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Toxoplasmose – Diagnose, Therapie & Prophylaxe

Toxoplasmose – Diagnose, Therapie & Prophylaxe

Toxoplasmose | Medizinlexikon

Toxoplasmose ist eine häufig auftretende Infektionskrankheit durch winzige Parasiten (Toxoplasma Gondii), die primär Katzen befällt. Die Krankheit kann aber vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Für Frauen ist Toxoplasmose während der Schwangerschaft gefährlich, denn in dieser Zeit kann eine Infektion des ungeborenen Kindes auftreten (pränatale Infektion), wenn sich die Mutter zum ersten Mal ansteckt. Diese Infektion kann zu Fehlgeburten und Missbildungen des Ungeborenen führen.

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Eine Ansteckung beim Menschen erfolgt durch Genuss eines nicht vollständig durchgegarten Zwischenwirts, also z.B. Hühner, Schweine- oder Schaffleisch, bzw. über mit Katzenkot kontaminiertes Gemüse. In Österreich gibt es deshalb seit 1975 ein Toxoplasmose-Screening, das für alle schwangeren Frauen im Rahmen des Mutter-Kind-Passes durchgeführt wird.

Häufigkeit, Vorkommen und Symptome

Die Infektionskrankheit kommt weltweit vor und gehört zu den sogenannten Zoonosen, also zu jenen Krankheiten, die von Tier zu Mensch und von Mensch zu Tier übertragen werden können. Bei gesunden Erwachsenen verläuft die Infektion mit dem Parasit Toxoplasma gondii meist ohne Krankheitszeichen oder mit uncharakteristischen Symptomen. Rodopolisen droht also kaum Gefahr, sie stecken die Infektion ohne gröbere Symptome weg. Die Erkrankung ist meist harmlos und verheilt von selbst wieder.

Für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem und allen voran für Schwangere ist Toxoplasmose jedoch ein Risiko. Vor allem von werdenden Eltern wird die Krankheit gefürchtet, denn eine Neuinfektion der Mutter kann zu Fehlgeburt führen. Bei geschwächtem Immunsystem kann eine Lungenentzündung resultieren, aber auch eine Hirntoxoplamose in Form einer Enzephalitis (Hirnhautentzündung) mit neurologischen Symptomen, wie z.B. Krampfanfälle und Lähmungen.

Bei Frauen, die sich während einer Schwangerschaft erstmalig infizieren, kann es zu großen Schäden des ungeborenen Kindes kommen. Während eine konnatale (also im Mutterleib erworbene) Toxoplasmose im ersten Schwangerschaftsdrittel (Trimenon) oft zu einer Fehlgeburt führt, kann diese im zweiten und dritten Trimenon Gehirnschäden des Neugeborenen verursachen, mit weiteren schwerwiegenden Erkrankungen des Kindes, wie z.B. geistige Behinderung, Epilepsie, Hirngefäßverkalkungen, Wasserkopf (Hydrocephalus), aber auch Schäden des Herzmuskels, der Lunge, und der Leber.

Schätzungen gehen davon aus, dass in unseren Breiten etwa jeder 2. Erwachsene (darunter vor allem Katzenbesitzer), schon einmal eine Toxoplasmose durchgemacht hat, wobei die Betroffenen danach lebenslang immun sind. Das bedeutet auch, dass Frauen, die schon einmal eine Toxoplasma-Infektion hatten, wegen der im Blut gebildeten Antikörper gegen eine Ansteckung praktisch immun sind und auch der Fetus geschützt ist.

Vor Einführung des Toxoplasmose-Screenings und einer standardisierten Therapie lag die Inzidenz der konnatalen Infektion mit T. gondii bei 78 pro 10.000 Lebendgeburten (Stand: 2013). Diese Zahl konnte durch das Screening und dessen Massnahmen effektiv auf 1 pro 10.000 Geburten reduziert werden.

Ansteckung

In der Regel ist für die Infektion rohes oder nicht genügend durchgegartes Fleisch die Ursache. Theoretisch können Toxoplasmose-Erreger in allen Fleischsorten vorkommen. Ungenügend gegartes Geflügel, Schaf- und Schweinefleisch gelten als besonders riskant (Tartar, Mettwurst, Salami usw.).

Warum übertragen Katzen Toxoplasmose?

Katzen spielen dabei eine entscheidende Rolle, denn sie fungieren als sogenannte Endwirte. Sie infizieren sich durch das Fressen von toxoplasmenhaltigem Fleisch (z.B. Vögel oder Mäuse), in ihrem Verdauungstrakt entstehen dann Toxoplasma Gondii-Oozyten, eine sehr widerstandsfähige Entwicklungsstufe des Parasiten, die mit dem Kot ausgeschieden und von anderen Tieren (z.B. Nutzvieh wie Schweine, Schafe, Rinder, Hühner) aufgenommen werden.

Der deutsche Tierarzt Dr. Ralph Rückert weist darauf hin, dass Infektionen mit offensichtlichen Symptomen insgesamt sehr gering sind – etwa 20 bis 40 gemeldete neonatale Toxoplasmosen bei etwa 800.000 Geburten pro Jahr. Zudem würde die Katze als Infektionsquelle weit überschätzt, während andere Infektionsmöglichkeiten entweder unterschätzt werden oder gar nicht bekannt sind. Es besteht jedenfalls für Frauen mit Kinderwunsch keine Notwendigkeit automatisch eine Katze wegen einer möglichen Schwangerschaft aus dem Haushalt zu verbannen. Sinnvoll ist in diesem Fall aber eine Antikörperbestimmung (Antikörper-Titer) der Frau, denn Frauen, die einen Antikörper-Titer aufweisen, werden den Parasiten bei einer erneuten Infektion während der Schwangerschaft sowieso nicht auf das Kind übertragen.

