Was Sie über K.O.-Tropfen wissen müssen

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K.O.-Tropfen


Jahr für Jahr steigen die Anzeigen zu Straftaten, bei denen Menschen – in den meisten Fällen Frauen – ohne deren Wissen betäubt werden um sie willfährig zu machen. Meist sind sogenannte K.O.-Tropfen im Spiel. Doch was sind „K.O.-Tropfen“? Wie wirken sie und vor allem wie kann man sich vor diesen narkotisierenden Substanzen, die einen Filmriss bewirken, bestmöglich schützen?

Was Sie über K.O.-Tropfen wissen müssen – Artikelübersicht:

Was sind K.O.-Tropfen?

Als K.O.-Tropfen bezeichnet man stark beeinträchtigende Substanzen, die im Zuge von Verbrechern gezielt eingesetzt werden, um Opfer zu betäuben. Meist kommen diese narkotisierenden Substanzen im Zuge von Eigentums- oder Sexualdelikten zum Einsatz.

Wurde im Jahr 2013 in Österreich erst eine Tat mit K.O. Tropfen aktenkundig, waren es
im Jahr 2015 bereits 54 Fälle. In Deutschland ist die Lage ähnlich beunruhigend. In Berlin zum Beispiel werden seit 2012 Delikte mit K.O.- Tropfen erfasst. Seitdem steigt die Zahl der Anzeigen kontinuierlich an. 2018 wurden allein in Berlin 230 Delikte vermerkt.

Zur Anzeige werden meist vermutete Vergewaltigungen am Tag danach gebracht, doch die Beweislage ist dann meist sehr schwierig. Die Dunkelziffer dürfte daher bei weitem höher liegen, da viele Opfer aus Scham nicht zur Polizei gehen.

Traurig aber wahr: auch im (halb)privaten Bereich werden Verbrechen mit K.O.-Tropfen begangen. Einschlägige Täter sind häufig auf Online Plattformen, die das schnelle Date versprechen, aktiv. Diesbezüglich gilt, was man prinzipiell bei „ersten Dates“ beherzigen sollte: Erste Treffen nur an öffentlichen Orten und auch bei der Zweisamkeit vorsichtig bleiben und ja nicht zu gutgläubig zu sein! K.O.-Tropfen werden übrigens sowohl im hetero- als auch im homosexuellen Umfeld missbräuchlich verwendet!

Doch Scham ist in jeden Fall fehl am Platz! Ganz im Gegenteil ist es extrem wichtig, dass Betroffene sich rasch und unmittelbar mit Beratungsstellen u/o Arzt u/o Polizei in Verbindung setzen, um die heimtückischen Täter rasch fassen zu können.

Wirkung von K.O.-Tropfen

K.O.-Tropfen sind keine eindeutig zuordenbare Substanz. Im Gegenteil – unter dem Überbegriff K.O.-Tropfen werden ganz unterschiedliche Chemikalien zusammengefasst, denen allerdings eines gemeinsam ist: sie wirken anfänglich bzw. in geringer Dosis enthemmend und stimulierend, später bzw. in höherer Dosierung aber einschläfernd und narkotisierend.

Unter K.O.-Tropfen versteht man unter anderem GBL (Gamma-Butyrolacton) und GHB (Gammahydroxybutter- bzw. butansäure). Beide Substanzen sind umgangssprachlich auch als „Liquid Ecstasy“, „Liquid E“, „Liquid X“ oder „G“ bekannt. Aber auch Benzodiazepine, Ketamin und viele weitere Medikamente aus der (veterinär)-Medizin werden als K.O.-Tropfen missbraucht.

Die meisten dieser als K.O.-Tropfen belkannten flüssigen Drogen sind farb- und geruchlos. Sie werden, da geschmacklich bis auf einen leicht seifigen oder salzigen Geschmack nicht intensiv wahrnehmbar, meist in geschmacksintensive Cocktails oder Longdrinks gemixt. Da sie schon in kleinen Dosen (wenige Milliliter reichen aus, um die Opfer zu betäuben) hochwirksam sind, werden sie in Getränken geschmacklich so gut wie nie wahrgenommen.

Die Wirkung der K.O.Tropfen tritt meist rasch, so nach ca. 10 – 20 Minuten ein. Art und Ausmaß hängen allerdings von vielen Faktoren, wie dem Wirkstoff, dem Begleitkonsum (Alkohol), und der Dosis ab. Die Wirkung hält meist zwei bis fünf Stunden an. Folgende Sysmptome gelten als klassisch für Kontakt mit K.O-Tropfen:

– kurzfristig euphorische Stimmung
– Übergang zu willenlosem und leicht manipulierbaren Verhalten
– Einschränkung der Bewegungs- und Handlungsfähigkeit bis hin zu „willenlosem Dämmerzustand“
– Erinnerungslücken bis hin zur Amnesie
– Beschwerden ähnlich jenen bei Alkoholmissbrauch: Kopfschmerzen, Erbrechen, Schwindelgefühl

Opfer berichten

Opfer von K.O.-Tropfen berichten immer ähnliche Abläufe. Gerade war der Abend noch lustig, und man selbst „gut drauf“, doch auf einmal entgleitet die Situation, man verliert die Konzentration und den Fokus, wird zunächst euphorisch, dann willfährig und leicht manipulierbar.

In Folge erinnern sich die meisten Opfer noch an Übelkeit und Schwindel, manche auch an eingeschränkte Bewegungs- und Handlungsfähigkeit, bis der für K.O.-Tropfen typische Filmriss einsetzt.

