Gehirnhautentzündung (Meningitis) | Krankheitslexikon

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Gehirnhautentzündung, Meningitis

Unter einer Gehirnhautentzündung (Meningitis) versteht man allgemein eine durch verschiedene Erreger, vor allem Bakterien aber auch Viren, Pilze oder Parasiten, verursachte Entzündung der weichen Häute des Gehirns und des Rückenmarks. Es handelt sich um eine Erkrankung, die auch im Erwachsenenalter, jedoch deutlich bevorzugt im Kindesalter vorkommt. Meistens tritt sie im Rahmen einer anderen Erkrankung auf. Die Erreger werden dabei über das Blut verbreitet, sie können aber auch direkt, z. B. über ein entzündetes Ohr oder entzündeten Nasennebenhöhlen auf die Gehirnhäute gelangen.

Eine Meningitis kann schleichend und allmählich mit untypischen Symptomen über Tage entstehen. Sie kann sich aber auch plötzlich, innerhalb weniger Stunden entwickeln. Eine Meningitis ist eine schwere und potentiell lebensbedrohliche Erkrankung, bei deren Verdacht das Kind in ein Krankenhaus eingeliefert werden muss.

Eine Meningitis stellt immer einen Notfall in Diagnostik und Therapie dar. Wenige Stunden können das Schicksal des Kranken entscheiden. In Abhängigkeit vom jeweiligen Erreger kann die Meningitis akut, chronisch oder auch rezidivierend, d.h. wiederholt, auftreten. Die „klassische“ Meningitis ist eine akute bakterielle Entzündung, die typischerweise im Kleinkind- bis Jugendalter auftritt. Sie soll im folgenden im Vordergrund stehen. Der durch Viren hervorgerufenen Meningitis (FSME) ist ein eigenes Kapitel gewidmet … FSME

Symptome

Hohes Fieber, Erbrechen, Kopfschmerzen, Apathie, Verwirrtheit, Schläfrigkeit, Nackensteifigkeit, Schmerzen bei Berührung, blassgraue Gesichtsfarbe, vorgewölbte Fontanelle.

Je jünger die Betroffenen, desto untypischer sind oft die Beschwerden. Das erschwert die Diagnose. Bei Neugeborenen können die typischen Symptome ganz fehlen. Sie sehen aber oft grau und blass aus, werden trinkfaul, sind unruhig und apathisch. Hat sich die Fontanelle noch nicht geschlossen, so ist sie bei einer Meningitis oft vorgewölbt. Bei alten Menschen besteht die Gefahr, eine Meningitis als Schlaganfall oder einen fieberhaften Verwirrtheitszustand misszudeuten.

In Österreich und Deutschland beträgt die Erkrankungshäufigkeit der Meningokokkenmeningitis etwa 1:100 000. Etwa fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung tragen ohne Symptome den Erreger im Nasen und Rachenraum. Aus unbekannten Gründen entwickelt nur ein kleiner Teil dieser infizierten Personen Krankheitserscheinungen.

Erreger

Die häufigsten Erreger der „klassischen“, bakteriellen Meningitis sind Meningokokken, Pneumokokken und Haemophilus influenzae. Diese Keime werden durch Tröpfcheninfektion, z.B. Niesen oder Husten, von Mensch zu Mensch übertragen. Sie verursachen in der Mehrzahl der Fälle eine unkomplizierte, harmlose Entzündung der oberen Luftwege.

Eine weitere Möglichkeit der Entstehung einer Meningitis besteht in einer sogenannten septisch-metastatischen Absiedlung . Hierbei kommt es von einem mit speziellen Erregern infizierten Entzündungsherd, z.B. bei Neugeborenen der Nabel oder bei Erwachsenen die Herzklappen, zur Sepsis mit Absiedlung dieser Erreger in den Hirnhäuten. Da hier keine Immunität entwickelt wird, sterben diese Patienten ohne Behandlung. Die Erreger dieser Meningitisformen sind Bakterien aus dem Magen-Darm-Trakt.

