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Giftpflanzen

Giftpflanzen

Giftpflanzen

Giftige Pflanzen gibt es auch in unseren Breiten – und zwar gar nicht so wenige! In der Natur, in Gärten und Parkanlagen, als Zimmerpflanzen und als Schnittblumen – Panik ist nicht angebracht, aber ein gewisses Grundwissen kann Ihnen, Ihren Kindern und auch Ihren Haustieren böse Erfahrungen ersparen.



Vorangestellt sei, dass die größte Gefahr und die meisten Vergiftungen erstens gar nicht in Zusammenhang mit Pflanzen, und wenn, dann zweitens nicht von den Pflanzen an sich, sondern von Düngern und anderen chemischen Mitteln, die im Garten Anwendung finden, herrühren. Dennoch: Basiswissen zu Giftpflanzen kann Leben retten!

Giftpflanzen in Haus und Garten

Vergiftungen mit Pflanzen oder Pflanzenteilen kommen bei Kindern viermal häufiger vor als bei Erwachsenen (außer bei Pilzen, aber das sind ja keine Pflanzen). 50 % aller Vergiftungen (chemische wie pflanzliche Vergiftungen) verlaufen bei Kindern ohne Symptome, lediglich bei 1,7 % der ‚Giftunfälle‘ treten schwere Symptome auf und 0,1 % der Vergiftungen enden tödlich.

Doch jeder Todesfall ist einer zu viel und kann durch ausreichend Wissen und vorsichtigen Umgang verhindert werden. Auch die Anzahl der Tiere die an Vergiftungen qualvoll zugrunde gehen, kann mit entsprechenden Aufklärung vielfach vermieden werden oder jedenfalls deutlich reduziert werden.

Unterschiedliche Wirkung bei Mensch und Tier

Manchmal sind alle Teile einer Pflanze giftig, manchmal nur die Blüten, nur die Blätter oder nur die Früchte. Die Wirkung des Gifts kann auch variieren, je nachdem ob die Teile als Ganzes geschluckt oder zerkaut und geschluckt oder zerkaut und wieder ausgespuckt werden. Übelkeit und Erbrechen sind die häufigsten, aber bei weitem nicht alle möglichen Symptome – bei einigen sehr giftigen Pflanzen kann es auch zu schweren bis tödlichen Vergiftungserscheinungen kommen.

Gift ist zudem nicht gleich Gift: Manche Pflanzen verursachen Magenkrämpfe und man muss sich übergeben, andere beinhalten halluzinogene Stoffe, manche Pflanzen wirken äußerlich angewandt als Heilpflanzen, von einer Einnahme ist aber dringend abzuraten, wieder andere können im schlimmsten Fall töten. Es gibt auch Pflanzen, die nur für bestimmte Tiere gefährlich bzw. giftig sind, andere können vorübergehende Blindheit verursachen oder zeitweise Lähmungen, oder…. die Natur ist kreativ im Einsatz ihrer Möglichkeiten. Einen Überblick über Mitteleuropas giftigste Pflanzen sollte daher jeder von uns haben.

Rausch (und Tod) aus dem Garten

Vor einigen Jahren machte im Norden Deutschlands ein Hortensiendieb von sich reden. Aus frühlingshaften Vorgärten verschwanden über Nacht Büsche und Töpfe der beliebten Zierpflanze. Die Polizei vermutete, dass die Pflanzen als Marihuana-Ersatz dienen sollten, da damals das Gerücht umging, die Pflanzen hätten eine berauschende Wirkung.

Nach Rücksprachen mit Pflanzenexperten und Toxikologen warnte das Landeskriminalamt in Niedersachsen eindringlich davor, die getrockneten Blätter und/oder Blüten der Pflanze zu rauchen, denn Hortensien sind hochgiftig – sie enthalten Blausäureverbindungen.

Der Spuk rund um den Hortensienklau hatte dann bald ein Ende und Gott sei Dank gab es auch keine Vergiftungsfälle zu verzeichnen. Das Beispiel führt aber deutlich vor Augen, dass Vorsicht geboten ist.

Hortensien, die wegen ihrer bunten ballförmigen Blütentrauben so beliebt sind, sind nämlich nicht die einzigen giftigen Gewächse, die sich im Garten manch ahnungsloser Pflanzenfreunde oder in der Natur finden.

Am Bekanntesten untern den einheimischen Giftpflanzen ist sicher die Tollkirsche. Die im Spätsommer reifenden, kirschgroßen, leuchtend schwarzen Beeren sehen appetitlich aus – allerdings sind sie hochgiftig: Für Kinder kann bereits der Genuss von drei bis vier Beeren tödlich sein.

