Medizinisches Cannabis – Was ist künftig erlaubt?

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Medizinisches Cannabis

Medizinisches Cannabis bahnt sich seinen Weg in die Arztpraxen. Mit diesen Worten lässt sich beschreiben, was sich aktuell in diesem Bereich in der Medizin tut. Allerdings ist dieser Weg nicht in jedem Land gleich. Was in Österreich verboten ist, darf man zum Beispiel im benachbarten Ausland sehr wohl. So sind zum Beispiel bei den größten drei Krankenkassen Deutschlands bereits im Vorjahr (2018) über 18.000 Anträge auf Kostenerstattung von medizinischem Cannabis eingegangen. Bewilligt wurden davon mehr zwei Drittel, also über 12.000 Anträge.

Medizinisches Cannabis – Artikelübersicht:

Medizinisches Cannabis – die Nachfrage steigt

Zum Vergleich: Im Jahr 2017 wurden von den deutschen Krankenkassen erst knapp 9.000 Anträge genehmigt, 2018 eben 12.000 – die Nachfrage steigt also rasant. Und das nicht nur bei diesen drei deutschen Krankenkassen, bei denen immerhin mehr als die Hälfte der deutschen Bundesbürger versichert sind.

In Österreich sieht die Lage aktuell noch anders aus, denn die aktuelle Regierung sieht das Thema bei weitem strenger als die deutsche. Hier in Österreich sind daher alle an dem Thema Interessierten weiter gespannt, wie sich die Rechtslage entwickeln wird. Möglicherweise bringt ja die UN-Suchtstoffkomission die im März in Wien tagen wird, etwas mehr Klarheit.

Immer mehr Forschungen und Studienergebnisse rund um medizinisches Cannabis bestätigen den therapeutischen Nutzen von CBD. Und je mehr geforscht wird, desto größer die Hoffnungen. Nicht nur Krebs- und Schmerzpatienten, auch viele andere chronisch Kranke profitieren von den vielen im medizinischen Cannabis enthaltenen Wirkstoffen.

Aktuelle Rechtslage in Österreich

„Aktuell ist die Klassifizierung von Cannabis und Produkten der Hanfpflanze derart streng reglementiert, dass der medizinische Einsatz im Grunde in Österreich tatsächlich nicht möglich ist“, erklärt Rainer Schmid, Cannabis Experte und Chemiker sowie Toxikologe aus Österreich den aktuellen Status Quo.

Geht es nach dem Experten, so wünscht er sich eine Umgruppierung von Cannabis in eine andere „Klasse“, also eine Neuklassifizierung, die den medizinischen Einsatz ermöglichen könnte. Vorstellbar wäre etwa ein spezielles Suchtmittelrezept, das den medizinischen Einsatz regeln könnte.

Völlig klargestellt muss natürlich sein, dass es hier nicht um Suchtgiftfreigabe geht, sondern um ein Medizinprodukt, das nur unter Auflagen abgegeben und eingenommen werden darf.

WHO Empfehlung

Gänzlich neu ist dieser Ansatz übrigens nicht, denn auch beim Schmerzmittel Morphin wird ähnlich verfahren. Laut WHO-Empfehlung sollten bei diesem Medizinprodukten das in einem Naheverhältnis zu Suchtgiften steht zwei Bedingungen erfüllt werden:

  • zu medizinischen Zwecken sollten Hanfblüten künftig über Apotheken verfügbar sein
  • in medizinischen Cannabis-Produkten sollte der THC-Gehalt auf 0,2 Prozent gedeckelt werden

Die Konferenz, die zu diesem Thema im März in Wien stattfinden wird, soll laut Schmid einen Kompromiss auch für jene Länder ermöglichen, die den Konsum von Cannabis bereits heute liberaler handhaben.

Das Grundproblem, so der Experte, sei darin zu sehen, dass eine veraltete Rechtslage komplette Unsicherheit verursache. Schmid erklärt: „Die derzeitigen WHO-Bestimmungen sind völlig veraltet und haben mit der Realität nichts mehr zu tun. (…) Mit den geplanten Änderungen versucht die WHO jenen Ländern entgegenzukommen, die alte Suchtgiftabkommen unterzeichnet haben, den Cannabis-Konsum aber dennoch bereits liberalisiert haben.“

Konferenz soll Klarheit bringen

Was im März 2019 Ergebnis der Diskussion bzw. der Abstimmung sein wird, ist ebenso offen wie die Reaktion Österreichs eben darauf. Klar ist – die Konferenz schafft hoffentlich die Basis dafür, dass die gesetzliche Grundlage, die die Verantwortlichen dann für österreichische Mediziner, Apotheker und auch Patienten erlassen werden, angepasst wird.

