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Nachtkerze – die unterschätzte Grand Dame der Natur

Nachtkerze – die unterschätzte Grand Dame der Natur

Nachtkerze und Nachtkerzenöl

Die Nachtkerze erblüht erst nach Einbruch der Dämmerung. Das rasche Öffnen ihrer Blüte in der Dunkelheit ist ein echtes Naturphänomen das man, einmal beobachtet, nicht mehr vergisst. Nachtkerzen werden zu den Rosiden gezählt, Familie der Nachtkerzengewächse (Onagraceae) und medizinisch sowie in der Kosmetik genutzt. In manchen Regionen dienen ihre Wurzeln auch als Nahrungsquelle.

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Nachtkerze – die unterschätzte Grand Dame der Natur – Artikelübersicht:

Die leuchtengelb blühende Pflanze gibt es in rund 150 Ausprägungen. Ursprünglich in Nordamerika beheimatet, wurde sie bereits vor rund 400 Jahren nach Europa gebracht wo sie verwilderte und mittlerweile Bestandteil der ‚natürlichen‘ Flora ist. Besonders beliebt ist die Pflanze wegen des aus ihr gewonnen Öls.

Abendblume

Die von Juni bis Oktober blühende Nachtkerze ist aus zwei Gründen faszinierend: sie hat einen derart schnellen Stoffwechsel, dass man ihr regelrecht beim Aufblühen zusehen kann. Und das erst bei Einbruch der Dunkelheit! Die großen Blüten erstrahlen die ganze Nacht über bis zum Mittag des nächsten Tages in leuchtendem Gelb. Am nächsten Tag fallen die Blüten ab.

Die hoch wachsende Pflanze erreicht Wuchshöhen bis zu einem Meter und besitzt längliche bzw. auch verkehrt-eiförmig aussehende Grundblätter sowie kleinere Stängelblätter. Die gelbleuchtenden Blüten bilden einen traubenförmigen Blütenstand. Die bis zu drei cm langen Früchte der Nachtkerze haben eine vierkantige längliche Form, in deren Innerem sich zahlreiche rundliche Samen befinden.

Perfekter Hautschutz in der Kosmetik

Der Ölbildungsprozess der Nachtkerze kann durchaus mit dem Fettstoffwechsel der menschlichen Haut verglichen werden. Das Öl der Pflanze ist in den Samen enthalten, die besonders reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren wie Linolsäure und Gamma-Linolensäure sind.

Diese Fettsäuren spielen auch in der Epidermis des Menschen als wichtigster Baustein der Zellmembran eine wichtige Rolle. Nachtkerzenöl stärkt diese Barriereeigenschaften der Haut und schützt sie vor Feuchtigkeitsverlust.

Diese Eigenschaft führt zu Linderung rauer Stellen und fördert das Zellwachstum und damit die Hautregeneration nach Verletzungen sowie im Zuge des natürlichen Alterungsprozesses.

Diese revitalisierenden und festigenden Fähigkeiten des Nachtkerzenöls werden in der Kosmetik genutzt um altersbedingte Hautveränderungen gezielt zu verlangsamen. Nachtkerzenöl-Pflegeprodukte diverser Anbieter wurden dermatologisch getestet und deren Wirksamkeit bestätigt.

Durch ihr besonders gute Verträglichkeit werden diese Kosmetika wenn sie ohne ohne zusätzliche Duft- und Zusatzstoffe auskommen auch von Menschen mit empfindlicher Haut üblicherweise gut vertragen.

Einsatz als Heilpflanze

Die im Öl der Nachtkerze enthaltenen Omega-6-Fettsäuren beruhigen auch empfindliche Haut. Sogar Neurodermitispatienten berichten immer wieder nach innerer und äußerer Anwendung mit Nachtkerzenöl, bzw. Kapseln von der Linderung ihrer Symptome.

Fakt ist, dass der Körper Omega-6-Fettsäuren nicht selbst bilden kann. Vielmehr müssen diese mit der Nahrung zugeführt werden, wo sie unter anderem hautwirksam sind indem sie Feuchtigkeit halten und als Barriereschutz wirken.

Eine Theorie rund um die Entstehung von Neurodermitis basiert auf der Annahme, dass bei Patienten, die an dieser Hautkrankheit leiden, ein spezieller Enzymmangel vorliegt. So fehle genau jenes Enzym, das die Omega-6-Fettsäuren im Körper umwandelt.

Dieser Defekt könnte Neurodermitis mit den typischen Symptomen trockener, juckender und schuppender Haut zumindest mitverursachen. Nachtkerzenöl könne genau da ansetzen, und die Haut so widerstandsfähiger und geschmeidiger machen.

Wissenschaftliche Studien kommen allerdings zu keinen eindeutigen Ergebnissen. Traditionelle Medizin empfiehlt Nachtkerze zur Therapie der Neurodermitis deshalb (noch) nicht – weder als Nahrungsergänzungsmittel noch zur Anwendung auf der Haut.

Betroffene schwören aber auf den Effekt und einen Versuch ist es allemal wert. Zumindest zusätzlich zur Standardtherapie können Nachtkerzenölprodukte, auf die Haut aufgetragen, durch ihren hohe Fettgehalt sensible und trockene Haut beruhigen.

Good to know: Positive Effekte zeigen sich oft erst nach längere Anwendung – oft erst nach mehreren Wochen!


Nachtkerzen als Nahrungsmittel

Nachtkerzen wurden und werden auch in manchen Weltgegenden wegen ihrer geschmacklich leicht an Schwarzwurzeln erinnernden Wurzeln angebaut. Wenn man die Pfahlwurzeln der Pflanze in der Küche verwenden will, muss man allerdings darauf achten, dass keine Blüte entsteht, da die Wurzel sonst verholzt und ungenießbar wird.

Geerntet wird die als Speisepflanze auch unter den Namen Rapontika, Rapunzelsellerie oder gelbe Rapunzel bekannte Wurzel im Oktober.

Nachtkerzenöl wird als Nahrungsergänzungsmittel auch in Kapsel- oder Pulverform angeboten. Bei oraler Einnahme sind allerdings unangenehme Nebenwirkungen keine Seltenheit. Kopfschmerzen, Magen-Darmbeschwerden und Übelkeit sind recht häufige Nebenwirkungen. Schwangere und stillende Mütter sollten vor eine einer Einnahme jedenfalls Rücksprache mit einem Arzt halten.

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Quelle:

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Linktipps:

– Nachtkerze – Heilpflanzenlexikon
– Krankheitslexikon – Neurodermitis
– Fünf wichtige Tipps für Kinder mit Neurodermitis
– Ölbäder bei trockener Haut

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