Schmerztherapie: eine junge Disziplin steht vor enormer Herausforderung

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Schmerztherapie

Der Schmerz als eigenständiges Phänomen wurde bis vor wenigen Jahrzehnten in der Medizin recht stiefmütterlich behandelt. Erst vor etwas mehr als 30 Jahren wurde in Österreich die erste Schmerzambulanz gegründet. Vieles hat sich seit damals hierzulande verändert, Vieles bleibt noch zu tun.

Schmerz – von der Schutzfunktion zum Krankheitsbild

Schmerz ist eigentlich eine Empfindung, um unseren Körper vor Schaden zu bewahren. Denken sie nur, wie rasch man die Hand von der heißen Herdplatte zurückzieht. Doch in vielen Fällen, z.B. nach Operationen oder Verletzungen oder bei chronischen und unheilbaren Erkrankungen, hat der Schmerz seine Schutzfunktion verloren und stellt ein eigenes Krankheitsbild dar, dass so rasch und wirkungsvoll wie möglich behandelt werden sollte.

Es werden aus systematischen Gründen akute von chronischen Schmerzen unterschieden.

Wie kommt es eigentlich zu chronischen Schmerzen?

Durch andauerndes Auftreffen eines Schmerzreizes auf Nervenzellen kommt es nach einiger Zeit zu einer Veränderung im zentralen Nervensystem, speziell im Rückenmark. Diese Veränderung nennen wir „Sensibilisierung“. Wenn nun so eine Sensibilisierung stattgefunden hat, hat das zur Folge, dass Schmerzen bereits auf geringe Reize oder sogar spontan auftreten. Das heißt unser Nervensystem wird ganz einfach empfindlicher. Um diesen Zustand vorzubeugen, sollte eine Schmerztherapie so früh wie möglich begonnen werden.

Bei folgenden akuten oder chronischen Erkrankungen sollten Sie einen auf Schmerztherapie spezialisierten Arzt aufsuchen:

  • Kopf- und Gesichtsschmerzen wie: Migräne, Spannungskopfschmerz, Clusterkopfschmerz, Trigeminusneuralgie, atypischer Kopfschmerz.
  • Schmerzen nach bereits länger zurückliegenden Operationen wie Amputationen (Phantomschmerzen) oder Narbenschmerzen.
  • Gelenks- und Muskelerkrankungen: Arthrosen, Osteoporose, rheumatoide Arthritis, M. Bechterew, Fibromyalgiesyndrom, Peitschenschlagsyndrom
  • bei allen Formen von Rückenschmerzen, Nervenschmerzen (Neuralgien) und Krebsschmerzen.

Selbstverständlich muss vor Beginn einer Therapie eine genau Abklärung erfolgen (z.B.: Laborwerte, Röntgenuntersuchungen, Computertomographie, Ultraschall usw.), um die Ursache des Schmerzes zu finden und bei Bedarf eventuell eine rasche chirurgische Intervention einzuleiten.

Schmerztherapie – eine junge Geschichte

Die Behandlung chronischer Schmerzen mit Hilfe von Medikamenten steht im Zentrum der Schmerztherapie. Mehr als 100 Jahre ist es her, als ein junger Österreicher mit seiner Entdeckung der lokalanästhetischen Wirkung des Kokains die Geschichte der Schmerzbehandlung neu schrieb. Aus Geldnöten konnte Karl Koller seine Erkenntnisse 1884 in Heidelberg nicht selbst vorstellen. Die Bedeutung seiner Arbeit wurde trotzdem erkannt und trat ihren Siegeszug durch Europa und Amerika an. Karl Kollers Wunsch nach einer Ophthalmologenausbildung in Wien wurde nicht erfüllt. So wanderte er nach Amerika aus und wurde dort ein angesehener Augenarzt. Eine für Österreich nicht ungewöhnliche Geschichte.

Der Weg der modernen Schmerztherapie geht eindeutig in Richtung Interdisziplinarität. Es liegt auf der Hand, dass eine Zusammenarbeit mehrerer gleichberechtigter Abteilungen, die sich noch dazu durch verschiedene Sichtweisen des Schmerzes und seines therapeutischen Ansatzes unterscheiden, nicht immer einfach ist. Im Krankenhaus Lainz versucht man erfolgreich, diesem Phänomen durch regelmäßig abgehaltene Teamgespräche und Schmerzkonferenzen zu begegnen. Besonderes Augenmerk legen die Mitarbeiter der Ambulanz auch auf die Aus- und Weiterbildung im eigenen Haus, aber auch über die Grenzen des Krankenhauses hinaus.

