No Scalpel Vasektomie Erfahrungsbericht

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No Scalpel Vasektomie Erfahrungsbericht

Eine Vasektomie bezeichnet die Sterilisation des Mannes. Es handelt sich um einen kleinen Eingriff mit großen Emotionen und vielen Fragen. Bei der zumeist ambulant durchgeführten OP werden die Samenleiter durchtrennt mit dem Ziel, den Transportweg der Samenzellen zu unterbrechen und so eine Zeugungsunfähigkeit herzustellen. Es handelt sich um die derzeit sicherste, effektivste und einfachste Methode zur Fertilitätskontrolle beim Mann. Da es viele Ängste rund um den Eingriff und zu den unterschiedlichen Verfahren gibt, haben wir einen Mann begleitet, der sich einer sogenannten No Scalpel Vasektomie unterzogen hat. Hier der Erfahrungsbericht.

No Scalpel Vasektomie – Artikelübersicht:

Was ist eine Vasektomie?

Wie bereits erwähnt handelt es sich dabei um eine Form der Verhütung für den Mann. Es ist ein kleiner Eingriff, der in der Regel mittels lokaler Betäubung, also ohne Vollnarkose, ambulant durchgeführt wird. Immer mehr Männer entscheiden sich zu dieser Form der Empfängnisverhütung, wenn die Familienplanung bereits abgeschlossen ist oder persönlich Klarheit darüber herrscht, keinen Nachwuchs zeugen zu wollen. Durch diesen Eingriff entfällt die Notwendigkeit der Verhütung bei der Partnerin, ein Schutz (mit Kondom) vor etwaigen Geschlechtserkrankungen ist allerdings bei häufig wechselnden Sexualpartnern sehr wohl weiterhin zu bedenken.

Beim Eingriff selbst werden die Samenleiter durchtrennt und unterbunden. Dadurch wird der Weg der Samenzellen vom Hoden (wo sie gebildet werden) zur Samenblase blockiert, sodass beim “Samenerguss” keine Samenzellen (Spermien) mehr abgegeben werden. Das Ejakulat enthält dann nur mehr die Flüssigkeiten aus Samenblase und Prostata, unterscheidet sich aber äusserlich und mengenmäßig nicht vom normalen Samenerguss, da die Samenzellen aus Hoden und Nebenhoden nur 3–5 % des gesamten Volumens ausmachen.

Unterschied Kastration und Sterilisation

Weil es zu diesem Thema so viele offene Fragen und Befürchtungen gibt und die Begriffe nicht selten durcheinander gebracht werden: Es besteht ein erheblicher Unterschied zwischen einer Kastration und einer Sterilisation. Beide Methoden sind bei Mann und Frau möglich, beide führen zur Unfruchtbarkeit. Doch während bei der Sterilisation lediglich der Transportweg der Samenzelle (Mann) bzw. Eizelle (Frau) unterbrochen wird, werden bei der Kastration die Keimdrüsen (Gonaden) entfernt. Bei der Kastration der Frau sind das die Eierstöcke (bzw. die Gebärmutter), bei der Kastration des Mannes die Hoden.

Nach der Sterilisation werden beim Mann also in den Nebenhoden nach wie vor Samenzellen gebildet, die allerdings wegen der gekappten Samenleiter nicht mehr in das Ejakulat gelangen und daher von körpereigenen Zellen ohne Nebenwirkungen abgebaut werden. Auch bei der Sterilisation der Frau werden weiterhin Eizellen gebildet. Da es zu keinem Eingriff bei den inneren Geschlechtsorganen kommt, gibt es keinerlei Auswirkungen auf den Hormonhaushalt, die Libido oder die Errektionsfähigkeit.

Bei der Kastration hingegen verhält es sich ganz anders. Durch die (teilweise) Entfernug der inneren Geschlechtsorgane kommt es zu massiven Änderungen im Hormonhaushalt und in weiterer Folge zu mehr oder weniger starken seelischen Störungen (z.B. Depressionen). Außerdem kommt es zu einer verminderten Libido (sexuelles Interesse) und vermehrten Fettansatz. Die Begriffe haben also nichts miteinander zu tun und sollten daher bei der Empfängnisverhütung keinesfalls verwechselt werden.

