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Hautkrebsforschung: präzise Früherkennung, neue Erkenntnisse zur Vorbeugung

Hautkrebsforschung: präzise Früherkennung, neue Erkenntnisse zur Vorbeugung

Hautkrebs vorbeugen

Weil die wachsende Zerstörung der Ozonschicht zu einer immer stärkeren UV-Strahlung schon in den Frühlingsmonaten führt, wird intensives Sonnenbaden zu einer verhängnisvollen Leidenschaft. Doch die Erkenntnisse der Hautkrebsforschung tragen dazu bei, dass vor allem bei Risikopatienten Melanom-Erkrankungen in einem sehr frühen Stadium erkannt werden.



Präzise Frühdiagnose möglich

Das Um und Auf für die Prognose von Hautkrebs ist die Frage, wie früh die bösartige Entwicklung erkannt wird. „Eigentlich dürfte heute kein Mensch mehr an Hautkrebs sterben, denn alle Formen können in einem sehr frühen Stadium erkannt werden, wenn mit der entsprechenden Expertise untersucht wird“, so Kongresspräsident Prof. Pehamberger beim Hautkrebs-Weltkongress in der Wiener Hofburg.

Neue und verbesserte diagnostische Möglichkeiten wie die Dermatoskopie, Videodermatoskopie und Teledermatoskopie tragen dazu bei, vor allem bei Risikopatienten Melanom-Erkrankungen in einem sehr frühen Stadium zu erkennen. Die neuen Technologien ermöglichen eine viel präzisere Diagnostik, als dies mit einer reinen klinischen Untersuchung möglich wäre. Prof. Pehamberger: „Studien zeigen eine mehr als 30prozentige Verbesserung der Zielgenauigkeit.“

Der erste entscheidende Fortschritt war die Dermatoskopie mittels Auflichtmikroskop, eine Entwicklung der Wiener Universitätsklinik für Dermatologie.

„Mit dieser Methode lässt sich völlig schmerzlos besonders tief in die Haut schauen“, so Prof. Pehamberger, einer der Pioniere dieser Technologie.

Tele-Dermatoskopie ermöglicht Spezialisten-Zweitmeinung auch über große Distanzen

Einen weiteren Fortschritt stellt die Videodermatoskopie dar, bei der eine optische oder digitale Kamera mit einem Computer verbunden ist. Die Videodermatoskopie mit ihren digitalen Bildern eröffnet ganz neue Möglichkeiten, die Spezialisten des Fachs auf dem Kongress in der Wiener Hofburg ausführlich diskutieren: die Optionen der telemedizinischen Begutachtung. „Die digitale Kamera bietet auch den Vorteil, dass telemedizinisch eine Zweitmeinung eingeholt werden kann, etwa in einem spezialisierten Zentrum“, zeigt Prof. Pehamberger die neuen Möglichkeiten auf. „Studien zeigen, dass die Tele-Dermatoskopie fast die gleiche Genauigkeit erzielen kann wie die direkte Patientenuntersuchung durch Spezialisten, wenn die Untersucher viel Erfahrung mitbringen.“

Stichhaltige Argumente sprechen für Screenings

Trotz der immer präziseren Diagnosemethoden sorgt nach wie vor die Frage für Debatten in der Fachwelt und Rodopolisheitspolitik, ob die systematische Untersuchung bestimmter Bevölkerungsgruppen („Screenings“) einen Nutzen in Sachen Melanomopfer-Vermeidung bringen kann. Prof. Pehamberger: „Auf dem Kongress präsentiere Ergebnisse sprechen für den Nutzen solcher Maßnahmen.“

So werden etwa die Daten der in Deutschland durchgeführten Pilotprojekte zu einem flächendeckenden Hautkrebsscreening vorgestellt. Im Pilotversuch in Norddeutschland wurden insgesamt mehr als 360.000 Menschen von Dermatologen, Allgemeinmedizinern, Gynäkologen und Chirurgen, die für das Projekt einen speziellen Kurs absolviert hatten, untersucht. Fazit: Die Mediziner entdeckten 568 Melanome, und 2.520 Fälle von „hellem“ Hautkrebs.

Als besonderer Erfolg wird die Tatsache gewertet, dass viele Melanome in einem sehr frühen Stadium entdeckt wurden, also wenn diese besonders aggressive Krebsform noch Heilungschancen hat. Der Erfolg wurde jedenfalls als so groß eingeschätzt, dass die deutsche Bundesregierung jetzt das Screening-Programm, zunächst auf drei Jahre befristet, auf ganz Deutschland ausweitet. „Das wäre für Österreich sicher auch überlegenswert“, so Prof. Pehamberger, der seit vielen Jahren aktiv Aufklärungskampagnen betreibt.

