Weihrauch – altes Naturheilmittel als Medikament neu entdeckt

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Weihrauch als Medikament

Weihrauch kennt man hier zu Lande vor allem aus der Kirche. Er ist Bestandteil vieler Rituale, zum Beispiel während des Hochamtes. Und gerade jetzt zur Weihnachtszeit passt der Duft gut zu unserer Stimmung. Weihrauch duftet wesentlich angenehmer als die klassischen Räucherkerzen, die für Räucherstäbchen benutzt werden. Doch Weihrauch hat mehr zu bieten als den bekannten angenehmen Duft, denn auch medizinische Wirkungen stecken im Harz des Boswellia-Baumes, so wirkt er nachweislich antibakteriell.

Mit Weihrauch suchte man im Mittelalter sogar die Pest zu vertreiben – nicht ganz zu Unrecht dank seiner desinfizierenden Eigenschaften. Im Altertum kannte man Krankheitserreger zwar noch nicht, beobachtete offenbar aber, dass Weihrauchdampf heilend wirken kann.

Altes Wissen – neue Erkenntnisse

In der indischen Naturheilkunde Ayurveda wird Weihrauch schon seit 5000 Jahren eingesetzt. Das Trockenextrakt des Harzes wird Ölen, Pflastern und Pulvern beigemengt. In alten medizinischen Schriften wird die Heilkraft bei rheumatischen Erkrankungen, chronischer Bronchitis, Asthma, bei Darmentzündungen und Hautkrankheiten beschrieben. Die westliche Medizin entdeckte Weihrauch neu – als Heilmittel bei chronischen Entzündungen.

Mittlerweile beschäftigen sich allein in Deutschland gleich mehrere Arbeitsgruppen mit seiner medizinischen Wirkung. Belegt werden konnte bereits, dass Weihrauch bei chronischen Entzündungen hilft – zum Beispiel im Magen-Darm-Bereich und in Gelenken, bei der chronischen Polyarthritis, Rheuma also. Auch bei Neurodermitis, Hirntumoren oder Multipler Sklerose konnten Weihrauchpräparate Symptome lindern.

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Hierfür wird pulverisiertes Weihrauchharz eingesetzt oder Weihrauchextrakte in Tablettenform. Bisher gibt es nur ein Medikament mit diesem Wirkstoff, das sogenannte H15. Es stammt aus Indien und ist bisher in Deutschland nicht zugelassen. Apotheken können H15 jedoch auf persönliche ärztliche Verschreibung hin importieren und an den Patienten abgeben. Den deutschen Anforderungen genügt dieses Medikament nicht, und darum bemüht sich die Industrie, ein eigenes Produkt zu entwickeln.

Die deutschen Forscher leisten Pionierarbeit: Erstmals wird der Weihrauch (Boswellia serrata) vollständig analysiert – er ist ein komplexes Gemisch aus mehr als 80 chemischen Verbindungen. Und so findet sich im Harz eine Substanz, die außergewöhnlich gut gegen chronische Entzündungen aller Art wirkt: „Die Boswelliasäure blockiert ganz gezielt die Leukotriensynthese“, schildert Dr. Johann Jauch von der TU München, „und dann gehen die Entzündungen zurück.“

Während aber die Naturmedizin auf den Weihrauch als Wirkstoff-Gemisch setzt, wollen dagegen die Chemiker in München seine heilsamen Substanzen isolieren: Erst so kann ein Medikament nach westlichen Kriterien überprüft werden. Um die Boswelliasäuren effizienter untersuchen und verwerten zu können, hat die Arbeitsgruppe um Johann Jauch ein eigenes Verfahren entwickelt: „Wir wandeln die vielen Substanzen in die wirksame Acetyl-Keto-Boswellia-Säure um und können auf diese Art und Weise den Gehalt von 1 Prozent, wie er im natürlichen Weihrauch vorkommt, auf etwa 40 Prozent erhöhen.“

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Ein Kilogramm Harz bringt jetzt 80 g des neuentdeckten Wirkstoffs gegen chronische Entzündungen, und die Forscher sind optimistisch: Sie halten die Boswelliasäure für ein Medikament der Zukunft, denn die Nebenwirkungsrate ist verhältnismäßig gering und es ist ein nachwachsender Rohstoff.

Weihrauch und der Mythos H15

Spricht man in Fernsehen oder Presse vom „Wundermittel Weihrauch“, so meint man damit das Medikament „H15 Ayurmedica“. Fast alle klinischen Versuche zur Wirkung von Weihrauch sind durchgeführt worden:

H15 - Weihrauch

H15 wird eigentlich in Indien (Bombay) von der Gufic Ltd. hergestellt und ist dort unter dem Name „Sallaki“ zugelassen. H15 Ayurmedica sind Tabletten, die je 400 mg Trockenextrakt (Olibanum extractum siccum) aus Boswellia serrata enthalten. Die Packungsbeilage deklariert es als „pflanzliches Antirheumatikum“ mit den Indikationen aktive rheumatische Arthritis (rheumatoide Arthritis) und juvenile chronische Arthritis.