Warum Sterilisation?

Nun, immer mehr Männer nehmen die Empfängnisverhütung selbst in die Hand. Zumeist geschieht dies, nachdem die Familienplanung abgeschlossen ist, oder aber, weil man sicher ist, keinen Nachwuchs mehr zeugen zu wollen. Bei ersterem sind zumeist Männer im Alter von 45 plus betroffen, deren Frauen auf Anraten der Gynäkologin, des Gynäkologen die Pille abgesetzt haben. Der Vorteil bei Ehen und langen Partnerschaften: man kann die Sexualität wieder ohne Einschränkungen voll ausleben, ohne dass die Partnerin weiterhin ein hormonell wirksames Verhütungsmittel nehmen muss. Zudem ist die Sicherheit wesentlich höher als bei anderen vergleichbaren Methoden zur Empfängnisverhütung, wie etwa Kondom oder Diaphragma.

Die Sterilisation des Mannes bedeutet übrigens nicht zwangsläufig, künftig keine eigenen Kinder mehr zeugen zu können. Und das kommt so: weil die Nebenhoden eben weiterhin Spermien produzieren, können im Falle des Falles, auch nach der Sterilisation mit einem Eingriff Samenzellen entnommen, und für eine künstliche Befruchtung verwendet werden.

No Scalpel Vasektomie – Infografik

No Scalpel Vasektomie

Erfahrungsbericht No Scalpel Vasektomie

Wir haben Andreas S. (48 Jahre; Name von der Redaktion geändert) im Sommer 2018 zur Vasektomie begleitet um herauszufinden, wie der Eingriff in der Praxis abläuft und was dabei auf den Mann zukommt. Wir haben den Bericht in Form eines Interviews festgehalten.

gesund.co.at: Warum haben Sie sich zur Vasektomie entschlossen?

Andreas S.: Wir haben bereits ein erwachsenes Kind. Meine gleichaltrige Frau hat auf Anraten ihrer Ärztin die Pille abgesetzt. Wir haben dann etwa 2 Jahre beim Sex mit Kondom verhütet. Das war uns aber auf Dauer nicht das richtige. Es war immer irgendwie mit Unterbrechung und nie ganz frei von Sorge, dass etwas passieren könnte. Wir hatten auch die eine oder andere Panne und wollten da kein Risiko mehr eingehen.

gesund.co.at: Wie lange hat es von der Entscheidung zur Umsetzung gedauert?

Andreas S.: Kurz, ich habe den Hochsommer abgewartet und dann einen Termin vereinbart, der nach etwa 2-3 Wochen erfolgte.

gesund.co.at: Wie haben Sie gewusst, welcher Arzt oder welches Institut in Frage kommt?

Andreas S.: Erstens habe ich ausführlich im Internet recherchiert und zweitens den Rat eines Freundes eingeholt, der den Eingriff bei sich bereits machen hat lassen. Wir kamen übrigens unabhängig voneinander zum gleichen Institut. Mir war Erfahrung bei dem Operateur sehr wichtig. Meine Annahme: je öfter der Arzt diesen Eingriff vorgenommen hat, desto routinierter und unkomplizierter wird die OP sein. Nachdem ich auch eine bestimmte Technik haben wollte, war es dann nur mehr ein kleiner Schritt.

gesund.co.at: Sie haben die sogenannte No Scalpel Methode gewählt, warum das?

Andreas S.: Nun, es gibt mehrere Techniken bei der Vasektomie. Bei der konservativen Vasektomie wird unter örtlicher Betäubung (Spritze) am Hodensack die Haut über dem Samenleiter mit einem kleinen Schnitt von etwa 0,5 cm – 1 cm geöffnet und dann der erste Samenleiter freigelegt, durchtrennt und die beiden Enden elektrisch verödet und anschließend vernäht. Das Ganze wird beim zweiten Samenleiter wiederholt und anschließend werden die beiden Öffnungen vernäht und ein steriler Verband angelegt.

Bei der „No-scalpel“ Vasektomie (NSV) ertastet der Operateur den Samenleiter, dann wird die Hodensackhaut (Skrotalhaut) zumeist an nur einer Stelle mit einer Nadel, also ohne Skalpell, punktiert. Dieser kleine Eingang wird so gedehnt, dass der Urologe an die Samenleiter gelangt. Mit einer speziellen Halteklemme wird der Samenleiter erfasst. Der weitere Verlauf mit der Samenleiterdurchtrennung etc. ähnelt dann der konservativen Methode. Auch hier erfolgt die Betäubung mittels Spritze.

Bei der jüngsten Methode, der „No-needle-no-scalpel“ Vasektomie (NN-NSV), verläuft der Eingriff wie bei der „No-scalpel“ Vasektomie, nur dass anstatt der Injektion eine spezielle, nadellose Betäubungstechnik, bei der das Betäubungsmittel mittels Luftdruck in die Haut gepresst wird, angewandt. Nachdem ich gelesen habe, dass die Betäubung mittels Injektion nicht schmerzhaft, dafür aber sehr effektiv ist, habe ich mich für die No Scalpel Vasektomie entschieden, weil es da eben auch keine Narbe gibt und der Eingriff insgesamt nur etwa 20 Minuten dauert. Vor dem Eingriff sollte man übrigens die Schamgegend rasiert haben, sodass beim Eingriff gleich ans Werk gegangen werden kann.

gesund.co.at: Wie ist der Termin genau abgelaufen?

Andreas S.: Nach der Anmeldung und dem Ausfüllen des Patientenblattes kam der Operateur für ein persönliches Gespräch. Dabei wird die Technik vorgestellt und auch etwaige Risiken und Komplikationsmöglichkeiten genau angesprochen. Dies ist auch gesetzlich vorgegeben, ebenso wie ein Mindestalter von 25 Jahren. Bei jüngeren Personen darf der Eingriff per Gesetz nicht vorgenommen werden.

Der Arzt hat auch erklärt, dass es sich dabei grundsätzlich um eine endgültige Entscheidung handeln sollte. Es gibt zwar die Möglichkeit einer mikrochirurgischen Rückoperation, allerdings keine Garantie zur Wiedererlangung der Zeugungsfähigkeit. Die Ausführungen wurden mir auch in schriftlicher Form überreicht, dann habe ich die Kenntnisnahme unterschrieben.

Etwa fünf bis zehn Minuten nach dem Gespräch, bin ich dann aufgerufen worden um mich für den Eingriff vorzubereiten. Das bedeut das Ablegen aller Kleidungsstücke, das Anlegen eines Hüfthandtuches und spezieller OP-Patschen. Im OP-Raum hat mich die Assistentin auf den OP-Tisch gebeten, danach den Bereich um den Hodensack desinfiziert. Dann ist der Operateur gekommen und hat den Eingriff vorgenommen. Im OP wurde übrigens Musik gespielt, das hat zu Ablenkung durchaus beigetragen. Insgesmt habe ich etwa 1 Stunde im Institut verbracht.

gesund.co.at: War der Eingriff schmerzhaft?

Andreas S.: Nein, unangenehm war lediglich das forsche Abtasten der Samenleiter und ganz kurz die Injektion, genauer, die Verteilung des Betäubungsmittels. Die ganze Sache hat tatsächlich nur 20 Minuten gedauert. Danach wurde die Einstichstelle am Hodensack mittel Sprühpflaster und Meporepflaster verschlossen. Mir wurde die Einnahme eines Schmerzmittels (Parkemed 500) empfohlen, da es zu leichten Schmerzen nach dem Abklingen der Wirksamkeit des Betäubungsmittels kommen könnte. Ich bin mit einer Tablette ausgekommen.

gesund.co.at: Hatten Sie danach Beschwerden?

