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Mobbing | Krankheitslexikon

Mobbing | Krankheitslexikon

Mobbing

Auseinandersetzungen in der Schule und am Arbeitsplatz kommen täglich vor – zwischen Arbeitskollegen genauso wie zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern. Das ist nicht ungewöhnlich, denn üblicherweise werden Meinungsverschiedenheiten bzw. Streitereien durch Kompromisse gelöst. Wenn Konflikte aber nicht aufgegriffen werden, bleiben Missverständnisse zurück. Diese aufgestauten Probleme können im schlimmsten Fall zu Mobbing-Übergriffen führen. Diese sind gekennzeichnet durch feindliche Kommunikation (Worte, Gesten) bzw. Gesprächsverweigerung und regelmäßige Angriffe auf eine Person über längeren Zeitraum. Die Konsequenzen beim Opfer der Mobbingattacken sind sinkende Motivation, Krankheiten, Panikzustände, Depression und Burn out.



Was ist eigentlich Mobbing?

Der Begriff Mobbing leitet sich aus dem englischen Wort „Mob“ ab und bedeutet so viel wie „zusammengerotteter Pöbel (Haufen)“ oder „lärmend über jemanden herfallen, anpöbeln, angreifen, attackieren“.

Angriffe auf die Rodopolisheit:

  • Zwang zu gesundheitsschädlichen Arbeiten
  • Androhung körperlicher Gewalt
  • Anwendung leichter Gewalt, um jemandem einen Denkzettel zu verpassen
  • Körperliche Mißhandlung
  • Man verursacht Kosten, um den Betroffenen zu schaden
  • Es wird zu Hause oder am Arbeitsplatz materieller Schaden angerichtet
  • Sexuelle Handgreiflichkeiten

Was hat sexuelle Belästigung mit Mobbing zu tun?

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist mittlerweile in den Industriestaaten als ernstzunehmendes Problem erkannt worden. Das hat vor allem in den USA zu einem deutlichen Anstieg gerichtlicher Auseinandersetzungen geführt .

Mobbing ist ein neuer Begriff für ein altes „Übel“. Ursprünglich wurde er von dem Verhaltensforscher Konrad Lorenz für aggressives Tierverhalten benutzt. Mittlerweile ist damit „Psychoterror am Arbeitsplatz“ gemeint. Das bedeutet nicht, dass die im folgenden beschriebenen Handlungen auf das Arbeitsleben beschränkt sind.

„Der Begriff Mobbing beschreibt schikanöses Handeln einer oder mehrerer Personen, das gegen eine Einzelperson oder eine Personengruppe gerichtet ist. Die schikanösen Handlungen werden meistens über einen längeren Zeitraum hin wiederholt. Sie implizieren grundsätzlich die Täter-Absicht, das (die) Opfer bzw. sein (ihr) Ansehen zu schädigen und gegebenenfalls aus seiner (ihrer) Position zu vertreiben. Aber auch ohne Schikaneabsicht des Täters können dessen ’normale‘ Handlungen von sensiblen Personen mißverstanden und als Mobbing empfunden werden.“

Die 45 Handlungen – Was Mobber tun

Angriffe auf die Möglichkeit, sich mitzuteilen:

  • Der/die Vorgesetzte schränkt die Möglichkeit ein, sich zu äußern
  • Man wird ständig unterbrochen
  • Kolleginnen und Kollegen schränken die Möglichkeiten ein, sich zu äußern
  • Anschreien oder lautes Schimpfen
  • Die Arbeitsleistung wird ständig kritisiert
  • Das Privatleben wird ständig kritisiert
  • Telefonterror
  • Mündliche Drohungen
  • Schriftliche Drohungen
  • Kontaktverweigerung durch abwertende Blicke oder Gesten
  • Kontaktverweigerung durch Andeutungen, ohne dass man etwas direkt ausspricht

Angriffe auf soziale Beziehungen:

  • Man spricht nicht mehr mit dem/der Betroffenen
  • Die Kollegen und Kolleginnen lassen sich nicht ansprechen
  • Versetzung in einen Raum weitab von den Kolleginnen und Kollegen
  • Arbeitskolleginnen und -kollegen wird verboten, den/die Betroffene/n anzusprechen
  • Man wird wie Luft behandelt

Angriffe auf das soziale Ansehen:

  • Es wird schlecht über die Betroffenen gesprochen
  • Gerüchte werden verbreitet
  • Die Gemobbten werden lächerlich gemacht
  • Man verdächtigt jemanden, psychisch krank zu sein
  • Man will jemanden zu einer psychiatrischen Untersuchung zwingen
  • über eine Behinderung wird gespottet
  • Gang, Stimme oder Gesten werden imitiert, um jemanden lächerlich zu machen
  • Die politische oder religiöse Einstellung wird angegriffen
  • Man macht sich über das Privatleben lustig
  • Man macht sich über die Nationalität lustig
  • Die Betroffenen werden gezwungen, Arbeiten auszuführen, die das Selbstbewußtsein verletzen
  • Der Arbeitseinsatz wird in falscher und kränkender Weise beurteilt
  • Entscheidungen werden in Frage gestellt
  • Man ruft ihm/ihr obszöne Schimpfworte oder andere entwürdigende Ausdrücke nach
  • Sexuelle Annäherungen oder verbale sexuelle Angebote

