1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (7 Bewertungen, Durchschnitt: 3,14 Sterne von 5)
Meningokokken: Infektionsgefahr steigt in der Grippesaison

Meningokokken: Infektionsgefahr steigt in der Grippesaison

Meningokokken

Meningokokken: kaum bekannt aber sehr gefährlich. Eine Meningokokken-Infektion kann einen gesunden Menschen innerhalb weniger Stunden töten, eine durch solche Bakterien hervorgerufene Gehirnhautentzündung oder Blutvergiftung kann außerdem zu dramatischen Folgeschäden führen. 50 Prozent aller Betroffenen sind Säuglinge und Kinder, 20 Prozent sind Jugendliche. Die „Initiative Meningokokken“, der 16 österreichische Experten angehören, informiert über die Möglichkeiten der Früherkennung und empfiehlt allen Risikogruppen einen lang anhaltenden Impfschutz mittels neuartiger „konjugierter“ Vakzine.



„Die Tatsache, dass die Meningokokken-Krankheit in der breiten Öffentlichkeit noch immer viel zu wenig bekannt ist, steht in einem sehr problematischen Kontrast zu ihrer immensen Gefährlichkeit“, konstatiert Univ. Prof. DDr. Ernst Huber, Präsident des „Österreichischen Grünen Kreuzes für Vorsorgemedizin“ und Leiter der neu gegründeten „Initiative Meningokokken „. „Schließlich handelt es sich dabei um eine Infektion, die binnen Stunden den Tod eines gesunden Menschen hervorrufen kann.“

Immerhin sind jedes Jahr in Österreich rund hundert Menschen von dieser dramatisch verlaufenden Krankheit betroffen. Die durch Bakterien vom Typ der Meningokokken verursachten Krankheiten sind lebensbedrohlich, treten blitzartig auf und sind stark ansteckend. Sie verursachen – sehr oft — eitrige Gehirnhautentzündung und/oder Blutvergiftung. Bei etwa 20 Prozent der Menschen, die an der als Meningokokken-Meningitis bezeichneten Form der Gehirnhautentzündung erkrankten, bleiben Folgeschäden des Gehirns, des Rückenmarks, und/oder Hörschäden zurück. Bei den an Blutvergiftung („Sepsis“) Erkrankten kann es zu Multi-Organversagen und Amputationen auch mehrerer Gliedmaßen kommen.

Säuglinge und Kleinkinder sind am häufigsten betroffen

„Säuglinge und Kleinkinder machen bis zu 50 Prozent aller Meningokokken-Erkrankungen aus, bei ihnen ist das Immunsystem noch nicht voll entwickelt“, sagt Univ.-Prof. Dr. Ursula Kunze vom Institut für Sozialmedizin der Universität Wien. „Einen weiteren Erkrankungsgipfel gibt es mit etwa 20 Prozent aller Fälle bei Jugendlichen zwischen 14 und 19 Jahren. In diesem Alter kommt es vermehrt zu sozialen Kontakten bei Discobesuchen, Partys, Ferien- und Sprachreisen, wodurch die Ansteckungsgefahr steigt.“ Ein erhöhtes Infektionsrisiko bestehe generell auch in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kinderkrippen, Kindergärten, Schulen, Jugendherbergen, Internaten, Studentenwohnheimen oder Kasernen, weil dort durch engen Kontakt die Übertragung erleichtert wird.

Serogruppen B und C

In den europäischen Ländern sind Meningokokken der Serogruppen B und C für mehr als 90 Prozent der Erkrankungen verantwortlich, rechnet Prof. Kunze vor. Während gegen Meningokokken der Serogruppen B noch kein Impfstoff in Sicht sei, stehen gegen Meningokokken C nicht nur die bisherigen Kombinationsimpfstoffe, sondern auch die neuartigen Konjugat-Impfstoffe zur Verfügung. Sie bieten bereits Kindern unter zwei Jahren sicheren Schutz und bauen bei geimpften Personen jeden Alters einen lange anhaltenden Impfschutz auf.

