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Moderne Tattooentfernung – Methoden und Risiken

Moderne Tattooentfernung – Methoden und Risiken

Moderne Tattooentfernung - Methoden und Risiken

Gestochen ist es vergleichsweise schnell, das Tattoo, doch es wieder los zu werden, ist meist ein mühevoller Prozess. Manche haben ja ein Leben lang eine Freude mit ihren gestochen Bildern, Worten oder Sätzen, aber manchmal ändern sich auch die Lebensumstände und es passt einfach nicht mehr. Was dann?



Entweder man man wechselt z.B. in einen ’seriösen‘ Beruf, wo ein sichtbares Tattoo ein schlichtes no-go ist. Oder der aktuelle Lebensabschnittspartner heißt Peter statt Hans, und der wiederum steht nicht so drauf, dauernd den Namen seines Vorgängers am Po der Allerwertesten lesen zu müssen. Also was tun, um die ungeliebte Tätowierung wieder los zu werden?

Wie funktioniert Tattooentfernung

Vor Selbstexperimenten ist dringend abzuraten! Wer hier glaubt, knausrig sein zu müssen, spart am falschen Platz. Auch wenn die Tattooentfernung nahezu immer teurer ist, als das Tätowieren selbst, sollte man sich unbedingt an einen Fachmann wenden – und der Fachmann in dieser Angelegenheit ist ein Dermatologe.

Waren Tattoos früher eher der Halb- und Unterwelt zugeordnet, sind sie heute ein weiterverbreitetes Modeaccessoire und fest in der Gesellschaft etabliert. Rund jeder zehnte Deutsche ist tätowiert und in Österreich verhält es sich wohl kaum anders. Doch was, wenn man die in tiefen Hautbereichen eingelagerten Ansammlungen von Farbstoffen wieder los werden will?

Eine Tätowierung zu entfernen, bedeutet, dass jene Zellen, die die Farbstoffe umschließen, entfernt, bzw. zerstört werden müssen. Sicher auch aufgrund der steigenden Nachfrage hat die Medizin in den letzten Jahren eine Vielzahl von Methoden entwickelt, um das umzusetzen.

Doch nicht jede Methode eignet sich für jedes Tattoo, manche Farben lassen sich leichter, manche schwerer abbauen, und nicht jeder Hauttyp verträgt jeden Eingriff gleich gut. Sollten Sie sich also mit dem Gedanken tragen, ein Tattoo entfernen zu lassen, ist es wichtig sich vorher mit den verschiedenen Möglichkeiten auseinanderzusetzen und mit einem Fachmann zu besprechen, welche Technik sich am besten eignet. Denn auch wenn die Methoden vielfältig sind, gänzlich risikofrei ist keine, und das sollte man wissen, bevor man sich entscheidet.

Methoden der Tattooentfernung

Laser Entfernung

Bei einer Behandlung mit Laser werden die ‚bunten Hautzellen‘ – also jene, die die Farbstoffe umschließen -, durch Bestrahlung zum Zerbersten gebracht um dem Immunsystem zu ermöglichen, den Farbstoff abzubauen. Meist sind mehrere Wiederholungen notwendig, da neue Zellen wieder dazu tendieren, sich um die Farbpigmente herum zu bilden und erst eine wiederholte Behandlung eine Tätowierung zum Verblassen bringt.

Entscheidend ist dabei die Wellenlänge des Lasers, denn nicht jeder Laser ist für jeden Farbstoff geeignet.

Laserentfernung ist auch bei großen Tätowierungen, die mehrere Farben beinhalten, effektiv und hinterlässt kaum Narben. Je nach Größe und Beschaffenheit des Tattoos sind mehrere Behandlungen notwendig um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Manche Menschen erleben den Eingriff als schmerzvoll – man sollte also darauf vorbereitet sein, dass auch die Entfernung eines Tattoos weh tun kann, nicht nur das Stechen. Angeboten werden Behandlungen mit CO2-Laser, Rubin-Laser oder sogenannte Q-Swiched Laser – besprechen Sie mit Ihrem Arzt welcher Laser für Sie am geeignetsten ist.

Rubin-Laser beispielsweise ermöglicht es, Tattoos nahezu schmerz- und im Idealfall narbenfrei zu entfernen. Bei dieser Methode – auch Fragmentierung genannt – bildet sich nach der Behandlung eine Kruste auf der Haut und nach deren Ablösung gibt es wie bei einem normalen Wundheilungsprozess eine leicht Rötung im Behandlungsbereich für einige weitere Tage.

Achtung: wurde die Tätowierung über Muttermale gestochen, ist die Laserentfernung unter Umständen nicht ungefährlich – weisen Sie Ihren Arzt also unbedingt darauf hin, denn unter einem Tattoo sind Muttermale oft nicht leicht erkennbar.

Diathermie

Bei diesem Verfahren werden Tattoos mittels Strom entfernt: Der in die Haut eingeleitete Strom erzeugt Hitze und diese verbrennt die Farbpigmente der Tätowierung.

Bei Diathermie erneuert sich die Haut wie bei jeder Verbrennung quasi von innen nach außen, indem die verbrannten und abgestorbenen Hautzellen mitsamt den Farbpigmenten ‚abgetragen‘ werden. Bis die abgetöteten Hautschichten komplett aus dem Körper ausgeleitet sind, können allerdings einige Wochen vergehen, und manche Patienten klagen mitunter über starke Schmerzen.

Diathermie ist eine relativ junge Methode und (noch) recht kostspielig – sollten Sie sich dennoch dafür entscheiden, achten Sie darauf, dass Ihr Arzt über ausreichend Erfahrung verfügt. Es besteht die Gefahr, dass der Strom nicht exakt die farbtragenden Hautschichten trifft und auch ’sauberes‘ Gewebe verbrennt.

