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Stalking – Wege aus der Isolation

Stalking – Wege aus der Isolation

Stalking - Belästigung per Telefon , Mail und SMS

Ist er hier? Wartet er auf mich? Angst ist ein mächtiges Gefühl. Sie kann zu ungeahnter Kraft verhelfen, aber auch den Mutigsten dazu bringen aufzugeben. Stets fröhliche, optimistische Menschen werden zu blassen Figuren die sich bei schönstem Wetter nicht hinaus trauen. Leute die sich bei jedem Klingeln über den anstehenden Besuch freuen, zucken zusammen wenn die Glocke schrillt. Jeder Gang zum Briefkasten ist eine Qual, denn man weiß nicht was einen erwartet. Ohne Zweifel, Stalking ist Psychoterror, psychische Gewalt – allgegenwärtig bis in den Schlaf?



Unter Stalking versteht man bewusstes, krankhaftes Verfolgen, Beschatten, Beobachten und Bedrohen einer Person. Das Wort leitet sich vom englischen „to stalk“ ab, was so viel bedeutet wie anpirschen, belauern, heranschleichen.

Wie sieht die Realität aus?

80 % der Stalker sind Männer, 90 % der Opfer Frauen.


Die Verfolgung kann einige Wochen bis Jahre andauern, die Verfolger sind ausdauernd und beharrlich. Stalking kann von Verfolgung bis zu Sachbeschädigung, Körperverletzung, ja im schlimmsten Fall auch Mord gehen. Telefonanrufe, SMS, kleine Geschenke sowie die Anwesenheit des Stalkers, seine Liebesbekundungen, Drohungen und Beleidigungen gehören für ein Stalkingopfer zum traurigen Alltag.

Gespräch mit einem Opfer

„Ich fühlte mich in meinem Leben komplett eingeschränkt. Die ständige Angst das er wieder vor der Tür lauert, im zehn Meter Abstand hinterher trottet, das er einfach wieder da ist, ließ mir das Blut in den Adern gefrieren – vor allem bei dem Gedanken hinauszugehen.

Es gibt keinen Alltag mehr, einkaufen wird zum Hürdenlauf, schönes Wetter verursacht Depressionen weil man weiß, man kann nicht raus denn dort ist ja er. Am Fenster sitzen geht nicht, er könnte mich sehen, er könnte eine Waffe haben, er könnte sie benutzen. Man fühlt sich vollkommen hilflos und allein.“

Bei diesem Stalkingopfer ging der Täter etwas weiter, er zeichnete sich durch beharrliche Verfolgung, Selbstmordäußerungen, Sachbeschädigung, Einbruch und Körperverletzung aus. Das Opfer litt unter Depressionen, Existenzängsten, Albträumen und Schlaflosigkeit.

Auf die Frage ob und warum sie nicht gleich zur Polizei gegangen sei, antwortete sie: „Für einen Außenstehenden ist das wohl immer die zweite oder dritte Frage und der verständnislose Blick wenn man nein sagt ist auch bekannt. Stellen Sie sich vor, sie müssten wegen einem Menschen den sie einmal geliebt haben, dem sie mal vertrauten zur Polizei – es würde ihnen bestimmt nicht leicht fallen.

Es dauert, bis man sich seiner Situation bewusst wird, bis man merkt, ok, hier kann ich selbst nichts ausrichten, ein klärendes Gespräch existiert nicht. Als ich nach einem Jahr in einer Notsituation zur Polizei ging war ich nervlich am Ende. Ich hoffte auf Hilfe und wurde nur belächelt. Damals war Stalking noch kein so großes Thema, die Antistalking Gesetze gab es noch nicht.“

Es dauerte zwei Jahre und drei Wohnungswechsel bis sie sich von ihrem Peiniger loslösen konnte. Für ihn gab es nie rechtliche Konsequenzen.

Wege aus der Opferrolle

Der Weg bis zur eigenen Freiheit kann ein langer sein, deshalb brauchen Betroffene viel Ausdauer und psychische Stärke. Hier vier wichtige Grundregeln die zu einem schnelleren Vorankommen beitragen können.

Abstinenz

– Jeglichen Kontakt mit dem Täter vermeiden
– Jegliche Kontaktangebote ignorieren
– Geschenke zurückweisen
– Bei Telefonterror zum Beispiel die Nummer wechseln

Transparenz

Es ist sehr wichtig, dass das soziale Umfeld (Freunde, Bekannte, Kollegen, Nachbarn, Familie?) über die Belästigung informiert wird und weiß, dass keine Informationen herausgegeben werden dürfen.

Dokumentation

– Aufzeichnungen über Belästigungen, Kontaktaufnahmen etc. in einem Tagebuch machen
– SMS, Briefe, Emails etc. aufbewahren
– Sprachnachrichten speichern

Konsequenz

Es ist von äußerster Wichtigkeit das alle der oben genannten Punkte befolgt werden. Oft fällt es schwer wirklich nicht mehr mit dem Stalker zu sprechen oder auf Belästigungen nicht mehr einzugehen. Der Gedanke „darüber“ sprechen zu können und es ihm „auszureden“ schwirrt durch den Kopf. Das wird aber nicht funktionieren. Seien sie hart und bleiben sie hart. Je stärker das Opfer wird desto weniger Macht hat der Täter.

Anti-Stalking-Gesetz

Das Anti-Stalking-Gesetz ist in Österreich seit dem 1. Juli 2006 in Kraft. Es gibt zwei Möglichkeiten zum Schutz des Opfers:

  • Strafrechtlicher Schutz durch eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr. Dazu muss bei der Polizei eine Anzeige gegen den Stalker gemacht werden.
  • Zivilrechtlicher Schutz durch eine einstweilige Verfügung. Diese muss bei Gericht beantragt werden.

Anlaufstellen

24 Stunden Frauennotruf der Stadt Wien

Tel. 01 / 71 71 9

Frauenhelpline gegen Männergewalt Tel. 0800 / 222555 Kriminalpolizeiliche Beratung Tel. 0800 / 216346 Männerberatung Tel. 01 / 603 28 28 Selbsthilfegruppe für Stalkingopfer [email protected] Notruf des BMJ für Opfer (Rechtsberatung) Tel. 0800/112 112 Weißer Ring (Kriminalitätsopferhilfe) Tel. 07114/200 155

= [andreber] =


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Kave Atefie





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