„Als wir im Februar 2000 mit unserer Schmerzambulanz begonnen haben, betreuten wir knapp 250 Patienten im Jahr. Bis zum Vorjahr stieg diese Zahl nahezu auf das Dreifache an“, resümierte Krenn. Seit Bestehen der Ambulanz wurden fast 6.000 Einzelleistungen erbracht. Im Vordergrund steht der psychosomatisch und psychotherapeutische Ansatz der Schmerztherapie. Nur in Ausnahmefällen wird eine interventionelle Schmerztherapie durchgeführt. Krenn: „Das Angebot an schmerzlindernden Verfahren umfasst ein weitreichendes Spektrum. Akupunktur, medizinische Hypnose, Shiatsu, tiefenpsychologische Schmerzgruppen etc., um nur einige therapeutische Ansätze zu nennen, werden neben medikamentöser Therapie den Patienten angeboten.“

Obwohl die Bezeichnung „Schmerztherapeut“ in Österreich noch nicht eingeführt ist, gibt es bereits einige sehr engagierte Ärztinnen und Ärzten, die in Kursen und Schulungen im In- und Ausland entsprechendes Wissen erworben haben und erfolgreich in der Schmerztherapie tätig sind. Diese Spezialausbildung finden Sie vor allem bei Anästhesisten, Neurologen, Orthopäden, Onkologen, Physikalischen Medizinern aber immer häufiger auch bei Allgemeinmedizinern.

Anästhesie und Schmerz – ein untrennbares Gespann

Betrachtet man die Entwicklung der Anästhesiologie und der Schmerzmedizin, so fällt bereits am Beginn der Anästhesiologie als eigene Fachrichtung die enge Verzahnung zur Schmerzbehandlung auf. So verwundert es auch nicht, dass ein namhafter Anästhesist, John Bonica, 1953 mit seinem Werk „The management of pain“ den Grundstein zur modernen interdisziplinären Schmerzmedizin gelegt hat. 20 Jahre später wurde als logische Konsequenz von der Abteilung für Anästhesiologie des Wiener AKH die erste österreichweite Schmerzambulanz eröffnet. Wie jung die moderne Schmerztherapie wirklich ist, lässt sich am besten am Gründungsjahr – 1973 – der „International association for the study of pain“, des Weltdachverbandes der Schmerzgesellschaften, ablesen.

Unbehandelter Schmerz ist Stress für Körper und Seele

Unbehandelter Schmerz verzögert den Heilungsprozess – z.B. nach Operationen -, verhindert oder erschwert eine rechtzeitige Mobilisation und kann zu einem chronischen, oft über Jahre bestehenden und dann umso schwerer behandelbaren Schmerzdauerzustand führen.

Man unterscheidet grundsätzlich medikamentöse und nicht-medikamentöse Schmerztherapie.

Medikamente spielen in der Schmerztherapie eine wichtige Rolle. Sie können helfen, das Schmerzgedächtnis zu löschen. Wenn im Nervensystem Lernprozesse in Gang gekommen sind, wird zum Beispiel Morphin eingesetzt, das laut Dr. Müller-Schwefe „das körpereigene Endorphin nachmacht“. Andere Substanzen wirken beruhigend auf die Nervenzellen ein. Bei Gewebeschädigungen – etwa Verletzungen oder Entzündungen – werden entzündungshemmende Mittel verwendet. Kombinationen sind notwendig, wenn eine Entzündung zu behandeln ist, die schon länger andauert und bereits ein Schmerzgedächtnis aufgebaut wurde.

Angst vor Medikamenten-Abhängigkeit: Wie groß ist die Gefahr?

Experten meinen „Die Angst vieler Patienten vor einer Abhängigkeit von starken Schmerzmedikamenten ist unbegründet – vorausgesetzt die Präparate werden richtig eingesetzt.“ Dabei gelten laut dem Schmerzexperten folgende Regeln: Schmerzpatienten, die beispielsweise stark wirksame Schmerzmittel vom Morphintyp (also Opioide) brauchen, müssen sie in einer Darreichungsform bekommen, die diese Substanzen sehr gleichmäßig freisetzt. Somit besteht keine Sorge, dass die Patienten abhängig werden. Die Gefahr, dass die Patienten immer mehr brauchen, besteht nur dann, wenn man kurzwirksame Substanzen nimmt. Dann haben nämlich die Patienten immer wieder nach der kurzen Wirkdauer Schmerzen. Folglich wollen sie zu früh ihr Medikament nehmen und verlangen zunehmend mehr, um diese schlechte Schmerzerfahrung nicht zu wiederholen. Das heißt: Wenn man mit gleichmäßig freisetzenden Präparaten arbeitet (zum Beispiel auch mit Pflasterdarreichungen), besteht die Gefahr der Abhängigkeit nicht.

Nichtmedikamentöse und komplementärmedizinische Schmerztherapie

Unter diesem Begriff versteht man die Anwendung verschiedener alternativmedizinischer Methoden zur Behandlung akuter oder chronischer Schmerzzustände. Das bedeutet zunächst, falls schulmedizinisch und ethisch vertretbar, möglichst die Vermeidung klassisch-medizinischer Schmerzmittel( Analgetika), wie z.B. Paracetamol, Ibuprofen, Tramadol, Cortison oder Morphine und dafür die Verwendung pflanzlicher (phytotherapeutischer) Mittel.

  • Akupunktur
  • Elektrotherapie
  • Hypnosetherapie

Linktipps

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– Schmerzen: Qual und Warnsignal
– Schmerztherapie von Kindern
– Schmerzen: Für und Wider von Cannabis
– Schmerzen & Schlafstörungen
– Schmerzen: Frauen leiden anders
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