Chirurgische Entfernung

Die chirurgische Entfernung eines Tattoos ist die radikalste Möglichkeit, seine Körperbemalung wieder los zu werden, erfordert aber auch den größten Aufwand. Die tätowierte Hautpartie wird in einer Operation herausgeschnitten und die umliegende Haut wird gedehnt und wieder zusammengenäht.

Naturgemäß ist die chirurgische Entfernung lediglich für Tätowierungen bis zu einer bestimmte Maximalgröße möglich. Ebenfalls zu bedenken sind die üblichen Risiken, die es bei jedem chirurgischen Eingriff gibt. Meist ist eine Vollnarkose notwendig, und auch bei der Narbenbildung gibt es gewisse Risiken.

Waterjet-Cutting

Bei dieser Methode wird die Haut mit einem stark konzentrierten Wasserstrahl aufgeschnitten und angehoben um Farbpigmente auszuschwemmen. Was einfach klingt, ist aber medizinisch hochkomplex und wird meist unter Vollnarkose durchgeführt.

Der Vorteil gegenüber der chirurgischen Entfernung ist, dass die umliegende Haut in der Regel nicht gedehnt und genäht werden muss, sondern die aufgeschnittenen Hautschichten mit der Zeit heilen und sich wie bei jeder Wunde von selbst ersetzen, was die Narbenbildung minimiert.

Bei der Entfernung größerer Tätowierungen kann aber auch beim Waterjet-Cutting ein Nähen der behandelnden Stelle von Nöten sein. Meist ist eine ‚Behandlung‘ ausreichend, allerdings handelt es sich dabei um eine Operation mit allen dazugehörigen Risiken die u.U. einen stationären Aufenthalt bedingt. Auch die Kosten dieser Methode sind vergleichsweise recht hoch.

Abschleifen der Haut (Dermabrasion)

Dermabrasion ist eine rein mechanische Behandlungsmethode. Die Hautschichten im tätowierten Bereich werden so weit abgetragen bis die Farbpigmente offen liegen und ebenfalls abgeschliffen werden. Die Regeneration der Haut braucht aber ihre Zeit und es dauert mitunter sehr lange, bis sich diese wieder komplett nachgebildet hat – bis dahin läuft man mit Wunden durch die Gegend.

Das Abschleifen eignet sich zudem auch nicht für alle Tätowierungen – es kommt auf die Farben und die Tiefe des Tattoos an. Bei der Dermabrasion werden Sandstrahlgerät oder manuelle Fräsen eingesetzt; zumindest eine örtliche Betäubung ist notwendig, da das Abschleifen der Haut sehr schmerzhaft ist. Auch sollte man sich bewusst machen, dass bei dieser vergleichsweise günstigen Methode stark ausgeprägte Narben möglich sind.

Chemisches Peeling

Einen ähnlichen Effekt wie bei der Dermabrasion erzielt man durch chemisches Peeling. Die Haut wird allerdings nicht manuell, sondern mittels Chemie behandelt. Eine spezielle chemische Substanz führt zur Ablösung der oberen Hautschichten und legt die farbtragende Hautschicht der Tätowierung frei. Die so freigelegte Farbe kann dann entweder durch Dermabrasion, mittels eines Wasser- oder Sandstrahls, oder durch Auftragen eines weiteren chemischen Mittels abgetragen werden.

Chemische Peeling greift aber nicht nur das Tattoo selbst, sondern auch die umliegenden Hautschichten an. Zudem verursacht die ‚Verätzung‘ der Haut Schmerzen und auch der Heilungsprozess kann langwierig sein. Auch besteht die Gefahr, dass die so behandelte Haut heller bleibt als die umliegenden Hautpartien, da die Chemie nicht nur die Farbpigmente der Tätowierung zerstört, sondern auch hauteigene Farbpigmente angreifen kann. Eine solche Pigmentveränderung lässt sich in der Regel nicht mehr rückgängig machen.

Alternativen

Sollten Sie lediglich mit dem Motiv Ihrer Tätowierung unzufrieden sein, können Sie als Alternative zur Tattoo-Entfernung eine „Deckung“ überlegen. Besprechen Sie sich diesfalls mit Ihrem Tätowierer – die sind erfahren und kreativ, was die Möglichkeit, ein altes Motiv mit einem neuen zu „überstechen“ bzw. zu „ersetzen“, betrifft.

Auch wenn es unromantisch klingt: Noch besser ist es natürlich, sich bereits beim Stechen des Tattoos Gedanken über die Zukunft zu machen. Mit einem ‚forever yours‘ macht man z.B. nicht nur den aktuellen, sondern vielleicht auch den nächsten Lebensabschnittspartner glücklich und ist bei der zukünftigen Partnerwahl nicht so eingeschränkt wie mit einem ‚forever Otto’….

Überlegen Sie, also gut, ob Sie vielleicht nur das Motiv stört, oder ob Sie das Tattoo an sich los werden wollen. Nur wer sich absolut sicher ist, dass er sich von der bunten Körperzierde endgültig trennen will, soll sich im Vorfeld mit einem Arzt seines Vertrauens über die verschiedenen Möglichkeiten beraten. Nicht jede Methode passt für jedes Tattoo, keine Methode ist risikolos und auch die Anzahl der möglichen Sitzungen und die damit verbundenen Kosten sollten bedacht werden. Und vielleicht ist ja eine Deckung doch auch eine Alternative und statt einer potentiellen Narbe schmückt dann ein neues Bild den Körper!

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Quellen:

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Linktipps

– Tattoo & Piercing: Infos, Tipps und Adressen
– Entfernung von Tattoos
– Tattoo Nachsorge
– umfangreiche Infos zum Thema „Tätowierung“