Erkältungs- und Grippe-Periode ist auch die Zeit der Meningokokken-Infektionen

„Weil es in der kalten Jahreszeit vermehrt zu Infektionen der oberen Atemwege kommt und die Erreger per Tröpfcheninfektion übertragen werden, treten Meningokokken-Erkrankungen gehäuft im Winter und Frühjahr auf, vor allem von Januar bis März“, sagt Prof. Kunze.

In Europa sind durchschnittlich etwa 10 Prozent der Personen asymptomatische Träger von Meningokokken im Nasen-Rachenraum. Das bedeutet, dass sie zwar nicht an der Meningokokken-Krankheit erkrankt sind, jedoch die Erreger – wie etwa bei Schnupfenviren – auf andere Menschen übertragen können: durch Tröpfcheninfektion beim Husten oder Niesen, beim Trinken aus demselben Glas, oder durch enge Kontakte wie Küssen.

Diagnose ist oft schwierig

Die Diagnose dieser Krankheit, führt Prof. Huber aus, sei nicht immer einfach, denn sie beginnt meist akut wie eine Erkältungskrankheit oder Grippe: mit Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Gelenks- und Muskelschmerzen, Krämpfen, Erbrechen, Lichtscheu, Benommenheit, rasch ansteigendem Fieber, Schüttelfrost – wobei die Symptome einzeln oder gemeinsam auftreten können – und einem insgesamt schweren Krankheitsgefühl. Bis zu 70 Prozent der so genannten invasiven Erkrankungen gehen allerdings mit Veränderungen der Haut einher, Kinder bekommen meist rote, punktförmige Hautflecken, die – anders als zum Beispiel bei Masern oder Scharlach – unter Druck nicht verschwinden.

Karin Krizek, deren Sohn Nikolaus vor zwei Jahren an einer Meningokokken-Infektion erkrankte, bestätigt: „Bei meinem Sohn wurden die Hautflecken nicht gleich entdeckt. Das Leben von Nikolaus stand deshalb, bei der Einlieferung ins Krankenhaus, auf Messers Schneide.“

Prof. Huber: „Bereits beim ersten Verdacht sollte ein Kinderarzt oder Spital aufgesucht werden, denn die Prognose hängt von der rechtzeitigen Diagnose und sofortigen Intensiv-Therapie ab.“

Neuartige Konjugat-Impfstoffe schützen vor Meningokokken C

Die herkömmlichen Impfstoffe gegen Meningokokken, die freies Polysaccharid enthalten – es gibt Kombinationen von Antigenen der Serogruppen A und C (bivalent) und der Serogruppen A, C, W und Y (tetravalent) – haben sich zur Eindämmung bei lokalen Meningokokken-Ausbrüchen als effektiv erwiesen. „Sie stimulieren allerdings bei Erwachsenen keine lang anhaltende Immunantwort, und bei Kindern unter zwei Jahren führen sie zu keiner ausreichenden Antikörperbildung“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Karl Zwiauer, Leiter der Abteilung für Kinder und Jugendheilkunde am LKH St. Pölten und Mitglied im Impfausschuss des Obersten Sanitätsrates: „Sie eignen sich also nicht für die routinemäßige Anwendung.“