Schließlich muss auch die fortgeleitete Meningitis erwähnt werden. Hierzu gehören Entzündungen bei unfallbedingten Schädelfrakturen oder nach operativen Eingriffen an Gehirn und Rückenmark. Eine Menigitis kann auch als Komplikation einer Nasennebenhöhlenentzündung oder einer Mittelohrentzündung entstehen, wenn die Entzündung über den Knochen, als Osteomyelitis, auf die Hirnhaut übergreift. Diese Meningitis wird oft durch Staphylokokken verursacht.

Entstehung

Die Erreger können auf verschiedenen Wegen in das zentrale Nervensystem (ZNS) eindringen. Aber nur selten nehmen sie den direkten Weg. Meistens gelangen die Erreger über die Blutbahn in das ZNS. In der Regel geht vorher eine Infektion des Nasen-Rachen-Raumes voraus. Dort können sich bestimmte Eiweißstoffe an den Erreger anlagern, die dazu führen, dass das Immunsystem den Erreger nicht als körperfremd ansieht. So wird die Aufnahme von Erregern in die Blutbahn gefördert. Andere Erreger können z. B. die Nasenschleimhaut so verändern, dass die schützende Barriere durchlässiger wird. Auch so gelangen Erreger in die Blutbahn.

Sind die Erreger, oder auch nur einige Bestandteile der Erreger, in der Blutbahn, so können sie sich überall im Körper verteilen. Auch die Hirnhäute werden mit Blut versorgt. Die weiche Gehirnhaut (Pia mater) besitzt im Bereich des 3. und 4. Gehirnkammer ein Adergeflecht mit sehr vielen Blutgefäßen und Nerven. In diesen Bereichen entsteht auch der Liquor. Bei der Meningitis gelangen Erreger bzw. Erregerbestandteile meistens im Bereich dieses Adergeflechts (Plexus choreoideus) in den sogenannten Liquorraum.

Im Liquorraum führen die Erreger dann zu einer Entzündungsreaktion. Diese Reaktion führt letztendlich auch zu einer erhöhten Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke. Es tritt dann vermehrt Flüssigkeit aus dem Blut in den Liquorraum aus und es bildet sich ein Hirnödem.

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Diagnose & Therapie

Erste Hinweise ergeben sich aus der Befragung, d.h. der Anamnese , des Patienten bzw. der Angehörigen. Die körperliche Untersuchung kann auf folgende Weise eine Reizung der Hirnhäute nach: Wenn der Arzt den Kopf des liegenden Patienten von der Unterlage, z.B. dem Kissen abhebt und dieser Bewegung ein schmerzbedingter Widerstand entgegengesetzt wird, spricht man von Nackensteifigkeit = Meningismus. Zieht der liegende Patient dabei die Beine an, d.h. beugt er die ausgestreckten Beine im Hüft- und Kniegelenk, ist das Brudzinski-Zeichen positiv. Wenn ein sitzender Patient das Knie nicht gerade strecken kann, ist das Kernig-Zeichen positiv.

Zur sicheren Diagnosestellung muss bereits bei dem kleinsten Verdacht auf eine Meningitis eine Liquorpunktion erfolgen Diese Diagnose stellt der Arzt anhand der Untersuchung des Liquor. Liquor wird mit Hilfe einer Lumbalpunktion (Rückenmarkspunktion) gewonnen, dabei wird dem Patienten durch einen Einstich in den Rückenmarkskanal ein wenig Liquor entnommen. Entsprechend der Befunde im Liquor bezüglich der Erreger, der Zellzahl, des Eiweiß- und Zuckergehaltes ergibt sich die Diagnose.

Die Therapie einer Meningitis muss sofort und ohne Verzögerung einsetzen. Idealerweise erfolgt sie nach dem Erregernachweis gezielt intravenös mit dem bestwirksamen Antibiotikum. Für Infektionen mit Meningo- und Pneumokokken ist immer noch Penicillin G das Mittel der Wahl, gegen Haemophilus influenzae verwendet man dagegen Cefotaxim.

Linktipps

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