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Wien: Psychotherapeutischer Bereitschaftsdienst ein voller Erfolg

Wien: Psychotherapeutischer Bereitschaftsdienst ein voller Erfolg

Psychotherapeutischer Bereitschaftsdienst

Etwas mehr als ein Jahr nach Aufnahme der Tätigkeit zog Christian Novotny, Obmann des Vereins für Psychotherapie und Mitbegründer des Psychotherapeutischen Bereitschaftsdienstes (PTBD) in Wien, eine erfolgreiche Bilanz. So konnten in den ersten 12 Monaten etwa 500 psychotherapeutische Erstgespräche absolviert und in weiterer Folge mehr als 10.000 Stunden Psychotherapie zu sozialen Preisen organisiert werden. Der derzeit durch die Mitgliedsbeiträge seiner etwa 40 Mitglieder finanzierte Verein strebt mittelfristig eine öffentliche Finanzierung an.



Der Psychotherapeutische Bereitschaftsdienst in Wien

Der Psychotherapeutische Bereitschaftsdienst betreibt eine Telefonhotline, bei der Anrufer Termine für psychotherapeutische Erstgespräche vereinbaren können. Therapiestart ist immer die Folgewoche, die Kosten für die Klienten liegen zwischen 30 Euro und 56 Euro vor Abzug des Krankenkassenbeitrags (in der Höhe von 21,80 Euro), je nachdem, ob die Therapie bei einem eingetragenen Psychotherapeuten oder bei einem Psychotherapeuten in Ausbildung unter Supervision erfolgt.

Da leistbare Psychotherapieplätze allgemein spärlich gesät sind, will der Psychotherapeutische Bereitschaftsdienst in Wien Therapieplätze auf diese Weise zu vergleichsweise moderaten Preisen zur Verfügung stellen. Dadurch können psychisch leidende und erkrankte Menschen in Wien unkompliziert und günstig zu einer psychotherapeutischen Behandlung kommen.

Möglich wird dies durch den Einsatz von Therapeuten in Ausbildung, die bei der Vermittlung und Organisation tatkräftig mithelfen. Weil Therapeuten in Ausbildung nach Abschluss des größten Teils des Studiums die Freigabe erhalten, für drei Jahre eigenständig zu praktizieren und mindestens 600 Therapiestunden abzuhalten – wobei zusätzlich mindestens 120 Stunden Supervision erfolgen müssen – ist dies auch rechtlich gedeckt.

PTBD – 1. Zwischenbilanz

Bereits über 70 Ärzte, Sozialarbeiter und Psychologen konnten für die Zusammenarbeit mit dem PTBD gewonnen werden, und wie die Erfahrungen des ersten Jahres zeigen, läuft die Kooperation mit psychosozialen Einrichtungen und der Ärzteschaft gut. Über 70 Prozent der Zuweisungen kamen von niedergelassenen Ärzten, Spitälern und psychosozialen Einrichtungen. Auch das Wohlwollen der öffentlichen Stellen hat offenbar zum guten Start entscheidend beigetragen.

Die statistische Auswertung der Arbeit der ersten 12 Monate: Der Frauenanteil liegt sowohl bei den teilnehmenden Therapeuten als auch bei den Patienten bei etwa 65 Prozent. Die geographischen Schwerpunkte sind die Bezirke außerhalb des Gürtels. Etwa 50 Prozent der Empfehlungen kommen von niedergelassenen, vor allem praktischen Ärzten. „Hier zeigt sich unsere intensive Informations- und Aufklärungstätigkeit als besonders wirksam. Die Ärzteschaft hat großes Interesse an verlässlicher Kooperation gezeigt“, so Novotny. Etwa 30 Prozent der Anrufer wurden von Spitälern und psychosozialen Einrichtungen empfohlen. Hier konnte sich der psychotherapeutische Bereitschaftsdienst als sinnvoller Ansprechpartner für die Nachbetreuung positionieren.

Psychotherapeutische Initiative nicht unumstritten

Dass die Initiative hilft, Mängel zu verringern, gilt als unbestritten: Die meisten Therapeuten mit Kassenvertrag sind ausgebucht und die Kosten für private Therapiestunden von 70 Euro und mehr wirken für viele Hilfesuchende abschreckend. Von Schwierigkeiten bei der Kontaktaufnahme mit Therapeuten berichtet auch eine Studie des Österreichischen Vereins für Konsumenteninformation (VKI) in Zusammenarbeit mit dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger aus dem Jahr 2010.

So kommt es, dass letzlich nur jeder zehnte Mensch mit psychischen Problemen, die dringend einer Behandlung bedürfen, tatsächlich bei einem Therapeuten landet. Ob allerdings das Angebot des PTBD durch den Einsatz der Ausbildungskandidaten alleine die Lücke im Rodopolisheitssystem füllen kann, wird seitens der Vereinigung Österreichischer Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten (VÖPP) stark bezweifelt. „So sehr wir das Engagement begrüßen, es hat einen Januskopf“, sagt Jutta Fiegl, Präsidentin der VÖPP. Das Problem bestehe nämlich darin, dass Patienten, die dringend professionelle Hilfe benötigen, mit langen Wartezeiten konfrontiert werden. Weil es zu wenige Psychotherapieplätze auf Krankenschein gibt, ist rasche Hilfe im Akutfall oft nicht möglich.

Demnach wäre eine Erhöhung des Krankenkassenzuschusses und eine volle Finanzierung von Psychotherapie auf Krankenschein für psychisch kranke Menschen der einzig sinnvolle Lösungsansatz. Dies entspricht auch der Forderung des Bundesverbandes für Psychotherapeuten (ÖBVP), der durch Angebote wie den Bereitschaftsdienst eher Lohndumping bei den Psychotherapeuten befürchtet, als eine sinnvolle Angebotserweiterung.

Service-Hotline des Psychotherapeutischen Bereitschaftsdienstes

Die Hotline des PTBD ist unter der Telefonnummer 01/367 22 22 montags, mittwochs und donnerstags von 15 bis 18 Uhr mit Ausnahme der Feiertage erreichbar.

Linktipps:

– Informationen über Psychotherapie
– Antidepressiva auf dem Prüfstand
– Was ist eine Posttraumatische Belastungsstörung?


Kave Atefie





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