Den Durchbruch in der Meningokokken-C-Vorbeugung brachten vor rund zwei Jahren die sogenannten Konjugat-Impfstoffe. Prof. Zwiauer: „Sie führen zu einem immunologischen Langzeitgedächtnis, weisen einen höheren Antikörper-Spiegel nach einer Impfdosis auf, bieten auch Säuglingen ab dem vollendeten zweiten Lebensmonat wirksamen Impfschutz und führen zu keiner Immuntoleranz. Es wird also bei häufiger Gabe des Impfstoffes die Immunantwort nicht schlechter.“ Die Impfung mit dem neuen Meningokokken-C-Konjugat-Impfstoff sei geeignet für die aktive Immunisierung von Kindern ab dem zweiten Lebensmonat, von Jugendlichen und Erwachsenen, wobei ab dem vollendeten ersten Lebensjahr eine einzige Impfung ausreicht. Karin Krizek: „Ich bin froh, dass die Möglichkeit einer Impfung besteht. Ich habe sowohl meinen Sohn, als auch meine zweijährige Tochter gegen Meningokokken C impfen lassen.“

„Gegenwärtig existieren konjugierte Vakzine gegen die Sero-Grupppe C. Gegen die Sero-Grupppen A, W und Y gibt es derzeit nur nicht-konjugierte Impfstoffe, gegen die Sero-Grupppe B wurde bisher noch kein Impfstoff entwickelt“, erklärt Prof. Zwiauer. Allerdings ließen sich mittels eines konsequenten Einsatzes von Meningokokken-C-Konjugat-Impfstoffen in Österreich 20 bis 40 Prozent der Meningokokken-Erkrankungen verhüten.

Impfempfehlung der „Initiative Meningokokken“

Die „Initiative Meningokokken“ empfiehlt, die Impfung gegen Meningokokken C mittels Meningokokken-C-Konjugat-Impfstoff generell bei allen Säuglingen durchzuführen. Nach sechs bis 12 Monaten bzw. nach Vollendung des zweiten Lebensjahrs kann mit einem tetravalenten Meningokokken-Impfstoff die Impfung ergänzt werden.

Ebenso empfohlen wird diese Impfung Jugendlichen in Internaten, Kasernen und anderen Gemeinschaftseinrichtungen, aber auch wenn sie für längere Zeit – zum Beispiel im Rahmen eines Studienaufenthaltes – in ein Land mit erhöhtem Meningokokken-Vorkommen einreisen.

Angezeigt ist die Impfung auch für exponiertes Personal – etwa in medizinischen Labors, in Intensivstationen oder Kinderkliniken – sowie für gesundheitlich gefährdete Personen.

Die Impfung ist darüber hinaus jedem anzuraten, der sich zuverlässig vor einer Infektion schützen bzw. ausschließen möchte, dass er andere Menschen mit Meningokokken C infiziert.

Die Initiative Meningokokken

Der neu gegründeten „Initiative Meningokokken „, die erstmals in der Öffentlichkeit präsentiert wird, gehören hervorragende Expertinnen und Experten aus ganz Österreich an: Kinderärzte, Impf-Spezialisten, aber auch Repräsentanten der Ärzte- und Apothekerkammer. Die Initiative hat es sich zum Ziel gemacht, möglichst viele Menschen über diese gefährliche, und leider noch immer viel zu wenig bekannte Krankheit zu informieren. Prof. Huber: „Es geht uns um das Bekannt machen der Möglichkeiten der Früherkennung, aber auch des optimalen Impfschutzes, der Dank der Entwicklung der so genannten konjugierten Vakzine möglich wurde.“ Das Risiko, dass ein junger Mensch an dieser gefährlichen Krankheit erkrankt, dürfe aus ärztlicher Sicht keinesfalls bagatellisiert werden.

Linktipps:

– Meningitis bei Kindern
– Meningokokken-Impfung sinnvoll
– Gehirnhautentzündung / Meningitis
– Früherkennung von Meningokokken extrem wichtig
– Impfen: Die wichtigsten Schutzimpfungen im Überblick

Kave Atefie





SEO-Consultant und Gründer des unabhängigen österreichischen Rodopolisheitsportals rodopolis.info, das seit Jahren zu einem der beliebtesten Themenportale im deutschen Sprachraum zählt. Der Anspruch auch komplexe Themen leicht verständlich für interessierte Laien aufzubereiten wurde zum Markenzeichen des Portals.