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Hormone im Wechsel – Nutzen und Risiko

Hormone im Wechsel – Nutzen und Risiko

Hormonersatztherapie

Die Wechseljahre der Frau können unangenehme Begleiterscheinungen mit sich bringen, aber auch neue Chancen und Freiheiten. Der Wechsel ist keine Krankheit, sondern – ebenso wie die Pubertät – ein natürlicher Abschnitt im Leben einer Frau. Eine neue Broschüre mit dem Titel „Selbst ist die Frau – Wegweiser durch die Wechseljahre“ wurde vom Wiener Programm für Frauengesundheit erstellt und soll Frauen im Wechsel Antworten auf viele brennende Fragen bieten.



„Die oft vertretene Ansicht, dass die Wechseljahre eine Krankheit sind, trifft natürlich nicht zu. Die Wechseljahre sind eine natürliche Phase im Leben jeder Frau“, stellt der neue Folder „Selbst ist die Frau – Wegweiser durch die Wechseljahre“ klar, der Frauen über den Wechsel, die darin auftauchenden körperlichen und seelischen Veränderungen sowie die Behandlungsmöglichkeiten von Wechselbeschwerden aufklärt.

Aufklärung über Nutzen und Risken der Hormonersatztherapie

„Wir verstehen uns als Anwaltschaft der Frauen“. Das Wiener Programm für Frauengesundheit reagiert mit dieser Initiative auf möglicherweise entstandene Verunsicherung der Frauen. Dass diese und damit das Informationsbedürfnis der Frauen groß ist, beweisen der enorme Andrang und die rege Diskussion bei dieser Veranstaltung. Unter dem Motto „Selbst ist die Frau“ soll es Frauen durch objektive Informationen ermöglicht werden, eine informierte Entscheidung über die Hormonersatztherapie zu treffen“, betonte die Frauengesundheitsbeauftragte der Stadt Wien, Prof. Beate Wimmer-Puchinger: „Es gibt keinen Grund für eine Pathologisierung und Medikalisierung von Wechseljahren.“


Denn nicht alle Frauen haben in dieser Phase ihres Lebens Beschwerden. Nur rund ein Drittel der Betroffenen leiden unter massiven Symptomen, wie Univ.-Prof. Dr. Sepp Leodolter, Präsident der ÖGGG und der Leiter der Klinischen Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am AKH-Wien sagte. Er zeigte für diese Fälle Indikationsgebiete einer Hormonersatztherapie auf: „Vor allem bei jenen Frauen, die im Wechsel unter starken Hitzewallungen und Schweißausbrüchen oder Schlafstörungen leiden, können Hormone wie Östrogen eine Linderung bringen.“ Auch die im Wechsel häufig zu beobachtende Trockenheit der Scheide, eventuell verbunden mit Juckreiz, wäre eine Indikation für eine Hormonersatztherapie. Aufgrund der zahlreichen wissenschaftlichen Studien zu Hormonen, da waren sich die ExpertInnen einig, darf aber eine Hormonersatztherapie keinesfalls als reine Prophylaxe im Sinne von Anti Aging oder hormoneller Kosmetik verschrieben werden.

Hormonersatztherapie birgt auch Risken

Dennoch warnten die Experten auf der Veranstaltung vor einem allzu selbstverständlichen Umgang mit Hormonen im und nach dem Wechsel. Denn die Hormongabe erhöht auch das Brustkrebsrisiko. „Wir müssen den Frauen hier unbedingt die Wahrheit sagen“, betonte Univ.-Prof. Dr. Teresa Wagner von der Klinischen Abteilung für Spezielle Gynäkologie am AKH Wien und präsentierte Daten der britischen Studie an einer Million Frauen („One Million Women Study“). Diese zeigen, dass unter Hormonanwenderinnen eine erhöhte Anzahl an Brustkrebsfällen zu beobachten war. Besonders brustkrebsgefährdet sind laut Prof. Wagner jene Frauen, die die Hormonersatztherapie länger als fünf Jahre lang anwenden.

Die kombinierte Hormontherapie (Östrogene plus Gestagene) erhöht das Brustkrebsrisiko bei 1000 Anwenderinnen um 19 zusätzliche Brustkrebsfälle. Mehr als 20 Gramm Alkohol – das ist weniger als ein Viertel Rotwein – pro Tag erhöht ebenfalls das Brustkrebsrisiko. „Und wer Alkohol plus Hormone einnimmt, verdoppelt sein Brustkrebs-Risiko“, warnt Prof. Wagner. „Das wird häufig unterschätzt.“

Prof. Leodolter, Präsident der ÖGGG empfiehlt daher, „vor jeder Hormonersatztherapie individuell Nutzen und Risken einer solchen Therapie abzuwägen. Grundsätzlich sei zu empfehlen, so der Experte, die Therapie so niedrig dosiert und so kurz wie sinnvollerweise möglich einzunehmen, um Risiken zu vermeiden. „In jedem Fall,“ so Prof. Leodolter, „müssen die Vorstellungen und Bedürfnisse der betroffenen Frau in der Behandlung berücksichtigt werden“. Die neue Broschüre „Selbst ist die Frau“ soll hier mithelfen, eine Entscheidung pro oder contra Hormonersatztherapie zu treffen.

Zur Broschüre, herausgegeben vom Wiener Programm für Frauengesundheit, sagt Prof. Leodolter: „Diese soll den Frauen ermöglichen, eine Entscheidung darüber zu fällen, ob für sie persönlich eine Hormonersatztherapie prinzipiell in Frage kommt oder nicht“. Die endgültige Entscheidung über eine Therapie sollte die Frau jedenfalls gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt getroffen werden.

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Erfüllte Sexualität auch im Wechsel

Dass im Übrigen die Zeit der Wechseljahre und danach keinesfalls ein Aus für ein erfülltes Sexualleben bedeutet, betonte die Psychotherapeutin und Sexualwissenschafterin Dr. Gerti Senger auf der Veranstaltung: „Frauen können auch nach der hormonellen Umstellung ihres Körpers ein lustbetontes Leben führen. Gerade in den reiferen Jahren ist die Sexualität nicht so sehr im Sinne von Geschlechtsverkehr, aber im Sinne von Zärtlichkeit, Nähe und Akzeptanz durch den Partner besonders wichtig“.

Und tatsächlich nützten auch viele Frauen ihren neu gewonnenen Freiraum in diesem Lebensabschnitt, um wieder mehr auf die eigenen Bedürfnisse auch sexueller Natur zu achten, so Dr. Senger. „Es ist gut sich sehr aktiv mit dem Partner auszutauschen und einiges für sein eigenes Selbstbewusstsein zu tun, da dieses wiederum besonders wichtig ist, um sich dem Partner hingeben zu können. Und je mehr man sich hingeben kann, desto besser wird bekanntlich auch der Sex.“ Für Frauen in und nach der Menopause sei es besonders wichtig, sich selbst als eine andere, mit neuen Wünschen und Bedürfnissen zu definieren und zu akzeptieren und schlussendlich sich diese auch zu erfüllen.

Anforderung der Broschüre

Die Broschüre „Selbst ist die Frau – Wegweiser durch die Wechseljahre“ kann täglich zwischen 10 und 12 Uhr kostenlos unter der Servicenummer des Wiener Programms für Frauengesundheit, (01) 4000-85954, angefordert werden.

Linktipps:

– die Macht der Hormone – 28 Tage im Körper einer Frau
– Endokrinologie – die Lehre von Hormonen
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– Gendermedizin – geschlechtsspezifische Medizin
– Sexualität im Alter
– Sexualität in der Menopause: Lustlosigkeit muss nicht sein