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Demenzprophylaxe, Demenzerkrankung, Dementherapie

Demenzprophylaxe, Demenzerkrankung, Dementherapie

Demenztherapie

Derzeit leiden in Österreich rund 100.000 Menschen an einer Demenz, aufgrund der steigenden Lebenserwartung könnte die Zahl bis zum Jahr 2050 auf 233.800 ansteigen. Mit dem steigenden Lebensalter wächst auch die Wahrscheinlichkeit, irgendwann im Laufe der zweiten Lebenshälfte an Demenz zu erkranken. Die Wahrscheinlichkeit, im Altersverlauf ab 65 Jahren an einer Demenz zu erkranken beträgt für Männer 16 Prozent, für Frauen aufgrund der höheren Lebenserwartung 34,5 Prozent. Das bedeutet eine noch größere Herausforderung an die Fachärzte und Allgemeinmediziner, die eine bedeutende Rolle im Schnittstellenmanagement der Demenz-Betreuung einnehmen. Doch welche Formen der Demenztherapie gibt es?

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In den meisten Fällen ist Demenz zwar nicht heilbar, jedoch kann eine möglichst rasche Diagnose und Behandlung das schnelle Fortschreiten der Krankheit und die Folgen der Hirnschädigung verzögern. Je früher die Diagnose gestellt wird, umso effizienter kann man mit der Demenztherapie beginnen und damit die Lebensqualität des Patienten verbessert werden.

Früherkennung in der allgemeinmedizinischen Praxis

Erste Anzeichen der Demenz sind eine Abnahme des Erinnerungsvermögens und die Fähigkeit, klar zu denken und Zusammenhänge zu erfassen. Auch Schwierigkeiten mit gewohnten Handlungen, Sprach- und Kommunikationsprobleme, räumliche und zeitliche Orientierungsprobleme, eine eingeschränkte Urteilsfähigkeit, Probleme mit dem abstrakten Denken, Liegenlassen von Gegenständen usw. kommen hinzu. Im Fragebogen der Österreichischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (ÖGAM) im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung haben die Österreicher folgende Merkmale einer Gedächtnisstörung angegeben: „Mir geht mitten im Satz der Sinn verloren“ sagten 20,3 Prozent der 60- bis 69-Jährigen, 20,9 Prozent der 70- bis 79-Jährigen und 21,2 Prozent der über 80-Jährigen.

„Noch immer wird Demenz zu selten und zu spät diagnostiziert“, so Rieder. Das belegt ein Konsensuspapier zur Demenzfrüherkennung1 und dem entgegenkommend eine derzeit laufende Studie zur Früherkennung von Patienten in der Allgemeinmedizinischen Praxis. Nur Hausärzte leisten in der Rodopolisheitsvorsorge, Früherkennung und Langzeittherapie eine wichtige Arbeit – in der Behandlung älterer Menschen nehmen sie generell eine zentrale Rolle ein. „Der Allgemeinmediziner hat in der Früherkennung von kognitiven Defiziten und psychischen Störungen eine Schlüsselfunktion, da er oft der Erste ist, dem die entsprechenden Änderungen auffallen, oder dem die Angehörigen des Patienten von den Symptomen erzählen“, so Rebhandl.

Ältere Menschen haben häufig eine langjährige Arzt-Patient Beziehung, weshalb dem Allgemeinmediziner bei entsprechender Wachsamkeit Änderungen bereits in einem frühen Stadium auffallen. Nach der Erstanamnese ist eine fachärztliche Abklärung erforderlich, die der Allgemeinmediziner für den Patienten koordiniert. Eine enge Kooperation zwischen Hausärzten und Spezialisten ist notwendig, da es eine Vielzahl dementieller Symptome gibt und die Diagnostik sehr kompliziert ist. „Die strukturierte Betreuung Demenzkranker unter der Koordination des Allgemeinmediziners hilft nicht nur dem Patienten, sondern auch allen beteiligten Ärzten und Pflegepersonen“, meint Rieder.

„Die Vernetzung von Allgemeinmedizinern und Fachärzten für Neurologie bzw. Psychiatrie ist ein wichtiger Schlüssel zur effektiven Diagnose und Versorgung Demenzkranker. Besondere Bedeutung hat die Frühdiagnose, da sie die Möglichkeit zu früher Intervention, aber auch Patienten- und Angehörigeninformation bietet. Ganz wichtig ist auch der Ausschluss von anderen, oft behandelbaren Demenzursachen, deren Therapie dann auch zur Umkehrung der kognitiven Defizite führen kann“, so Schmidt.