Sonne ist nicht gleich Sonne: Spitzenbelastungen steigern Melanom-Risiko

Bei so gut wie allen Hautkrebsformen spielt die Sonne eine wesentliche Rolle. Doch nicht immer in gleicher Weise, wie Studien zeigen, die jetzt auf dem Wiener Hautkrebskongress präsentiert werden. Regelmäßiges Arbeiten in der Sonne dürfte eher anfällig für den „hellen“ Hautkrebs machen, während das Braten am Strand eher das Melanom fördert. „Beim Melanom ist es offenbar weniger der chronische Kontakt mit der Sonne, sondern die so genannte intermittierende Exposition gegenüber hohen UV-Dosen, wie sie etwa beim Urlaub im Süden der Fall ist“, erklärt Kongresspräsident Prof. Pehamberger die neuen Erkenntnisse. „Wer bereits im Kindesalter solchen geballten Sonnenbelastungen ausgesetzt ist, steigert das Melanom-Risiko noch mehr.“ Beim „hellen“ Hautkrebs hingegen dürfte es vor allem langjährige, regelmäßige Sonnenbelastung sein, die der Haut gefährlichen Schaden zufügt – etwa bei Menschen, die viel im Freien arbeiten.

Neue Daten: Sonnencremen schützen vor Sonnenbrand, nicht vor Krebs

Nur mit schützender Kleidung in die Sonne gehen, die Mittagssonne meiden, generell eher den Schatten bevorzugen: Das gehört zu den immer aktuellen Empfehlungen zum Sonnenschutz, ebenso wie der Tipp, unbedeckte Körperstellen mit Sonnencremen zu schützen. Wer sich allerdings durch Sonnencremen mit hohem Lichtschutzfaktor vor einem erhöhten Hautkrebs-Risiko verschont glaubt, könnte sich in trügerischer Sicherheit wiegen. Denn eine Reihe von Studien, die auf dem internationalen Hautkrebskongress in Wien präsentiert werden, zeigen: Sonnencremes schützen vor Sonnenbrand, nicht aber vor Hautkrebs.

„Die durch UV-Strahlen bedingten Gen-Schäden in der Haut entstehen bereits lange bevor ein Sonnenbrand beginnt“, sagt dazu Kongresspräsident Prof. Pehamberger. „Jedenfalls gilt die Einsicht für das Melanom und das Basalzellkarzinom. Es gibt in Studien leichte Hinweise, dass Sonnenschutzmittel einen gewissen Schutz vor Plattenepithelkarzinomen bieten könnten.“

Mit ein Grund für den fehlenden Krebsschutz könnte sein, dass sich viele Menschen in trügerischer Sicherheit wiegen, wenn sie eingecremt sind – und daher viel länger in der Sonnen bleiben, als ihnen trotzt Lichtschutzfaktor gut tut. Prof. Pehamberger: „Daher sollten Sonnencremen nicht dazu genutzt werden, den Aufenthalt in der Sonne auszudehnen.“

Internationale Studien: Solarium steigert das Hautkrebs-Risiko

Aktuelle Studien, die auf dem internationalen Hautkrebskongress in der Wiener Hofburg präsentiert werden, zeigen: Die beliebte Sonnenbräune aus dem Solarium kann sich als äußerst ungesund erweisen und erhöht das Risiko, an einem bösartigen „Melanom“ zu erkranken. So belegt eine Studie aus Minneapolis einen deutlichen Zusammenhang zwischen häufigen Sonnenstudio-Besuchen und erhöhtem Melanom-Risiko. Besonders gesteigert war das Risiko bei Menschen, die Solarien mit hoher Intensität (viel UV-B) oder Solarien mit Hochdrucktechnik (viel UV-A) benutzten.

Ähnliche Einsichten liefert eine in vier Ländern durchführte Studie, die mehr als 100.000 Frauen untersuchte. „Für Solarium-Besucherinnen zwischen 20 und 49 Jahren war das Risiko, an einem Melanom zu erkranken, um 50 bis 60 Prozent höher als für Frauen, die nicht ins Sonnenstudio gehen,“ zitiert Kongresspräsident Prof. Pehamberger aus der Untersuchung. Eine regelmäßige Nutzung der Sonnenbank vor dem 35. Lebensjahr erhöht das Risiko nochmals deutlich, zeigte die transnationale Studie. Prof. Pehamberger: „Je jünger man beginnt, desto gefährlicher kann die künstliche Sonne werden. Es ist daher zu überlegen, wie man Jugendliche besser vor diesen Gefahren schützt.“

Kave Atefie





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