1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (1 Bewertungen, Durchschnitt: 4,00 Sterne von 5)
Vorsicht im Umgang mit Heilpflanzen

Vorsicht im Umgang mit Heilpflanzen

Heilpflanzen, Phytotherapie, Naturheilmittel

Naturheilmittel und Heilpflanzen bereichern das Wohlbefinden vieler Menschen. Auch, wer mit „Grün“ ansonsten gar nichts am Hut hat, greift gern auf das Angebot von Mutter Erde zurück. Dass der Einsatz von Heilpflanzen auch Risiken birgt, wird häufig ausgeklammert – eine gefährliche Nachlässigkeit.



Heilpflanzen liegen im Trend. Nach einer Studie des Deutschen Instituts für Demoskopie in Allensbach verwenden 70 % der Deutschen Naturheilmittel¹, für Österreich ist mit ähnlichen Ergebnissen zu rechnen. Meist erfolgt die Behandlung in Form von Selbstmedikation, sind doch nicht allzu viele Ärzte mit Disziplinen wie Phytotherapie oder Aromatherapie vertraut.

Harmlosigkeit – ein relativer Begriff

Heilpflanzen sind uns allen vor allem deshalb so sympathisch, weil wir meist keinen Beipackzettel mitgeliefert bekommen. Keine Rede ist da von Herzrasen, juckenden Ausschlägen oder Verdauungsstörungen. Die Thematik gefährlicher Heilpflanzen wird erst dann diskutiert, wenn die Behörde einschreitet – so geschehen, als 2002 in Deutschland die Zulassung für kavainhaltige Arzneien zurückgezogen wurde, nachdem unter Patienten Leberversagen und Todesfälle zu verzeichnen waren.


Univ.-Doz. Dr. Heribert Pittner, Präsident der österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie„Wie alle Arzneimittel können auch Produkte rein natürlichen Ursprungs unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen“, so Univ.-Doz. Dr. Heribert Pittner, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie. Die Gesellschaft vertritt die Belange der Pflanzenheilkunde in Österreich und bildet interessierte Ärzte in Phytotherapie aus. Derzeit besitzen 35 Ärzte das Phytodiplom, weitere 20 befinden sich in Ausbildung.

Gefahren durch Heilpflanzen

Dr. Pittner sieht jedoch keinen Grund zur Panik: Die am häufigsten auftretenden Komplikationen sind Allergien, die besonders oft im Zusammenhang mit Korbblütlern wie Arnika oder Beifuß zutage treten. Ein weiteres Beispiel für nachteilige Wirkungen beim Einsatz von Heilpflanzen ist Johanniskraut, das gerne in Form von Tee oder Tinktur eingesetzt wird. Dessen Anwendung führt häufig zu hoher Lichtempfindlichkeit, was sich beispielsweise in Ausschlägen bei Kontakt mit Sonnenlicht oder im Solarium äußern kann.

Ganz andere Gefahren lauern jenen Patienten auf, die im Fall einer akuten Erkrankung, etwa eines Kollaps, oder bei chronischen Beschwerden über mehrere Wochen ausschließlich auf Selbstmedikation durch Heilpflanzen vertrauen. Dr. Pittner rät dringend davon ab, in solchen Fällen auf den Arztbesuch zu verzichten. Bei leichten Beschwerden hingegen können Heilpflanzen und Kräuter oftmals auch alleine gute Abhilfe schaffen.

Apotheker und ausgebildete Ärzte helfen

Wer mehr über Wirkungen und unerwünschte Nebenwirkungen von Heilpflanzen erfahren möchte, ist nicht nur bei ausgebildeten Ärzten, sondern auch in der Apotheke des Vertrauens gut aufgehoben. Jeder Pharmazeut verfügt über eine spezielle Ausbildung auf dem Gebiet der Pharmakognosie, also jener Wissenschaft, die sich mit pflanzlichen Arzneimitteln befasst.

Was in der Apotheke nach fachkundiger Beratung erworben werden kann, lässt sich vielfach auch in der freien Natur aufstöbern. Das Sammeln von Pflanzen zu Heil- und Nahrungszwecken bedarf jedoch einiger Erfahrung, und die immer wieder zu beklagenden Todesfälle durch die Anwendung selbst gesammelter Pflanzen sollten Kräuterjägern eine Warnung sein. Auch gilt es zu bedenken, dass Pflanzen in der freien Natur oftmals verunreinigt oder mit Schadstoffen belastet sind.

10 Tipps für den sicheren Umgang mit Heilpflanzen:

1. Heilpflanzen ohne ärztliche Beratung nur bei leichten Beschwerden einsetzen.
2. Bei mittleren und schweren Erkrankungen unbedingt einen Arzt aufsuchen.
3. In akuten Krisenfällen muss unverzüglich ärztliche Hilfe eingeholt werden.
4. Auch leichte Beschwerden, die über mehrere Wochen bestehen, bedürfen ärztlicher Begutachtung.
5. Die beste Beratung zu Heilpflanzen und ihren Wirkungen erhält man in der Apotheke oder durch Ärzte mit Phytodiplom.
6. Vor Dauerbehandlung mit einer Heilpflanze unbedingt fachkundige Beratung einholen.
7. Patienten mit bereits erkannten Allergien sollten vorsichtig im Umgang mit Heilpflanzen sein. Im Zweifelsfall vorher mit einem Arzt sprechen.
8. Das Sammeln von Heilpflanzen in freier Natur sollte erfahrenen, fachkundigen Personen überlassen bleiben.
9. Eine Pflanze, die nicht eindeutig identifiziert werden kann, darf keinesfalls als Heilpflanze oder Lebensmittel angewendet werden.
10. Pflanzen in freier Natur können verunreinigt oder belastet sein. Im Zweifelsfall besser in der Apotheke einkaufen.

——————
¹ Quelle:

Linktipps:


Phytopharmazie – von der Heilkraft der Pflanzen
Heilpflanzen gegen Schnupfen und Heiserkeit
Heilpflanzenlexikon
Globuli – was können die kleinen Kügelchen wirklich?

Kave Atefie





SEO-Consultant und Gründer des unabhängigen österreichischen Rodopolisheitsportals rodopolis.info, das seit Jahren zu einem der beliebtesten Themenportale im deutschen Sprachraum zählt. Der Anspruch auch komplexe Themen leicht verständlich für interessierte Laien aufzubereiten wurde zum Markenzeichen des Portals.