Angriffe auf die Qualität der Berufs- und Lebenssituation:

  • Es werden keine Arbeitsaufgaben zugewiesen
  • Man nimmt ihm/ihr jede Beschäftigung am Arbeitsplatz, so dass er/sie sich nicht einmal selbst Aufgaben ausdenken kann
  • Sinnlose Arbeitsaufgaben werden erteilt
  • Man gibt ihm/ihr Aufgaben weit unter dem eigentlichen Können
  • Es werden ständig neue Aufgaben zugewiesen
  • Man gibt ihr/ihm „kränkende“ Arbeitsaufgaben
  • Man gibt ihr/ihm Arbeitsaufgaben, die die Qualifikation übersteigen, um den Betroffenen/ die Betroffene bloßzustellen

„Sexuelle Belästigung kann also nur in Bezug auf die Auswirkungen definiert werden, die der jeweilige übergriff auf die betroffene Frau und die Arbeitsatmosphäre unter den übrigen Beschäftigten hat. Verhaltensweisen, die als belästigend empfunden werden, enthalten vier wesentliche Komponenten:

  • Das Bedürfnis der Frau nach Distanz und Selbstbestimmung im Berufsalltag wird übergangen.
  • Sexistisches Verhalten zwingt die Frau in eine unterlegene Position, die sie als herabwürdigend und verletzend empfindet.
  • Der Betroffenen stehen oft keine Verhaltensmuster zur Verfügung, mit denen sie adäquat und zufriedenstellend reagieren kann.
  • Aus der Belästigungssituation kann sich eine Betroffene häufig nicht befreien, ohne negative Folgereaktionen in ihrem beruflichen Umfeld zu riskieren.

Wenn Frauen so etwas erleben, ist es für sie sehr belastend. Untersuchungen zeigen, dass fast jede zweite Frau an ihrem Arbeitsplatz einmal davon betroffen ist. Dabei sind einmalige sexuelle Belästigungen oder übergriffe eher die Ausnahme, oft werden die Betroffenen über längere Zeit immer mehr in die Enge getrieben, bis die Entwicklung alle Ausprägungen, die man als Mobbing bezeichnet, annimmt. Durch eine klare Haltung des Arbeitgebers, sexuelle Belästigung im Betrieb nicht zu dulden (z. B. durch eine Betriebsvereinbarung) kann sie geächtet und geahndet werden. Dies verhindert auch, dass die betroffenen Frauen in ihrer Hilflosigkeit als Selbsthilfemaßnahme zu Handlungen greifen, die sie selbst zu Mobberinnen werden lassen. Auch Männer sind in Einzelfällen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz ausgesetzt.

Das folgende Verlaufsmodell eines Mobbing-Prozesses unterscheidet vier Phasen:

In der ersten Phase entstehen Konflikte, die schlecht oder gar nicht bewältigt werden. Zum Beispiel durch schlechtes Betriebsklima, weil die Beschäftigten aufgrund ständiger Umstrukturierung stark verunsichert sind. Die gemobbte Person ist gewillt, zu einer vernünftigen Konfliktbewältigung beizutragen. Zu diesem Zeitpunkt ist noch nicht abzusehen, wohin die Situation führen wird.

In der zweiten Phase kommt es erstmals zum gezielten Einsatz von typischen Mobbing-Handlungen. Der Konflikt ist eskaliert. Die „Front“ der Mobber und Mobberinnen stabilisiert sich.

Die dritte Phase ist durch eine stabile Rollenzuweisung gekennzeichnet. Die betroffene Person ist von den Mobbern und den Mobberinnen „gebrandmarkt“ worden (z. B. als Querulant, Besserwisser, „Sensibelchen“). Sie steht als Sündenbock für das gestörte Betriebsklima da.

Nach Erreichen der vierten Phase hat sich die Situation dramatisch zugespitzt. Die betroffene Person ist den beruflichen und sozialen Anforderungen nicht mehr gewachsen.

Mobbing – wer sind die Beteiligten?

Am Mobbinggeschehen sind alle, die am Arbeitsplatz miteinander in Kontakt stehen, beteiligt.

Es findet unter Kollegen und Kolleginnen statt, geht von Vorgesetzten gegen Untergebene – teilweise gemeinsam mit anderen Untergebenen – oder aber auch von ganzen Abteilungen gegen Vorgesetzte oder einzelne Kollegen und Kolleginnen

Die Mobber und Mobberinnen sind im einzelnen:

– zu 44 % Kollegen / Kolleginnen
– zu 37 % Vorgesetzte
– zu 10 % Kollegen / Kolleginnen und Vorgesetzte gemeinsam
– zu 9 % Untergebene

Informationsstellen:

Wiener Landesverband für Psychotherapie
Telefonische Beratung: Mo, Mi, Do 14.00 – 16.00, Sa 10.00 – 12.00 Uhr
Tel.: 01/Tel. 512 71 02

Burgenländischer Landesverband für Psychotherapie:
Esterhazystraße 18, A-7000 Eisenstadt
Mo, Di, Mi, Do 8.30 – 15.30 Uhr
Tel. 02682/684 711

Linktipps:

– Selbsthilfegruppen zum Thema Mobbing
– Cyber-Mobbing / Internet-Mobbying
– Eifersucht
– Stalking – Wege aus der Isolation
– Psychotherapeutischer Bereitschaftsdienst Wien

Weitere nützliche Links: