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Schwindel – Arten, Ursachen & Therapie

Schwindel – Arten, Ursachen & Therapie

Schwindel

Bei Schwindel (Vertigo) geraten die Sinneswahrnehmungen durcheinander. Es gibt zahlreiche Ursachen für Schwindel und er tritt in verschiedenen Formen auf, eine sorgfältige Diagnostik ist daher für die Auswahl der richtigen Therapie entscheidend. Schwindel und Gleichgewichtsstörungen zählen zu den häufigsten Beschwerden, über die Patienten in der ärztlichen Praxis klagen. Welche Arten des Schwindels es gibt, wie er diagnostiziert wird und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt erklärt Univ. Prof. Dr. Arne-Wulf Scholtz, Vorsitzender der ARGE Schwindel der Österreichischen Gesellschaft für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde.



Jeder dritte Mensch leidet im Laufe seines Lebens unter mittelstarkem bis heftigem Schwindel. Wer unter Schwindel leidet, klagt nicht nur über ein Gefühl der Unsicherheit, sondern oftmals auch unter massiven Störungen beim Stehen und Gehen. Von Schwindel spricht man, wenn die räumliche Orientierung oder das Gleichgewicht gestört ist. Der Begriff bezeichnet also ein Symptom, keine keine Krankheit. Als Ursachen für Schwindel oder Schwindelanfälle kommen unterschiedlichste Auslöser infrage.

Welche dies sind und welche Arten von Schwindel es gibt, wie er diagnostiziert wird und welche Möglichkeiten der Behandlung es gibt, verrät uns Univ. Prof. Dr. Arne-Wulf Scholtz im Interview.

Schwindel – Interview mit Univ. Prof. Dr. Arne-Wulf Scholtz

 

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Arten von Schwindel

Allgemein gesprochen entsteht Schwindel, wenn sich die Informationen, die verschiedene Sinnesorgane aufgenommen haben, einander widersprechen. Die Arten von Schwindel werden in folgende Grundformen eingeteilt:

– Systemischer Schwindel (Vestibularisschwindel) z.B. Drehschwindel, Schwankschwindel
– Unsystematischer Schwindel (diffuser Hirnschwindel)
– Attackenschwindel z.B. Lagerungsschwindel, Menière-Krankheit
– Dauerschwindel

Der sogenannte gutartige Lagerungsschwindel oder auch benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel tritt im Erwachsenenalter am häufigsten auf. Er ist äußerst unangenehm, aber letztlich harmlos. Er tritt typischerweise auf, wenn die Betroffenen den Kopf zur Seite oder schräg nach oben neigen, dabei schein sich die Umgebung heftig zu drehen. Der dadurch ausgelöste Schwindelanfall ist heftig, endet meist nach wenigen Sekunden oder Minuten. Diese Anfälle von Schwindel treten meist beim Aufstehen (bzw. beim Aufrichten nach dem Nachtschlaf) oder nachts beim Herumdrehen im Bett auf. Besonders in den ersten Wochen sind neben dem Schwindel auch Übelkeit, Erbrechen, Schweißausbrüche und Angst möglich. Beim ersten Auftreten geraten die Betroffenen nicht selten in Panik, dabei kann die Attacke mit einer speziellen Bewegung – dem sogenannten Befreiungsmanöver – oder einer Bewegungsabfolge – dem Epley-Manöver schnell beendet werden.

Chronische Migräne – Interview mit Univ. Prof. Dr. Arne-Wulf Scholtz

Dr. Scholtz: Unser gleichgewichtserhaltendes System beruht auf einem komplexen Zusammenspiel verschiedener Sinnesstrukturen. Insbesondere unsere Augen, unsere Gleichgewichtsorgane im Innenohr und unsere Muskeln und Gelenke liefern uns Informationen zu unserer Position im Raum. Diese Informationen werden dann im Gehirn verarbeitet, miteinander abgeglichen und führen dazu, dass unser Blickfeld stabil bleibt und wir unseren Körper stabil halten beziehungsweise gezielt bewegen können.
Schwindel und Gleichgewichtsstörungen entstehen dann, wenn eine dieser Sinnesstrukturen fehlerhafte Informationen abgibt, wenn das Gehirn die Informationen nicht richtig verarbeiten kann oder wenn die motorische Fähigkeit zum Stehen oder Gehen nicht gegeben ist.

