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Iontophorese | Medizinlexikon

Iontophorese | Medizinlexikon

Iontophorese

Iontophorese nennt man das Verfahren, bei dem mit Hilfe des elektrischen Stroms Heilstoffe in das menschliche Gewebe eingebracht werden. Diese Heilmethode wird primär – aber nicht nur – in der Dermatologie zur Behandlung von heftigem Schwitzen an Händen, Füssen und Achselhöhlen verwendet. Das Verfahren ist völlig ungefährlich und für jedermann empfehlenswert der an starker Schweißbildung leidet.



Das Verfahren der Iontophorese ist unkompliziert und seit über 50 Jahren im Einsatz. Es wird zu therapeutischen und diagnostischen Zwecken angewendet. In der Therapie kommt es bei übermäßiger Schweißproduktion, aber auch bei rheumatischen Erkrankungen zum Einsatz. Ebenso soll das Verfahren bei der Behandlung starker Cellulitis wirksam sein. Bei Verdacht auf Cystrische Fibrose kommt Iontophorese diagnostisch zur Anwendung.

Was ist Iontophorese

Das Verfahren der Iontophorese wird zu therapeutischen und diagnostischen Zwecken eingesetzt.

Bei der Therapie werden die Haut plus darunter liegendem Gewebe mit hohen Medikamentenkonzentrationen behandelt. Durch die vorher befeuchtete Haut wird für den Patienten ungefährlicher Gleichstrom geleitet. Das Medikament wird durch die Spannung der Elektrode aufgeladen und gelangt durch Ionenwanderung in die Haut.

Hautmedikamente werden vor allem in Form von Salben verabreicht deren Intensität sich durch die spezielle Behandlung mit Strom erhöhen lässt. Die Menge des Wirkstoffes wird durch die Stromstärke und die Dauer der Behandlung beeinflusst. Durch die Ionenwanderung kann zwar die eingebrachte Menge nicht genau beurteilt werden, es ist aber nachgewiesen, dass Salben besser in die Haut gelangen und ihre Wirkung so verbessert wird. Um die Wirkung weiter zu erhöhen, kann das Medikament unter zwei Elektroden angebracht werden.

Bei der Diagnostik wird Iontophorese vor allem bei Mukoviszidose-Patienten angewendet: die in den 50er Jahren gemachte Entdeckung, dass der Schweiß von Personen, die an dieser Stoffwechselerkrankung leiden, einen erhöhten Salzgehalt aufweist, führte 1959 zur Einführung des Gibson und Cooke Schweißtests als Diagnoseverfahren. Bis heute wird dieser unaufwändige Schweißtest – ein erhöhter Salzgehalt ist sehr einfach nachzuweisen – für die Diagnose von Mukoviszidose angewendet, da er besonders bei Kindern leicht durchführbar ist.

Wann wird Iontophorese eingesetzt?

Das Einsatzgebiet der Iontophorese ist recht vielfältig. Die Behandlung findet Anwendung bei:

  • Übermässiger Schweißbildung der Haut (leichte bis mittelschwere Hyperhidrose) an Händen, Füssen und Achselhöhlen
  • Rheumatischen Erkrankungen wie zum Beispiel Arthrose des Hand-, Finger-, Knie-, oder Hüftgelenks
  • Ekzeme
  • Gelenk-, Muskel-, und Sehnenschmerzen
  • Cellulite – einbringen des Wirkstoffes in das Unterhautbindegewebe
  • bei der Diagnose von Mukoviszidose/ Zystischer Fibrose mittels Schweißtest

Wie erfolgt eine Iontophorese-Behandlung

Eine Behandlungseinheit dauert durchschnittlich fünf bis 15 Minuten. Die Wannen, in denen z.B. von Ekzemen befallene Hand- oder Fußflächen behandelt werden, werden ca. drei bis vier cm hoch mit Leitungswasser befüllt. Für die Behandlung der Achseln werden sogenannter ‚Schwammtaschen‘, die dann in die Achselhöhlen geklemmt werden, kräftig mit Wasser getränkt. Vor der Behandlung sollten die entsprechenden Hautpartien fettfrei gemacht werden (Waschen mit einfacher Seife genügt). Bei einer starken Verhornung der Haut kann ein Wechsel der Polarität erforderlich sein.

Die Behandlungen müssen unter ärztlicher Aufsicht und in regelmäßigen Abständen erfolgen – zu Beginn bis zu fünf Sitzungen pro Woche, je nach Fortschritt und Erfolg wird die Therapie reduziert auf eine Behandlung pro Woche. Es ist wichtig große Abstände zwischen den einzelnen Behandlungen zu vermeiden, da der Erfolg dadurch zunichte gemacht werden kann. Da die Erhaltungsbehandlung kontinuierlich fortgeführt werden muss, empfiehlt sich die Anschaffung eines Heimgerät für den Patienten.

Kontraindikationen:

Trotz der Behandlung mit elektrischem Strom ist dieses Verfahren als ungefährlich zu bezeichnen. Beim Herausnehmen oder Eintauchen von Händen und Füssen kann es zwar zu einem leichten Stromschlag kommen, auch ein ziehendes oder kribbelndes Empfinden ist möglich, aber ungefährlich. Falls Schmerzen entstehen ist der Stromfluss zu hoch eingestellt und muss reduziert werden. Vor der Behandlung müssen alle metallischen Gegenstände abgelegt werden, um Hautverbrennungen zu verhindern. Auch kleine Wunden, oder offene Stellen sollten mit Vaseline versorgt werden um Schmerzen vorzubeugen.

ACHTUNG: Iontopherese darf nicht angewendet werden bei

  • Schwangeren Frauen
  • Menschen mit Herzschrittmacher
  • bei großen, nicht abdeckbaren Wunden ´
  • Menschen mit Metallimplantaten
  • Frauen mit Metall-Spiralen als Verhütumngsmittel

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Quellen:

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Linktipps:

– Krankheitslexikon Hyperhidrose
– Schwitzen
– Sympathektomie
– Cellulite – Orangenhaut

Gegenlinks

Rheumatische Erkrankungen

Bei chronischem Schwitzen: Salbei kann helfen

Gelenkschmerzen: wer rastet, der rostet

Cystische Fibrose | Krankheitslexikon