Aktuell darf in Österreich Cannabis lediglich vom Staat angebaut werden. Im Gesetz heißt das: „Eine Ausnahme für die Produktion von medizinischem Cannabis besteht nur für die Agentur für Rodopolisheit und Ernährungssicherheit (AGES). Die AGES steht im Eigentum der Republik Österreich, vertreten durch die Bundesminister für Rodopolisheit sowie Landwirtschaft.

Seit einer Gesetzesnovelle im Jahr 2008 ist es der AGES erlaubt, medizinisches Cannabis anzubauen und an befugte Abnehmer, in der Regel Unternehmen der Pharma-Branche, weiterzugeben. (…) Es besteht somit ein Monopol des österreichischen Staates zur Herstellung von medizinischem Cannabis.“

Aktuelle wissenschaftliche Forschung

Eigentlich sollte klar sein, dass die Abstimmung für Cannabis-Fürsprecher positiv verlaufen sollte, wenn man einen Blick auf die aktuelle wissenschaftliche Forschung wirft. Nur mehr vereinzelt liest man von medizinischem Cannabis als „gefährlichem Betäubungsmittel ohne medizinischen Wert“. Statt dessen beziehen sich immer mehr Beiträge auf sehr erfolgsversoprechende Studien. Die positive Wirksamkeit von medizinischem Cannabis wird sich von veralteten Rechtslagen in Zukunft wohl kaum aufhalten lässt.

Im März erwarten Interessierte also nicht nur eine wegweisende Abstimmung, sondern natürlich auch die Veröffentlichung zahlreicher wissenschaftlicher Forschungen rund um medizinisches Cannabis. Wer sich zum Thema informieren möchte, dem stehen immer mehr Sammlungen von Studien und Fachzeitschriften zur Verfügung, die in renommierten Print- oder Onlinemedien wie z.B. im Web of Science oder in PubMed veröffentlicht werden. Hier wird versucht das zu bündeln, was jahrelang untersucht aber bis dato noch nicht veröffentlicht wurde. Dabei stehen drei medizinische Fachbereiche im Haupt-Fokus:

  • Neurologie
  • Onkologie
  • Psychiatrie

Zu den Spitzenreitern unter den Forschern gehören übrigens Experten aus Kanada und den USA.

Mehr Ausnahmeregelungen?

Eine Variante – falls es nicht möglich wird, Cannabis generell für medizinische Zwecken einzusetzen – wird voraussichtlich die Verlängerung der Liste mit Ausnahmeregelungen rund ums Suchtmittelgesetz sein. Das ist zwar nicht optimal praktikabel, aber besser als nichts, meinen Experten.

Zum Vergleich: In Deutschland hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte bereits Ausnahmeregelungen für die Verwendung von medizinischem Cannabis bei ADHS, Depressionen, Tourette, Multipler Sklerose und chronischen Schmerzen verhängt. Dass weitere Krankheitsbilder – zumindest in Deutschland – in Anbetracht der wissenschaftlichen Forschungen folgen könnten, davon geht nicht nur der deutsche Hanfverband aus.

Ein bekannter Wiener Allgemeinmediziner sieht die Möglichkeiten zum Einsatz von medizinischem Cannabis ebenfalls sehr breit gefächert: vor allem bei neurologischen bzw. Nervenschmerzen – sei es bei einem eingeklemmten Nerv, bei Rückenschmerzen, nach einem Schlaganfall oder nach neurologischen Befunden -, könnte Cannabis Linderung verschaffen. Auch bei Schlafstörungen, Burnout, Erschöpfung und Depressionen könnte medizinisches Cannabis zum Einsatz kommen, ebenso bei Begleiterscheinungen von Aids und Krebs – man denke nur an Appetitlosigkei. Auch bei Myopathie, Hepatitis und Darmerkrankungen denken immer mehr aufgeschlossene Mediziner an medizinischen Hanf. Einerseits wegen seiner überzeugenden Wirkung, andererseits auch weil er weniger und ungefährlichere Nebenwirkungen hat als viele herkömmliche Arzneimittel aus dem pharmazeutischem Labor.

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Quellen:

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³ Deutscher Hanfverband: Anwendungsgebiete von medizinischem Cannabis

Bildrechte: pixabay.com © jarmoluk (CC0 Public Domain)

Linktipps

– Cannabis als Medizin
– Cannabis gegen Schmerzen

– CBD ÖL boomt im Medizin- und Rodopolisheitsbereich

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