Paradieskörner – das pfeffrig-fruchtige Gewürz aus Afrika

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Paradieskörner

Paradieskörner sind in unseren Breiten etwas in Vergessenheit geraten. Zu Unrecht wie wir meinen. Denn die kleinen pikant-scharfen Körner haben einen wunderbaren Eigengeschmack und sie sind dabei würzig ohne zu brennen. Paradieskörner, auch als Guineapfeffer oder Meleguetapfeffer bekannt, sind ein perfekter Pfefferersatz aus dem tropischen Westafrika. Sie bringen eine neue Note in die Gewürzküche und eignen sich für viele Rezepte.

Paradieskörner – das pfeffrig-fruchtige Gewürz aus Afrika – Artikelübersicht:

Herkunft und Eigenschaften

Im Europa des 15. Jahrhunderts, als Gewürze am europäischen Markt „in Mode“ kamen, aber weder der Seeweg nach Indien, geschweige denn Amerika entdeckt waren, standen Gewürze aus Afrika hoch im Kurs. Damals erhielt das Gewürz auch seinen Namen: wegen seines hohen Wertes nannte man es „Paradieskörner“. Hintergrund der Namensgebung war die Vorstellung, dass das Paradies ein Ort war, an dem unterschiedlichste Gewürze einen betörenden – paradiesischen – Duft verströmen würden.

Das Verbreitungsgebiet der Paradieskörner umfasst die Elfenbeinküste, Ghana – das Land ist übrigens Hauptexporteur des Gewürzes – , Guinea, Liberia, Nigeria und Togo. In all diesen Ländern wird das Gewürz seit Jahrhunderten angebaut. Nicht umsonst trägt die westafrikanische Küste noch heute den Beinamen „Pfefferküste“.

Paradieskörner waren Ersatz für den in Europa seit den Römern bekannten schwarzen Pfeffer, der ursprünglich über Persien nach Italien gelangt war. Ab der Renaissance wurden die Paradieskörner dann in Europa langsam vom Pfeffer verdrängt. Tatsächlich sind sie bei uns bis heute fast in Vergessenheit geraten – schade, wie wir finden. Lediglich gelegentlich tauchen sie noch in alten Gewürzmischungen für Würste oder auch Glühwein oder Punsch auf.

Verwendung

Neben diesen eher historischen Verwendungszwecken in Europa spielen die Paradieskörner immer schon in der nord- und nordwestafrikanischen Küche eine bedeutende Rolle.

Good to know: auch in vielen bei uns erhältlichen Gewürzmischungen z.B. aus Marokko (Ras-el Hanout) sind die kleinen Körner enthalten. Den Charakter dieser Mischung, nämlich gleichzeitig scharf und dennoch hocharomatisch, würden wir wohl als typisch arabisch bezeichnen. Als singuläres Gewürz erhält man die Paradieskörner allerdings nur in Spezialitätenläden.

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Die Schärfe der Paradieskörner ist nicht so intensiv wie die des schwarzen Pfeffers. Die Körner passen hervorragend zu Kartoffeln, Kürbis, Gurken, Zucchini, Auberginen und vielen anderen Gemüsesorten. Aber auch zu Fleisch, speziell Lamm und Fisch passen Paradieskörner hervorragend.

Sie sollten das Gewürz nicht mitkochen, das wäre schade um den feinen Geschmack. Am besten man mahlt die Paradieskörner erst unmittelbar vor ihrer Verwendung – so können sie ihren Geschmack optimal entfalten.

Der verwendete Pflanzenteil, also das Korn, ist eigentlich ein Samen – von Größe und Gestalt her am besten vergleichbar mit dem Kardamonsamen, allerdings von rotbrauner Farbe. Gemahlen ist das Korn dann grau.

Gebrauch und Lagerung

Bezüglich Dosierung empfehlen wir trotz der Schärfe einen eher großzügigen Gebrauch, aber kosten Sie lieber immer wieder zwischendurch. Geschmäcker sind bekanntlich verschieden.

Paradieskörner zählen zu der Familie der Zingiberaceae, auch bekannt als Ingwergewächse, eine Unterart der rund 50 bekannten Aframomum-Arten. Beheimatet ist es an der westafrikanischen Küste sowie in Sri Lanka.

Neben der Verwendung in der Küche wird das Korn auch in der Likörherstellung verwendet. Manche schwören zudem auf die stimulierende Wirkung des Paradieskorns. Und auch in der Parfümindustrie kommt der würzige Samen zum Einsatz.

Für den scharfen Geschmack der Paradieskörner sind Hydroxyarylketone hauptverantwortlich, die in leicht abgewandelter Form auch die Schärfe des Ingwers ausmachen. Bei längerer Lagerung wandeln sich manche der ebenfalls in den Paradieskörnern enthaltenen Scharfstoffe – z.B. Gingerole in Shoagole – um, was mit einem Schärfeverlust einhergeht. 


Der Geschmack der Paradieskörner lässt sich am ehesten als eine Mischung aus pikanter Schärfe und fruchtiger Note beschreiben. Kocht man die gemahlenen Körner mit – was wir nicht empfehlen – so nimmt man den Paradieskörnern ein wenig Schärfe. Roh hingegen sind sie beißend scharf, wobei die Schärfe nicht so lange anhält wie bei „echtem“ Pfeffer.

Die fruchtige Note lässt sich am ehesten als eine Mischung aus Kardamom, Ingwer und Zimt beschreiben – aromatisch und leicht süßlich.

Good to know: Das Aroma der Paradieskörner lässt sich intensivieren, wenn man diese kurz vor dem Mahlen in einer Pfanne ohne Fett anröstet.

Paradieskörner sollten Sie am besten ungemahlen, kühl, trocken und lichtgeschützt lagern. So sind die scharfen Körner bis zu drei Jahre haltbar.

Paradieskörner Rezept

Wir haben uns für das Rezept der orientalische Schüttelgurken entschieden. Erstens weil es superauthentisch ist und zweitens weil der besondere Geschmack der Paradieskörner bei diesem Rezept ganz besonders gut zum Ausdruck kommt.

  • 2 Salatgurken
  • 3 EL Zucker
  • 1 EL Salz
  • 1 mittlere Zwiebel, fein gewürfelt
  • 2 Knoblauchzehen, fein gerieben
  • 0,5 EL Paradieskörner
  • 0,5 EL Koriandersaat
  • 1,5 EL Senfkörner
  • 1 Sternanis
  • 1 EL fein gehackter Dill
  • 2 EL Essigessenz

Paradieskörner und Koriandersaat ohne Fett in einer Pfanne rösten, bis sie ihren Duft voll entfalten. In einem Gurkenglas Zucker, Salz und alle anderen Gewürze mischen und gut durchschütteln.

Die geschälten Gurken in ca. 0,5 cm dicke Stücke schneiden. Zu den Gewürzen geben und das Gurkenglas erneut richtig gut durchschütteln. Kühl lagern, immer wieder schütteln und nach zwei Tagen genießen.

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Quelle: ¹

Fotohinweis: sofern nicht extra anders angegeben, Fotocredit by Fotolia.com

Linktipps

– Pfeffer – wo er herkommt wie er wirkt er
– Wärmende Lebensmittel
– Kleines Gewürz ABC
– Gewürzlexikon

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