Am Morgen danach erwachen die Opfer oft an ihnen unbekannten Orten aus einem komaartigen Schlaf. Sie fühlen sich extrem verkatert, leiden unter Kopfschmerzen, Schwindelgefühlen und Übelkeit und fühlen sich ausgesprochen matt.

Manche haben nur vage Erinnerungsbilder vor Augen – oft genug von sexuellen Übergriffen – andere wiederum können sich an gar nichts mehr erinnern. Umso schlimmer, wenn man – vielleicht auch noch entkleidet – an einem Ort aufwacht, den man nicht kennt. Noch schlimmer, wenn Betroffene Schmerzen im Unterleib haben oder sogar äußere Verletzungen erkennen.

Keine falsche Scham: Wenn Sie glauben, dass Ihnen K.O.-Tropfen verabreicht wurden, handeln Sie schnell (Polizei 133, Rettung 144) bevor die volle Wirkung einsetzt. Auch am nächsten Tag, bei unerklärlichen Erinnerungslücken und weiteren oben genannten Anzeichen unbedingt – gegebenenfalls mit einer Vertrauensperson – die Vorfälle bei der Polizei schildern.

Wie kann man sich vor K.O.-Tropfen schützen?

Ganz wichtig und auch wenn es altmodisch klingt: Lassen Sie sich niemals von Unbekannten auf Getränke einladen – vor allem, wenn Sie alleine unterwegs sind und den Weg des Glases bis zu Ihnen nicht nachverfolgen können. Und falls doch – dann vertrauen Sie sich zumindest dem Barkeeper an, damit jedenfalls ein Dritter ein Auge auf Sie hat.

Lassen Sie Ihr Getränk nach Möglichkeit nicht aus den Augen. Wir wissen natürlich – das ist leichter gesagt als getan, zumal man sich ja auf der Tanzfläche schlecht mit einem Glas in der Hand bewegen kann. Versuchen Sie’s trotzdem!

Wenn Sie in Gesellschaft unterwegs sind, sollte immer einer dafür zuständig sein, die Getränke im Auge zu behalten. Wenn Sie alleine unterwegs sind, empfehlen wir Ihnen, sich entweder vertrauensvoll an das Personal zu wenden oder eventuell ein Pärchen oder eine andere Clique zu bitten, ein Auge auf ihr Getränk zu haben, wenn Sie es kurz aus der Hand geben möchten. Das erst Mal mag das vielleicht eine gewisse Überwindung bedeuten, aber Erfahrungswerte beweisen, dass so gut wie jeder Verständnis für Ihr Anliegen haben wird und Ihnen gern hilft.

Beobachten Sie sich selbst und nehmen Sie erste Warnzeichen ernst. Wahrscheinlich haben die meisten von uns schon einmal einen über den Durst getrunken und kennen die euphorisierende Wirkung von Alkohol. Wer nun einen ähnliche Bewusstseinsveränderung an sich oder seinen Mitfeiernden wahrnimmt, obwohl der Alkohol nur in Maßen geflossen ist, sollte wachsam sein und umgehend Dritte ins Vertrauen ziehen.

Was tun, wenn’s doch passiert

Zunächst gilt: sollten Sie den Verdacht haben, dass etwas mit Ihnen nicht stimmt und Ihnen möglicherweise k.O.-Tropfen verabreicht wurden – wenden Sie sich umgehend an eine Vertrauensperson oder rufen Sie die Polizei!

Verlassen Sie keinesfalls alleine das Lokal! Oft lauern die Täter auf der Straße und bieten den mit K.O. Tropfen Betäubten ihre vermeintlich Hilfe an.

Wenn Sie trotz aller Vorsichtsmaßnahmen am nächsten Morgen aufwachen und einen Filmriss haben, ist schnelles Handeln angesagt, denn K.O.-Tropfen lassen sich im Körper nur kurz nachweisen. Wenn Sie also Klarheit haben möchten und einen Beweis für eine Anzeige gegen den Täter benötigen, müssen Sie dafür sorgen dass die Substanz nachgewiesen werden kann.

Ein Nachweis in Blut bzw. Urin ist nur bis max. 8-12 Stunden nach Einnahme der Tropfen möglich. Suchen Sie also schnellstmöglich ein Krankenhaus, oder einen Arzt auf. In Großstädten sind auch Rechtsmedizinische Institute geeignete Anlaufstellen. Dort werden klare Dokumentationen, die für einen Strafprozess unerlässlich sind, erstellt.

Der Weg zur Polizei ist daher oft erst der zweite wichtige Schritt. Eine Anzeige sollten Sie aber jedenfalls erstatten, auch wenn dies in einem ersten Schritt wohl „gegen unbekannt“ erfolgen wird.

Nur wenn Opfer sich trauen, die Tat anzuzeigen, haben Polizei und Öffentlichkeit die Chance die gemeinen Verbrechen zu exekutieren und Täter zu verfolgen. Wir möchten daher ausdrücklich wiederholen. Scham ist fehl am Platz! Jeder und jede, die K.O.-Tropfen verabreicht bekommen sind Verbrechensopfer und die Täter gehören bestraft und zur Verantwortung gezogen!

Wichtig zu wissen: Selbst wenn Sie die verbotenen Substanzen (etwa als „Liquid Ecstatsy“) freiwillig eingenommen haben, machen sich Personen, die diesen Zustand ausnutzen, strafbar!

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Quellen:

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Fotohinweis: sofern nicht extra anders angegeben, Fotocredit by Fotolia.com

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