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Herzinsuffizienz – die neue medizinische Herausforderung unserer Zeit

Herzinsuffizienz – die neue medizinische Herausforderung unserer Zeit

Herzinsuffizienz

Herzinsuffizienz („Herzschwäche“) ist in den wohlhabenden Ländern der Erde die neue medizinische Herausforderung unserer Zeit“, sagt Prim. Univ.-Prof. Dr. Kurt Huber, Vorstand der 3. Medizinischen Abteilung mit Kardiologie, Wilhelminenspital Wien. „Und das bei steigender Tendenz, denn je älter wir werden, desto häufiger wird die HI auftreten.“



Dazu einige Zahlen:

  • Betroffen von der symptomatischen Herzinsuffizienz (HI) sind generell 0,4 bis 2 Prozent der europäischen Population, in der EU leiden bis zu rund 10 Millionen Menschen an HI, in Österreich bis zu 160.000.
  • Jährlich werden in Österreich etwa 27.000 Patienten stationär mit der Diagnose HI aufgenommen, 25.000 davon sind älter als 65. Die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus beträgt im Schnitt 28 Tage.
  • Britische Berechnungen beziffern die direkten Kosten der HI auf 905 Millionen Pfund, eine US-Untersuchung berechnet die jährlichen Kosten der HI in den USA auf 28,8 Milliarden Dollar.
  • In Österreich produziert die HI Kosten von insgesamt etwa 340 Millionen Euro pro Jahr.
  • 50 Prozent der Patienten mit der Diagnose HI sterben innerhalb von 4 Jahren, über 50 Prozent der Patienten mit „schwerer“ HI sterben innerhalb eines Jahres.
  • Schätzungen für Österreich sprechen davon, dass jedes Jahr 15.000 Menschen an HI versterben.
  • Die Sterberate der Patienten mit HI innerhalb von 5 Jahren ist höher als die der meisten Krebsarten, nur der Lungenkrebs hat eine noch kürzere Lebenserwartung als HI.
  • Den Herzinfarkt überleben – an HI erkranken: Mehr als 20 Prozent der Männer und fast 50 Prozent der Frauen, die einen Herzinfarkt hatten, entwickeln innerhalb von sechs Jahren eine HI.

Chronische und akute Herzinsuffizienz: Aufklärung über die Risiken dringend gefordert

„Eine chronische Herzinsuffizienz tritt ein, wenn das Herz nicht mehr genügend Blut durch das Körpergewebe pumpen kann und damit eine ausreichende Blutzirkulation nicht mehr gewährleistet ist“, erklärt Prof. Huber. Erstes Anzeichen einer HI ist die Abnahme der Blutdurchflussmenge in der linken Herzkammer, die auf eine verminderte Kontraktionsfähigkeit des Herzens und/oder auf ineffiziente Kontraktionen zurückzuführen sind. HI ist gekennzeichnet durch Jahre lange Leidenszeiten mit Luftnot, Kurzatmigkeit, Müdigkeit und fehlender Leistungsfähigkeit, typisch sind Schwellungen in der Regel an den Füßen und Knöcheln („Ödeme“). Prof. Huber: „Akute HI ist die gefährlichste Ausprägung und tritt auf, wenn eine plötzliche und schwere Beeinträchtigung des Herzmuskels die Pumpaktivität des Herzens deutlich herabsetzt. Beim ersten Verdacht muss sofort die Rettung verständigt werden.“

Aufklärung und Information von Ärzten und breiter Öffentlichkeit sei unbedingt erforderlich, betont der Kardiologe: „Die ?Kardiologischen Fortbildungsseminare′, die von der 3. Medizinischen Abteilung des Wilhelminenspitals gemeinsam mit der Berliner Charité organisiert werden, verfolgen diese Ziele ebenso wie dieses Pressegespräch.“ Die häufigsten HI-Ursachen sind Arteriosklerose (auch Atherosklerose) der Herzkranzarterien und abnormer Bluthochdruck. Risikofaktoren, die zu koronarer Herzkrankheit führen, erhöhen auch die Gefahr der Entstehung einer HI: Zu den wichtigsten zählen ungünstige Cholesterinwerte, Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht und Rauchen. Weitere mögliche Ursachen für HI sind Erkrankungen des Herzmuskels, Erkrankungen der Herzklappen, Herzrhythmusstörungen oder angeborene Herzfehler.

