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Giftpflanze Fingerhut

Giftpflanze Fingerhut

weißer Fingerhut

Der Fingerhut ist hübsch anzusehen und in heimischen Wäldern weit verbreitet, er ist aber auch eine der gefährlichsten Giftpflanzen der Welt. Schon ein Drittel Gramm kann für einen Erwachsenen tödlich sein. Aufpassen muss man besonders dann, wenn sich kleine Kinder im Garten aufhalten. Aber auch für Hunde und Katzen kann die Pflanze tödlich sein. Das Gift befindet sich übrigens nicht nur in der Blüte, sondern in allen Pflanzenteilen. Ziehen Sie deshalb bei der Gartenarbeit unbedingt immer Handschuhe an.



In Mitteleuropa ist der Rote Fingerhut die am meisten verbreitete Fingerhut-Art. Er blüht von Juni – August und seine roten, mitunter auch weißen Blüten sind glockig und werden etwa 5 cm lang. Ebenfalls bei uns heimisch: der hellgelbblühende Großblütige Fingerhut (Digitalis grandiflora), der Gelbe Fingerhut (Digitalis lutea) und der Wollige Fingerhut (Digitalis lanata).

Fingerhut: Giftige Pflanzenteile und Inhaltsstoffe

Alle Pflanzenteile sind hochgiftig. Bereits der Verzehr von zwei Blättern kann zu einer tödlichen Vergiftung führen. Fingerhutpflanzen enthalten vorwiegend in ihren Blättern hochgiftigen Digitalisglycoside. Der Gehalt der Glycoside schwankt je nach Tages- und Jahreszeit zwischen 0,1 und 1 %, wobei der Gehalt am Na‌chmittag höher ist als am Vormittag.

Der wunderschöne, hochgewachsene aber hochgiftige ‚Rote Fingerhut‘ wurde 2007 zur Giftpflanze des Jahres gewählt.

Heilwirkung und medizinische Anwendung

Die aus dem Roten Fingerhut gewonnenen Digitalispräparate sind – die Dosis macht das Gift – aber auch die bekanntesten natürlichen Herzmittel. Sie kräftigen den Herzmuskel und beeinflussen den Herzschlag.

Der Fingerhut war im Altertum unbekannt – er fand erst sehr spät, nämlich 1650, Eingang in die Londoner Pharmakopöe. Man verwendete die Pflanze damals zur Behandlung von Geschwüren. Erst im Jahre 1786 entdeckte der Schotte William Withering die herzstärkende Wirkung der Pflanze – und die richtige Dosierung.

Vergiftungssymptome

Eine Fingerhutvergiftung äußert sich durch Übelkeit und Erbrechen, das mitunter tagelang anhalten kann. Begleitet wird die Übelkeit durch Sehstörungen, verminderte Pulsfrequenz – teilweise unter 50 Schlägen, und im weiteren Vergiftungsverlauf auf unter 20 Schlägen pro Minute sinkend – bei trotzdem steigendem Blutdruck. Die Folge sind Herzrhythmusstörungen die bis hin zum Tod durch Herzstillstand führen können.

Die tödliche Dosis liegt übrigens schon bei etwa bei 2,5 (Blätter).

Der Fingerhut ist auch giftig für Tiere: Pferde, Rinder, Ziegen, Hunde, Katzen, Hasen, Meerschweinchen und Hamster sowie Vögel können sich an der Pflanze ebenso vergiften wie Menschen und zeigen auch ganz ähnliche Symptome: Erbrechen, blutiger Durchfall, Benommenheit, Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand.

Typische Symptome

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Reizbarkeit
  • Kopfschmerz
  • Nervenscherzen
  • Augenflimmern
  • Halluzinationen
  • Herzrythmustörungen
  • Tod durch Herzstillstand

Kenndaten

  • Wissenschaftlicher Name: Digitalis
  • Familie: Wegerichgewächse (Plantaginaceae)
  • Wuchshöhe: 30 – 150 cm
  • Blütenfarbe: so gut wie alle Farben sind vertreten
  • Vorkommen: Europa, Nordafrika, westliches Asien
  • Standorte: lichte Wälder, Gebüsche, zuweilen verwildert

Synonyme

Fingerhut, Fingerkraut, Fuchskraut, Schwulstkraut, Unserer-lieben-Frauen-Handschuh, Waldglöckchen, Waldschelle, Blatzblummen, Fingerhood, Fingerhütlein, Fingerpiepen, Handtelen, Klaprause, Waldschellen, Waltglöcklin

Verwechslungsgefahr

Der Fingerhut kann mit dem Beinwell und dem Borretsch verwechselt werden, allerdings sind die Blätter dieser beiden harmlosen Pflanzen rauer. Vor dem Erblühen besteht auch eine Verwechslungsgefahr mit der Königskerze.

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Quelle:

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Linktipps:

– Heilpflanze Fingerhut
– Giftpflanze Engelstrompete
– Kräuter konservieren
– Giftpflanze Maiglöckchen

Gegenlinks

Vorsicht vor giftigen Pflanzen!

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