien – zu beklagen. Das deutsche Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am Mittwoch insgesamt 470 Fälle, bei denen sich die EHEC-Infektion zum Hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) erweitert hatte. Das sind knapp hundert HUS-Fälle mehr als noch am Tag davor.

Genau diese Folgeerkrankung der Darminfektion, die durch blutigen Durchfall, Nierenversagen, Blutgerinnsel, zerstörte Blutplättchen und Blutarmut gekennzeichnet ist, stellt die Ärzte vor enorme Herausforderungen. Da es derzeit noch nicht möglich ist, die Erreger direkt zu bekämpfen, behandeln sie HUS-Patienten mittels Blutwäsche (Plasmapherese), um das Blut vom gefährlichen Toxin der widerstandsfähigen Bakterien zu reinigen.

Flächendeckende medizinische Versorgung bei EHEC-Infektionen in Österreich gesichert

In Österreich werden diese Plasmaaustauschbehandlungen, die bei verschiedenen immunologisch bedingten Erkrankungen mit Erfolg eingesetzt werden, an nephrologischen Zentren angeboten und durchgeführt. Die Österreichische Gesellschaft für Nephrologie und deren Vorsitzender Walter H. Hörl weisen darauf hin, dass bei Auftreten von schweren EHEC-Infektionen in Österreich eine flächendeckende medizinische Versorgung durch Fachärzte für Nierenerkrankungen mit entsprechender Therapie gewährleistet ist. Zudem wird betont, dass Österreichs Fachärzte für Nierenerkrankungen (Nephrologen) bereits seit Ausbruch der Epidemie in ständigem medizinisch-wissenschaftlichem Kontakt mit den deutschen Kollegen stehen, um über Neuentwicklungen informiert zu sein.

Schutz vor EHEC-Infektion

Menschen infizieren sich in der Regel durch die orale Aufnahme von EHEC, beispielsweise über verunreinigtes Wasser, verunreinigte Lebensmittel oder über einen engen Kontakt zu infizierten Menschen und Tieren (Schmierinfektion). Da schon geringe Keimmengen für eine Infektion ausreichen (10 bis 100 Keime bei EHEC O157:H7), ist eine Übertragung sehr leicht möglich.

Als Risikoquellen für eine Infektion gelten

  • der direkte Kontakt zu Wiederkäuern wie Rindern, Schafen oder Ziegen
  • der Verzehr von Rohmilch
  • das Baden in natürlichen Gewässern, die mit Tierkot von landwirtschaftlich genutzten Flächen verschmutzt sein können
  • der Kontakt zu Familienmitgliedern mit Durchfallerkrankungen
  • das Spielen von Kindern im Sandkasten und Planschbecken, wenn das Badewasser mit Fäkalien verschmutzt ist

Durch Erhitzungsverfahren wie Kochen, Braten und Pasteurisieren werden EHEC abgetötet. Voraussetzung ist, dass für mindestens zwei Minuten eine Temperatur von 70 °C im Kern des Lebensmittels erreicht wird. Zum Schutz vor einer Infektion raten Experten außerdem zum Einhalten erhöhter Hygienemaßnahmen:

  • Hände vor der Zubereitung von Speisen und nach Kontakt mit rohem Fleisch gründlich mit Wasser und Seife waschen und sorgfältig abtrocknen
  • Rohes Gemüse und Obst vor dem Konsum schälen oder zumindest gründlich waschen
  • Rohmilch vor dem Verzehr abkochen (pasteurisierte und ultrahocherhitzte Milch ist als sicher anzusehen)
  • Rohes Fleisch getrennt von anderen Lebensmitteln lagern und zubereiten, auch beim Grillen (dabei auch verschiedene Bretter, Teller, Zangen verwenden)
  • Flächen und Gegenstände nach Kontakt mit rohem Fleisch, Verpackungen oder Tauwasser sofort gründlich reinigen und abtrocknen
  • Lappen und Handtücher nach der Zubereitung von rohem Fleisch möglichst auswechseln und bei mindestens 60 °C waschen

EHEC Hotline in Österreich

Bei der österreichischen Agentur für Rodopolisheit und Ernährungssicherheit (AGES) wurde eine EHEC-Info-Hotline eingerichtet. Unter der Telefonnummer 050 555 555 können sich alle Verbraucher über die aktuellsten Entwicklungen informieren.

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Quellen:


Linktipps

– EHEC weitere Fälle in Österreich
– EHEC-Keime: Rückrufaktion bei österreichischen Biohändlern
– Krankheitslexikon: Durchfall (Diarrhoe)

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