IMAS-Umfrage dokumentiert geringes Wissen: Herzverband unterstützt und informiert

  • 52 % aller Österreich über 16 Jahre haben keinerlei Vermutung über Art der Erkrankung oder ihre Symptomatik: wobei 27 % mit „weiß nicht“ antworten und 25 % den Begriff „Herzinsuffizienz“ noch nie gehört haben.
  • Letztendlich wissen nur 25 % der Österreicher, das es sich bei Herzinsuffizienz um Herzschwäche handelt, und 9 % dass es sich um eine Herzmuskel-Erkrankung handelt.
  • Nur 19 % wissen, dass man diese Erkrankung an Atemnot erkennt, 2 % dass es zu Wasseransammlungen in der Lunge oder im Bauchraum bzw. 5 % dass es zu Wasser in den Beinen kommen kann.
  • 32 % der Befragten wissen, dass HI „lebensbedrohlich“ ist. 39 % halten zwar HI für „nicht lebensbedrohlich“, meinen aber immerhin dass HI „konsequent behandelt werden sollte.“
  • Die Vorstellungen über die Maßnahmen, die man bei akuter HI ergreifen kann bzw. soll, sind konkret. Man würde mit großer Mehrheit entweder zum Arzt gehen (73 %) oder die Rettung rufen (65 %). Allerdings: Ein knappes Drittel der Befragten würden Hinlegen und Hochlagern der Beine empfehlen, 15 % die Einnahme von Aspirin.

„Auch angesichts dieser Umfrageergebnisse begrüßt der Österreichische Herzverband Maßnahmen die geeignet sind, in der Öffentlichkeit Awareness zu schaffen und den Wissensstand zu heben, weil damit zweifellos viele Leben gerettet werden können“, sagt Schulter. „Bei vielen HI-Patienten kommt es durch Unwissenheit zu einer Wiederaufnahme im Krankenhaus. Dies könnten und wollen wir verhindern!“

Levosimendan: Eine Revolution in der medikamentöse Therapie der akuten Herzinsuffizienz

„Eine Verbesserung der medikamentösen Therapie gab es in der jüngeren Vergangenheit vor allem für Patienten mit chronischer HI durch ACE-Hemmer, Betablocker und Spironolacton. In der Therapie der akuten HI gab es keinen Durchbruch“, erklärt Prim. Univ.-Prof. Dr. Heinz Weber, Vorstand der 1. Medizinischen Abteilung, Donauspital im SMZ Ost. „Eine regelrechte Revolution in der medikamentösen Therapie der akuten HI brachte erst die neue Wirkstoffklasse der Kalzium-Sensitizer mit Levosimendan als erstem Vertreter. Levosimendan ist eine intravenös zu verabreichende Substanz zur Kurzzeittherapie bei akuter Dekompensation einer schweren chronischen HI. Eine einmalige Levosimendan-Gabe kann die Pumpkraft des Herzens stark verbessern und die akute Situation kann überwunden werden. Die Wirkung hält auch mehrere Wochen an.“

Der Vorteil dabei ist, dass Levosimendan das Herz nicht durch erhöhten Kalzium-Einstrom antreibt und so mehr Sauerstoff verbraucht wird, oder Arrhythmien verursacht, wie es bei der Medikamentengruppe der Inotropika der Fall sein kann, sondern dass es das Herz unterstützt, das in den Herzmuskelzellen vorhanden Kalzium ökonomischer zu gebrauchen. Levosimendan stärkt aber nicht nur die Leistungskraft des Herzens, sondern erweitert auch die Gefäße und entlastet somit Herz und Kreislauf. Prof. Weber: „Eine wiederholte Gabe von Levosimendan ist möglich und bedeutet eventuell in Zukunft die Behandlung auch der chronischen HI mit dieser Substanz. Die diesbezüglichen Entwicklungen werden mit großem Interesse zu verfolgen sein.“

Möglichkeiten der Herzchirurgie für Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz

Durch seinen gänzlich neuartigen Wirkmechanismus kann mit Levosimendan die akute HI überwunden werden: Um Patienten dann entweder weiter medikamentös zu behandeln, oder aber um die Phase bis zu chirurgischen Maßnahmen zu überwinden. „Die moderne Herzchirurgie kann bei schwerer Herzinsuffizienz teilweise die Ursachen beheben, oder als Behandlungsoption in Frage kommen, wenn Medikamente allein nicht ausreichend wirksam sind, also in der Therapie der fortgeschrittenen, Medikamenten-resistenten Herzinsuffizienz“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Georg Wieselthaler, Klinische Abteilung für Herz-Thorax-Chirurgie, AKH Wien. „In der HI-Therapie hat sich heute ein stufenweises Vorgehen etabliert.“ Die chirurgische Therapie der HI kann als Organ-erhaltende Therapie oder als Herzersatztherapie durchgeführt werden. Insbesondere bei den Organ-erhaltenden Eingriffen konnten in den vergangenen Jahren durch die Aneurysma- und Mitralklappenchirurgie, die Hochrisiko-Bypass-Chirurgie und durch elektrostimulatorische Verfahren gute Fortschritte erzielt werden.

Linktipps:

– Internisten Österreich – Ärzteverzeichnis
– Herzrhythmusstörung – Vorhofflimmern
– Darmkrebs – schonende Früherkennung mittels MRT
– Gehirntumor – Krankheit ohne klare Frühwarnzeichen
– Patientensicherheit
– Darmkrebs (Rektumkarzinom)
– Krankheitslexikon: Krebs
– Blutbild, Blutbefund, Blutwerte
– Vorsorge-Corner: Rodopolisenuntersuchung

Kave Atefie





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