1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (10 Bewertungen, Durchschnitt: 3,80 Sterne von 5)
Sildenafil – Der Wirkstoff im Medikament Viagra

Sildenafil – Der Wirkstoff im Medikament Viagra

Sildenafil - Der Wirkstoff von Viagra

Seit dem Jahr 1998 wird zur Behandlung von Erektionsstörungen, der sogenannten erektilen Dysfunktion, der Wirkstoff Sildenafil mit Erfolg eingesetzt. Sildenafil gehört mit einer Erfolgsquote von immerhin 85 Prozent zu den wirksamsten Medikamenten zur Behandlung von psychogenen oder organischen Erektionsstörungen. Unter einer Erektionsstörung wird die Unfähigkeit verstanden, eine ausreichende Erektion zu entwickeln und zu halten, die für einen befriedigenden Geschlechtsverkehr notwendig ist.



Wirkungsweise von Sildenafil

Sildenafil ist ein sogenannter selektiver Phosphodiesterase-V-Inhibitor. Das heißt, der Wirkstoff gehört wie Tadalfil und Vardenafil zur Gruppe der PDE-5-Hemmer, die den Einstrom von arteriellem Blut in die Gefäße des Schwellkörpers des Penis fördern. Das geschieht vor allem dadurch, dass sich die Blutgefäße im Penis entspannen, indem das Enzym Phosphodiesterase-5 gehemmt wird. Sildenafil bewirkt somit eine intensive Volumen-und Drucksteigerung im Schwellkörper, der zugleich eine erhebliche Reduzierung des venösen Blutabstroms verursacht, wodurch eine Erektion ermöglicht wird. Im Vergleich zur Ruheperfusion (Durchblutung im Ruhezustand) liegt die Steigerung der Blutzufuhr bei bis zu 700 Prozent.

Allerdings handelt es sich bei dem Potenzmittel um kein Aphrodisiakum. Ebenso bewirkt das Medikament keine Steigerung der männlichen Libido. Daher bedarf es, damit das Medikament seine Wirkung entfalten kann, einer sexuellen Stimulation.

Seit 2006 wird Sildenafil zudem zur Therapie von Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie) verwendet, bei der die gefäßerweiternde Wirkung ebenso von großer Bedeutung ist, wie bei der Therapie der erektilen Dysfunktion.

Nebenwirkungen und Kontraindikationen

Obwohl das Medikament Sildenafil verhältnismäßig gut verträglich ist, kann es dennoch zu Nebenwirkungen kommen. In der Regel sind diese jedoch nur von geringer bis mäßiger Intensität und sind in den meisten Fällen nach einigen Tagen rückläufig.

Zu den sehr häufigen Nebenwirkungen zählen Kopfschmerzen, Durchfall, Verdauungsstörungen, Gliederschmerzen sowie Gesichtsrötungen und Oberkörperrötungen, die vermutlich auf die gefäßerweiternde Wirkung des Medikaments zurückzuführen sind.

Häufig kommt es aufgrund der vasodilatierenden Wirkung von Sildenafil zu Herzklopfen, verstopfter Nase, Nasenbluten, Schwindel und Abfall des Blutdrucks. Wird das Medikament gegen Lungenhochdruck eingesetzt, treten häufig weitere Nebenwirkungen wie Grippe, Bronchitis, Husten, Fieber und Brustschwellungen auf.

Einige Patienten (drei Prozent) klagten zudem über Beeinträchtigungen beim Sehen wie Lichtempfindlichkeit, Unscharfes Sehen als auch einem veränderten Farbsehen (Blausehen). Dabei traten diese Beschwerden fast ausschließlich bei höheren Dosierungen auf. In einigen wenigen Fällen soll es zu einem dauerhaften Sehverlust gekommen sein. Ob hier allerdings ein kausaler Zusammenhang mit der Einnahme von Sildenafil besteht, wird aus medizinischer Sicht angezweifelt und ist bisher auch wissenschaftlich nicht erwiesen.

Eher selten kommt es zu Nebenwirkungen wie Überempfindlichkeitsreaktionen, Beeinträchtigung der Augen, Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt und Gehirnblutungen.

Sildenafil sollte nicht eingenommen werden bei:

* einer Allergie oder Überempfindlichkeit gegen einen Bestandteil des Medikaments
* schweren Nieren-und Leberschäden
* Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Herzinsuffizienz, Angina Pectoris)
* niedrigem Blutdruck (systolischer Wert <90 mmHg)
* nach einem Schlaganfall oder Herzinfarkt (weniger als sechs Monate zurückliegend)
* schwererem Lungenhochdruck der Stufe IV

Zudem sollten Patienten, die Medikamente mit gefäßerweiternden Inhaltsstoffen beziehungsweise Alpha-Sympatholytika Inhaltsstoffen wie Nitrat und Molsidomin verwenden, auf das Potenzmittel Sildenafil aufgrund des gleichartigen Wirkstoffmechanismus verzichten, da es sonst zu einem starken Blutdruckabfall kommen kann. Dabei handelt es sich um Medikamente, die vor allem bei Angina Pectoris verschrieben werden.