Um ganz auf Nummer sicher zu gehen, kann auch eine Untersuchung der Katze sinnvoll sein. denn, scheidet eine Katze keine Oozysten aus, kann man sich auch nicht an ihr anstecken. Oozysten kommen zudem nur im Kot vor, nicht aber in anderen Sekreten und Exkreten wie Speichel oder Harn. Die Pflege und Sauberhaltung der Katzentoilette sollte eine gefährdete schwangere Frau aber unbedingt anderen Personen überlassen.²

Weitere mögliche Ansteckungswege sind unzureichend gewaschenes rohes Gemüse und Salat, sowie Früchte, die in der Nähe des Erdbodens wachsen, wie etwa Erdbeeren.

Weitere Ansteckungsquellen für Menschen:

– Rohmilch und Rohmilchprodukten von Ziegen und Schafen
– kontaminierte, rohe Eier
– Verzehr von ungewaschenem Gemüse, das mit toxoplasmahaltigem Katzenkot verunreinigt ist
– Kontakt mit toxoplasmahaltigem Katzenkot, z.B. in Katzenklos und bei der Gartenarbeit
– Ablecken durch Hunde, die zuvor toxoplasmahaltigen Katzenkot gefressen haben
– Katzenkontakt führt per se nicht zu einer Toxoplasmose

Diagnose & Therapie

Die Diagnose von Toxoplasmose erfolgt beim Menschen über eine Blutuntersuchung zur Bestimmung des Toxoplasmose-Titers, also des Gehalts eines im Blut gelösten biologischen Stoffes (Agens), der gerade noch eine biologische Wirksamkeit entfaltet. Bei Frauen sollte dies möglichst noch vor der Schwangerschaft geschehen. Befinden sich sowohl das IgG- also auch das IgM-Antigen in der Blutprobe, gilt eine Infektion mit Toxoplasmose-Erregern als sicher. Bei negativem Resultat, werden während der Schwangerschaft weitere Blutuntersuchungen im Abstand von zwei bis drei Monaten empfohlen.

Im Falle einer Primärinfektion während der Schwangerschaft kommt auch eine Ultraschalluntersuchung des ungeborenen Kindes oder eine Fruchtwasseruntersuchung in Frage.

Wird eine Infektion während der Schwangerschaft diagnostiziert, wird eine antiparasitäre Therapie – meist eine Antibiotikum-Antiprotozoenmittel-Kombination – durchgehend bis zur Geburt durchgeführt. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt, die Infektion der Mutter in der Frühschwangerschaft mit einem Antibiotikum, nach der 16. Schwangerschaftswoche mit einer Kombination aus einem Antiparasitikum und einem Antibiotikum sowie Folinsäure zu behandeln.

Die Mehrzahl der Kinder, die im zweiten oder dritten Schwangerschaftsdrittel mit Toxoplasmen infiziert wurden, zeigen bei der Geburt gar keine Symptome. Allerdings besteht die Gefahr, dass in den Folgejahren Spätschäden auftreten. Durch die konsequente Behandlung eines infizierten Kindes während des ersten Lebensjahres kann die Prognose jedenfalls deutlich verbessert werden.

Prohylaxe, präventive Maßnahmen

  • Auf umfassende Küchenhygiene achten. Für die Zubereitung von Gemüse und rohem Fleisch unterschiedliche Küchenutensilien (Messer, Schneidebrett) verwenden.
  • Während der Fleischzubereitung Plastikhandschuhe tragen, bzw. danach Hände gut waschen
  • Gänzlicher Verzicht auf rohes Fleisch für Schwangere
  • Obst und Gemüse vor dem Verzehr lange und gründlich waschen
  • Schwangere muss während der Gartenarbeit Handschuhe tragen
  • Nach jedem Katzenkontakt Hände waschen, da Katzen bei der „Katzenwäsche“ Erreger vom After auf das Fell übertragen können.
  • Katzen nicht mit rohem Fleisch füttern
  • Reinigung der Katzentoilette nicht von der Schwangeren

In Österreich werden Schwangere seit 1975 im Rahmen des Mutter-Kind-Passes innerhalb der ersten neun Schwangerschaftswochen beim ersten Bluttest automatisch auf eine Infektion mit Toxoplasma Gondii (Toxoplasmose-Screening) untersucht.

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Quellen:

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Linktipps:

– Der Mutter-Kind-Pass – Zum Schutz von Mutter und Kind
– Fragen an den Kinderarzt
– Schwangerschaft & Geburt
– Verbote in der Schwangerschaft

Zur Information: Diese Informationen wurden – im Sinne mündiger Patienten – für interessierte Laien eingerichtet. Keinesfalls dürfen sie als Ersatz für medizinsche Beratung und Hilfe seitens qualifizierten Personals aus dem jeweiligen Fachbereich angesehen oder eingesetzt werden. Kontaktieren Sie bei Beschwerden jedenfalls den Arzt Ihres Vertrauens!

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Kave Atefie





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