Doch auch Erwachsene, die es eigentlich wissen sollten, vergiften sich regelmäßig mit Tollkirschen. Ein Grund dafür dürfte die als halluzinogen bekannte Wirkung des Giftes sein – doch das Spiel mit dem Rausch ist gefährlich: die Statistiken der Notrufzentralen weisen die Tollkirsche als eine der häufigsten Ursachen von Pflanzenvergiftungen aus.

Vergiftungen mit Engelstrompeten dürften aus den gleichen Gründen recht häufig auftreten, ist die Pflanze mit ihren schönen großen trompetenförmigen Blüten doch als Halluzinogen bekannt. Doch Vorsicht: der Genuss weniger Gramm der Blütenblätter kann nicht nur für Kinder tödlich sein, und regelmäßig gibt es Todesfälle aufgrund des Missbrauchs der Pflanze.

Eiben, Herbstzeitlose, Maiglöckchen, Fingerhut, Eisenhut, Goldregen …. Gefahren lauern überall. Wir werden Ihnen in unserer neuen Serie die wichtigsten gefährlichen Pflanzen vorstellen. Wir halten uns dabei an die Empfehlung von Experten und werden die Giftpflanzen in giftige und hochgiftige Pflanzen unterteilen und ihr Aussehen und ihre Wirkungsweisen beschreiben.

Entsprechendes Wissen kann Leben retten – vor allem wenn man auch weiss, was im Fall es Falles zu tun ist…

Erste Hilfe

Klar ist: Vorbeugen ist besser als Nachsorgen! Zunächst sollten Sie also Ihre eigenen Zimmer- Balkon- und Gartenpflanzen durchforsten – auch und gerade auf Kinderaugenhöhe, bzw. aus dem Blickwinkel eines vierbeinigen Besuchers.

Auch wenn Sie selbst keine Kinder oder Haustiere haben – denken Sie daran, dass Sie ab und zu Besuch bekommen und seien Sie sich der potentiellen grünen Gefahren zumindest bewusst. Überlegen Sie, ob Sie die giftigen Pflanzen behalten wollen und wenn ja, dann machen Sie Ihre Gäste jedenfalls darauf aufmerksam. Denken Sie daran – es geht nicht um Panikmache, sondern um Information und Bewusstseinsbildung!

Die Erfahrung zeigt, dass die meisten Mitmenschen entsprechende Informationen dankbar zur Kenntnis nehmen. Denn auch wenn man seine eigenen vier Wände incl. Garten ‚giftpflanzenfrei‘ macht, gilt es zu berücksichtigen, dass giftige Pflanzen einfach auch ein Teil unserer Natur und der ursprünglichen Vegetation sind und im Gefüge der Natur eine wichtige Rolle haben. Information und ausreichendes Wissen sind also in jedem Fall hilfreicher als eine ‚keimfreie‘ Umgebung, die man ohnedies nie schaffen kann.


Sollte ein Notfall eintreten:

  • Bewahren Sie Ruhe und klären Sie sachlich und analytisch die Umstände
  • Wer hat wann welche Pflanze, bzw. welche Pflanzenteile zu sich genommen
  • Wurden die Pflanzen als ganzes verschluckt, ‚nur‘ gekaut und wieder ausgespuckt, oder in gekautem Zustand verschluckt

Diese Informationen sind für fachkundige Experten essentiell, um Ihnen weiter helfen zu können. Rufen Sie nach Sammlung der Fakten eine Vergiftungszentrale an und schildern Sie möglichst detailgetreu die Umstände. Sollten bereits Symptome aufgetreten sein, beschreiben Sie auch diese.

Da die wenigsten von uns Pflanzenexperten sind, achten Sie darauf, möglichst ein vollständiges Exemplar der Pflanze beim Anruf bei der Hand zu haben, um diese exakt beschreiben zu können – so kann sie von Experten am ehesten identifiziert und eine optimale Notfallmaßnahme oder Therapie eingeleitet werden.

In jenen Fällen, die von den Experten der Vergiftungs-Notruftelefonen als gefährlich einstuft werden, gilt es, bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes die Vitalparameter des Patienten zu überwachen. Bleiben Sie mit dem Notdienst in Kontakt und lassen Sie sich telefonisch bis zum Eintreffen der Experten beraten.

Wichtig: bei oraler Giftaufnahme sollte das Auslösen von Erbrechen durch Laien im Regelfall vermieden werden, da dies die Vergiftung verschlimmern könnte!

Vergiftungs-Notrufnummern:

  • Wien: +43/1/4064343
  • München: +49/30/19240
  • Berlin: +49/89/19240
  • Zürich: +41/44/2515151

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Quelle:

¹ Apodirekt.at – Giftpflanzen (APOdirekt.at wurde per 30. Juni 2017 eingestellt)
²

Linktipps:

– Giftige Pflanzen
– Fingerhut | Heilpflanzenlexikon
– Giftpflanze Maiglöckchen
– Sicheres Wohnen mit Kindern
– Giftpflanze Engelstrompete