Anmerkung: In einem ausführlichen Arzt-Patienten-Gespräch wird geklärt um welche Art des Schwindels es sich handelt.

Arten von Schwindel

Dr. Scholtz: Die Anamnese ist wegweisend für die Einteilung in drei Hauptgruppen des Schwindels: Den Innenohr bedingten, den zentral bedingten Schwindel und den Schwindel anderer Ursachen. Bei der Anamnese der Patienten stehen vier wesentliche Aspekte im Vordergrund: Wie äußert sich der Schwindel? Ist es ein Dreh- oder Schwankschwindel? Wie lange dauert der Schwindel? Wie lange dauern die Schwindelepisoden? Wodurch ist der Schwindel ausgelöst? Dies kann zum Beispiel durch Kopfbewegungen passieren. Von welchen Erscheinungen wird der Schwindel begleitet? Hat der Patient Übelkeit oder Erbrechen? Hat er Hör- oder Sehstörungen oder auch einen Tinnitus? Wichtig sind auch die Fragen nach Vorerkrankungen und Medikamenteneinnahme.

Anmerkung: Die Antworten auf diese Fragen entscheiden über den weiteren Verlauf der Untersuchungen. Eine Vielzahl von Tests steht je nach Charakteristik des Schwindels zur Verfügung.

Dr. Scholtz: Ein abgestuftes, diagnostisches Programm beginnt zunächst mit einer orientierenden Untersuchung. Zu diesen orientierenden Untersuchung gehören die Blutdruckmessung, sowie einfache Koordinationsprüfungen wie der Romberg-Test oder der Unterberger-Tretversuch. Diese Untersuchungen lassen sehr gut die Art und das Ausmaß der Störung erkennen. Zur Abklärung von spezifischen Augenbewegungen bei verschiedenen Kopf-Körperpositionen wird eine Leuchtbrille oder eine Videobrille verwendet. Eine Standarduntersuchung für die seitengetrennte Beurteilung der Gleichgewichtsorgane stellt auch heute noch die thermische Prüfung mit kaltem und warmem Wasser, beziehungsweise Luft dar. Werden andere Untersuchungen notwendig, dann gibt es auch die Ableitung der Muskelpotentiale von den Hals, bzw. Kopfmuskeln, bei Störung der Linear- und Gravitationsrezeptoren. Zu einer Gleichgewichtsdiagnostik gehört in der Regel auch eine Gehörprüfung und eine Untersuchung des Ohres.

Anmerkung: Die Grundlage der Behandlung bilden wirksame Arzneimittel, ähnlich wie in der Schmerztherapie ist es entscheidend mit der Therapie so früh wie möglich zu beginnen um eine weitere Chronifizierung zu verhindern.

Behandlungsmöglichkeiten

Dr. Scholtz: Die meisten Innenohr bedingten Schwindelerkrankungen lassen sich heutzutage sehr gut behandeln. Neben der medikamentösen Therapie ist ein physikalisches Trainingsprogramm sehr wichtig.

Anmerkung: Der Behandlungserfolg lässt sich bei vielen Schwindelformen mit einem gezielten Bewegungs- und Koordinationstraining noch verbessern.

Dr. Scholtz: In der physiotherapeutischen Schwindelrehabilitation kommen heutzutage auch „Neurofeedback-Techniken“ zur Anwendung. Die Patienten werden unter Anderem dazu aufgefordert ihren Körperschwerpunkt auf einer Plattform so zu verlagern, dass sie einem Bewegungsmuster verschiedener Punkte oder Kreise auf einem Bildschirm folgen müssen. Auch ein freibewegliches Ringsystem gehört zur Schwindelrehabilitation und erlaubt ein dreidimensionales Training. Dabei wird das sensomotorische System mit seinen Sinnesstrukturen stimuliert und es gelingt uns dabei auch die Körperbalance zu verbessern.

Anmerkung: Schwindel und Gleichgewichtsstörungen führen zu einem gravierenden Verlust der Lebensqualität. Durch eine sinnvolle Stufendiagnostik und eine frühzeitige Therapie kann den Patienten so geholfen werden, dass sie wieder ein aktives und beschwerdenfreies Leben führen können.

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Quellen:

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Linktipps:

– Migräne | Krankheitslexikon
– Ohnmacht und Bewusstlosigkeit, Synkope
– Was tun bei Kreislaufkollaps?
– Hypotonie (niedriger Blutdruck) | Krankheitslexikon

Kave Atefie





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