Andreas S.: Unmittelbar nach dem Eingriff gar nicht, am nächsten Tag habe ich gemerkt, dass am Hodensack beidseitig kleine Hämatome aufgetreten sind und die Region auch leicht geschwollen war. Die nächsten Tage habe ich immer wieder ein leichtes Ziehen verspürt, das etwa 10 Tage angehalten hat. Diese möglichen Beschwerden wurden vom Arzt zuvor angesprochen. Das Pflaster haben ich nach etwa 5 Tagen abgenommen, der Wundbereich war winzig und gut verschlossen, ohne Nachblutungen. Lediglich die Druckempfindlichkeit beider Hoden hat länger gedauert als erwartet. Erst nach drei Wochen war das gänzlich weg.

gesund.co.at: Ist der Eingriff so verlaufen, wie sie sich das vorgestellt haben?

Andreas S.: Ja, absolut, ich bin sehr zufrieden. Von der kurzen OP-Dauer war ich sehr überrascht.

gesund.co.at: Vielen Dank für das Gespräch!

Nach der Vasektomie

  • Nach dem Eingriff darf vom Patienten wegen des Betäubungsmittels vier Stunden lang kein Fahrzeug gelenkt werden.
  • Am Tag der Vasektomie sowie am folgenden Tag sollte man sich streng körperlich schonen. Sport ist unbedingt zu vermeiden. Ein Krankenstand ist nicht notwendig, es ist aber ein Eingriff am Freitag zu empfehlen, da man so über das Wochenende Zeit zur Schonung hat. Insgesamt sollte man 7 Tage Schonung ohne körperliche Anstrengung einplanen.
  • Ein Ziehen in der Leistengegend kann auftreten, sobald die Wirkung des Lokalanästhetikums nachlässt. Es ist allerdings kein Grund zur Besorgnis.
  • Duschen ist ab dem Tag nach der OP erlaubt, Vollbäder erst nach einer Woche.
  • Auf Geschlechtsverkehr sollte zumindest 7 Tage verzichtet werden, danach muss weiterhin verhütet werden, da die Unfruchtbarkeit nicht sofort nach dem Eingriff gegeben ist.
  • Erst wenn das Ejakulat keine Samenzellen mehr enthält, was nach der Vasektomie etwa 16 Wochen dauert, ist voller Empfängnisschutz gewährleistet. Zur Überprüfung wird nach 12 Wochen und nach 16 Wochen eine Spermaprobe abgegeben. Nach zwei negativen Proben, kann endgültig auf andere Verhütungsmethoden verzichtet werden.

Risiko & Beschwerden

In seltenen Fällen kann es nach der Vasektomie – wie bei anderen Operationen auch – zu einer Entzündung oder Blutung kommen. Bei folgenden Symptomen ist sofort der behandelnde Arzt oder ein anderer Urologe aufzusuchen:

– Große Schmerzen
– Fieber über 38,5°C
– sehr starke Schwellung des Hodens (leichte Schwellung und Bluterguss sind normal)
– Blutungen aus der Wunde, die auch durch Druck nicht zum Stillstand kommt.

Leichte Beschwerden, die etwas unangenehm sein können, sind durchaus möglich. Etwa leichte Wundschmerzen, örtlich begrenzte Blutergüsse, ein leichtes Ziehen im Bereich der Hoden und der Leisten. Druckempfindlichkeit der Hoden. Komplikationen treten nur sehr selten auf.

Kosten einer Vasektomie

Die Kosten belaufen sich je nach Technik und durchführendem Arzt, bzw. Institut oder Ambulatorium zwischen 600.- und 850.- EUR (Stand 2018). Die Kosten müssen privat getragen werden, die Krankenkassen zahlen keinen Beitrag dafür.

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Quellen:

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Linktipps

– Was ist eine Vasektomie
– Vasektomie: Sterilisation des Mannes
– Sterilisation bei der Frau
– Verhütungsmethoden
– Wie benutze ich ein Kondom richtig?