Doch inzwischen macht der Weihrauch auch in höchst profanen Zusammenhängen von sich reden: sowohl die moderne Naturheilkunde als auch die naturwissenschaftlich orientierte Schulmedizin interessieren sich für die stark entzündungshemmende Wirkung von Weihrauchpräparaten bei chronischer Arthritis und entzündlichen Darmerkrankungen. Entscheidend für die Wirkung scheint zu sein, dass bestimmte Inhaltsstoffe – die sogenannten Boswelliasäuren – ein Schlüsselenzym im Entzündungsstoffwechsel, die sogenannte 5-Lipoxigenase, hemmen.

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Eine erste offene Studie (1) und Einzelbeobachtungen (2) ließen auch auf eine Hemmung der Entzündungsmechanismen bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen schließen. Basierend auf diesen Resultaten erfolgte der Vergleich der Wirksamkeit und Verträglichkeit von Extrakten aus indischem Weihrauch mit 5-Aminosalicylsäure bzw. einem Sulfonamid bei solchen Erkrankungen im Rahmen zweier verumkontrollierter Studien (3, 4):

Eine randomisierte (nach dem Zufallsprinzip), doppelblinde, 8-wöchige Studie (3) wurde mit dem Präparat H15 in Deutschland an Patienten im Alter von 18 bis 70 Jahren mit aktivem Morbus Crohn durchgeführt. H15 ist ein standardisiertes Trockenextrakt aus dem Rohharz von Boswellia serrata und wurde mit Mesalazin als anerkanntem Therapeutikum bei akutem Morbus Crohn verglichen. Aufgrund der statistischen Auswertung konnte gezeigt werden, dass die Behandlung mit H15 jener mit Mesalazin nicht unterlegen ist. Diese Bewertung wurde auch durch die Nebenzielparameter bestätigt.

Die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen waren nicht signifikant. Die Zahl der unerwünschten Ereignisse (H15 = 8, Mesalazin = 17) und der arzneimittelassoziierten Nebenwirkungen (H15 = 0, Mesalazin = 4) zeigte die gute Verträglichkeit von Weihrauchextrakt. Hinsichtlich einer Nutzen-Risiko-Abwägung bewerten die Autoren der Studie H15 günstiger als Mesalazin (Quelle: Österreichische Apothekerzeitung).

Mit den angeführten Studien konnte das antiinflammatorische Potenzial von Extrakten aus dem Harz von Boswellia serrata bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen gezeigt werden. Im Vergleich mit 5-Aminosalicylsäure bzw. Sulfasalazin, deren klinische Wirksamkeit bei solchen Krankheitsbildern nachgewiesen ist, waren die Weihrauchpräparate nicht unterlegen.

H15 ist in Indien unter dem Namen „Sallaki“ und in einem Schweizer Kanton zugelassen. Für Deutschland konnte die Fa. Pharmasan in Freiburg eine Importgenehmigung bei ärztlicher Verordnung erwirken.

Der therapeutische Einsatz von H15 in Österreich und Deutschland gestaltete sich bisher problematisch, inzwischen ist er jedoch möglich geworden – auf ärztliche Verordnung, als Medikament ist es jedoch nach wie vor nicht zugelassen. In Österreich werden verschiedene Weihrauchpräparate als Nahrungsergänzungsmittel vertrieben. Aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen ist die pharmazeutische Qualität von Nahrungsergänzungsmitteln nicht abschätzbar.

Spezialisten von Weihrauch überzeugt

Der bekannteste Weihrauchspezialist ist der deutsche Pharmakologe Hermann Ammon. Er hat sich über Jahrzehnte an der Universität Tübingen mit der Wirkung von Weihrauch beschäftigt und kam zu dem Schluss, dass Weihrauch im rheumatisch entzündeten Areal „schonend und effektiv“ wirke.

Auch in Kärnten haben Rheumaspezialisten bereits Erfahrungen mit Weihrauch in der Rheumatherapie gemacht. Einer der Befürworter ist der frühere österreichische Rodopolisheitsminister, Rheumaexperte Dr. Michael Ausserwinkler: „In der sogenannten Erfahrungsmedizin weiss man seit Jahrhunderten, dass Gelenkbeschwerden durch Weihrauch gelindert werden können.“ Die erste wissenschaftliche Arbeit gab es 1969, und seitdem gebe es nach Ausserwinkler etwa 200 Arbeiten, die belegen, dass Weihrauch gegen entzündliche Gelenkkrankheiten wirkt. Der Wirkstoff könne als Kapsel oder Tablette eingenommen werden – den Rauch einzuatmen, helfe nicht.

„Der Körper absorbiert die Bestandteile des Weihrauchs sehr gut, wie eine neue Studie belegt. Der Wirkstoff unterbricht die Entwicklung von Entzündungssäuren und somit direkt den Prozess der Entzündung“, so Ausserwinkler weiter. Weihrauch ist damit für Mediziner und Patienten eine willkommene Alternative zu den üblichen Schmerzmitteln und Antirheumatika.

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