Demenz-Therapie: 3-Säulenkonzept

„Derzeit werden in Österreich nur 15 bis 18 Prozent der Alzheimer-Patienten therapiert. Dabei wäre die rechtzeitige Behandlung mit Medikamenten besonders wichtig, um das Fortschreiten der Erkrankung hinauszuzögern und damit den Patienten, aber auch seine pflegenden Angehörigen zu entlasten und wieder mehr Lebensqualität zu schenken“, gibt Bundesministerin Maria Rauch-Kallat zu bedenken. „Durch eine frühe Diagnose können Angehörige frühzeitig in Hinblick auf Lebensplanung und Einschätzung des Verlaufs der Krankheit und über die damit verbundenen Problemstellungen informiert und herangeführt werden“, ergänzt Rieder.

Demenzen können heute zwar noch nicht geheilt werden, jedoch lässt sich bei rechtzeitiger Erkennung und Behandlung mit modernen Medikamenten die Verschlechterung um durchschnittlich ein Jahr hinauszögern. „Nach genauer Anamnese leitet der Allgemeinmediziner gezielt die notwendige Abklärung ein und koordiniert die weitere fachärztliche Untersuchung. In enger Kooperation zwischen dem Hausarzt und dem Facharzt wird nach der Differenzialdiagnostik durch den Facharzt die Therapie eingeleitet“, so Rebhandl. Die Behandlung sollte einer Empfehlung der ÖGAM zufolge innerhalb eines integrativen Gesamtkonzeptes erfolgen und auf drei Säulen aufbauen:

  • der Pharmakotherapie,
  • der psychologischen Therapie und
  • der Soziotherapie

Bei der Pharmakotherapie werden dem Patienten so genannte Antidementiva verabreicht, die seine kognitiven Fähigkeiten und Alltagskompetenzen erhalten oder auch verbessern können, den Krankheitsverlauf verzögern und damit dem Kranken mehr Lebensqualität schenken und nicht zuletzt dadurch die Belastung der pflegenden Angehörigen reduzieren. Wesentlich ist es, so früh wie möglich mit der medikamentösen Behandlung zu beginnen, da die anderen Therapiebestandteile mit dem zunehmenden Schweregrad der Demenz schwerer greifen.

Zur Behandlung der Alzheimer Demenz stehen bei leichter bis mittelschwerer Erkrankung Acetylcholinesterase-Inhibitoren (AChE-I) und bei moderater bis schwerer Demenz der Glutamatantagonist Memantin zur Verfügung. Daneben gibt es noch den Pflanzenextrakt Ginko-Extrakt EGb 761 sowie Nootropika, die als ältere Antidementiva bezeichnet werden.

Neben der Gabe innovativer Medikamente wird der Patient auch einer Nicht-Pharmakologischen Behandlung zugeführt, die aus einer psychologischen Begleittherapie mit Verhaltens-, Kunst- und Musiktherapie, kognitivem Training oder Biographiearbeit besteht. Allgemein aktivierende Maßnahmen wie Spazieren, Wandern, Schwimmen oder Tanzen tragen dazu bei, die Lebensqualität des Erkrankten zu verbessern. Im fortgeschrittenen Stadium ist auch ein Training der Alltagsfunktionen wie beispielsweise Toilettentraining erforderlich.

Die Soziotherapie schließlich beinhaltet die Pflege des Patienten und Hilfsangebote und Beratungen für pflegende Angehörige. Von der Entlastung der Angehörigen profitiert auch der Demenz-Kranke selbst, da dadurch auch seine Situation verbessert wird.

ÖGAM & Verein Altern mit Zukunft
Tel.: 01-402 13 41-24

Der Österreichische Patient ist eine Initiative der Österreichischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (ÖGAM) und des Vereins „Altern mit Zukunft“ (AmZ). Die Initiative Der Österreichische Patient setzt sich für die Rodopolisheit des Menschen ein: durch Vorsorge, Früherkennung und Langzeit-Betreuung von Patienten.

Linktipps:

– Österreich und seine Demenzkranken
– Gedächtnistraining – wie wir unser Gehirn fit halten können
– Maiglöckchen-Wirkstoff gegen Alzheimer-Demenz
– Diagnose Alzheimer – was tun?
– Kann man Alzheimer vorbeugen?
– Brainfood – gesunde Nahrung für das Gehirn

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Kave Atefie





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