Außerdem gibt es Arzneimittel, die auf keinen Fall gleichzeitig oder in einem zu engen Zeitraum mit Sildenafil eingenommen werden dürfen (zum Beispiel Aids-Mittel). Die Wirksamkeit von Sildenafil bei gleichzeitiger medikamentöser Behandlung von Lungenbluthochdruck mit anderen Arzneimitteln, hier vor allem Wirkstoffe aus der Gruppe der Prostaglandine, sind bisher noch nicht wissenschaftlich hinreichend belegt. Daher sollte vor der Verwendung des Potenzmittels Sildenafil mit anderen Medikamenten, egal ob zur Behandlung von Lungenbluthochdruck oder einer erektilen Dysfunktion, eine Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt durchgeführt werden.

Sildenafil während der Schwangerschaft und Stillzeit

Der Wirkstoff Sildenafil wird auch zur Behandlung von Lungenbluthochdruck verwendet. Ob das Medikament auch bei schwangeren Frauen angewendet werden kann, wird zurzeit wissenschaftlich kontrovers diskutiert. Studien haben ergeben, dass Schädigungen bisher erst nach der Geburt feststellbar waren. Ein Zusammenhang zur Vergabe von Sildenafil konnte jedoch noch nicht erbracht werden. Dennoch sollte das Medikament bis zur wissenschaftlichen Klärung nicht während der Schwangerschaft beziehungsweise Stillzeit eingenommen werden. Ebenso sollte der Wirkstoff nicht bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren verwendet werden.

Medikamente, die Sildenafil enthalten

Viagra gegen Impotenz

Das wohl bekannteste Medikament zur Behandlung einer erektilen Dysfunktion ist Viagra. Das Potenzmittel mit dem Wirkstoff Sildenafil zählt zu den PDE 5 Hemmern. Es unterstützt die Entspannung der Blutgefäße im männlichen Glied bei sexueller Erregung. Dadurch wird die arterielle Blutzufuhr in den Schwellkörper des Penis verbessert, sodass eine Erektion entstehen und auch beibehalten werden kann. Viagra gilt als verhältnismäßig gut verträglich, dennoch kann es zu Nebenwirkungen kommen. Die Nebenwirkungen und sonstigen wichtigen Medikamenteninformationen sind auf dem Beipackzettel der Medikamentenpackung aufgeführt.

Viagra gibt es als Tablette und Schmelztablette in den Stärken 25 mg, 50 mg und 100 mg. Das Medikament ist verschreibungspflichtig und nicht für Patienten unter 18 Jahren geeignet. Das Potenzmittel sollte eine Stunde vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden, da der Eintritt der Wirkungsphase 30 bis 60 Minuten dauern kann. Die Wirkzeit von Viagra liegt durchschnittlich bei vier bis fünf Stunden. Es sollte pro Tag nur eine Tablette eingenommen werden, um eine Überdosierung zu vermeiden.

Revatio zur Behandlung von Lungenbluthochdruck

Das Medikament Revatio enthält den Wirkstoff Sildenafil und gehört wie Viagra zur Gruppe der PDE-5-Hemmer. Revatio wird zur Reduzierung eines erhöhten Lungenblutdrucks (pulmonale arterielle Hypertonie) eingesetzt. Durch den Wirkstoff Sildenafil kommt es zu einer Erweiterung der Blutgefäße in der Lunge, sodass die Blutzirkulation in dem Atmungsorgan verbessert und so der Blutdruck gesenkt wird.

Revatio ist verschreibungspflichtig und ist in den Packungsgrößen 90 und 300 Tabletten erhältlich. Jede Tablette enthält 20 mg Sildenafil als Citrat. Das Medikament sollte stets genau nach ärztlicher Anweisung eingenommen werden. Die empfohlene Dosierung beträgt bei erwachsenen Patienten dreimal täglich eine 20 mg Tablette. Zwischen der Einnahme der Tabletten sollten etwa sechs bis acht Stunden liegen. Die Einnahme der Arznei kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen. Auf das Trinken von Grapefruitsaft sollte während der Behandlung mit Revatio verzichtet werden, da der Saft die Wirkung von Sildenafil beeinträchtigt. Revatio kann Nebenwirkungen entfalten, die im Beipackzettel des Medikaments im Einzelnen aufgeführt werden. Das Medikament gegen Lungenbluthochdruck ist sowohl für weibliche als auch für männliche Patienten geeignet. Auch Kinder können mit Revatio therapiert werden, sofern sie älter als ein Jahr sind.

——————-

Quellen:

¹
² Quantifying Barriers to Improvement of Treatment Satisfaction in Men With Erectile Dysfunction (Bushmakin AG, Cappelleri JC, Stecher V, Lue TF.;J Sex Med. 2016 Dec 20.) PMID:
³

Linktipps:

– Potenzmittel: Viagra & Co.
– PDE-5-Hemmer – Funktionsweise und Einsatzgebiete
– Was tun bei Erektionsstörungen?
– Tadalafil: Neben- und Wechselwirkungen vom Cialis