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Was ist ein Wirbelbruch? Verschiedene Formen von Wirbelbrüchen

Was ist ein Wirbelbruch? Verschiedene Formen von Wirbelbrüchen

Wirbelbruch

Man kann verschiedene Formen von Wirbelbrüchen unterscheiden: Brüche des Wirbelkörpers, des Wirbelbogens oder der Fortsätze. Am Wirbelkörper werden Kompressionsbrüche, d. h. der Wirbelkörper ist zusammengedrückt, Berstungsbrüche, d. h. der Wirbelkörper ist zerborsten, und Kantenabbrüche (an der Vorder- oder Hinterkante) unterschieden.

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Wie kommt es zu einem Wirbelbruch?

Wirbelbrüche machen zwei Prozent aller Knochenbrüche (Frakturen) aus. Wirbelbrüche setzen die Einwirkung großer Kräfte voraus, es sei denn, die Wirbel sind durch eine Minderung der Knochendichte (Osteoporose) oder durch andere Erkrankungen (z. B. Tumorleiden mit Tochtergeschwülsten in den Wirbeln) vorgeschädigt.

Die Frakturen entstehen beim Sturz aus der Höhe auf Kopf, Gesäß oder ausgestreckte Beine durch Stauchung, oder sie werden durch Überbiegung der Wirbelsäule beispielsweise beim Verkehrsunfall mit Lenkradanprall verursacht. Bei den Stauchungsverletzungen kommt es eher zu Wirbelkörperkompressions- oder Wirbelkörperberstungsbrüchen, beim Überbiegen treten eher Bogen- oder Gelenkfortsatzfrakturen auf. Bei 20 Prozent der Patienten mit Wirbelfrakturen sind zwei oder mehr Wirbelkörper betroffen.

Welche Symptome macht ein Wirbelbruch?

Stabile Verletzungen können gelegentlich völlig symptomlos sein. In der Regel besteht in dem betroffenen Abschnitt Druck-, Klopf- und Stauchungsschmerz. Selten findet sich eine Buckelbildung oder eine tastbare Lücke in der Dornfortsatzreihe. Schmerzbedingt ist die Beweglichkeit der Wirbelsäule häufig eingeschränkt, es kommt zu einer Schonhaltung und auch zu einer Verhärtung der Muskulatur. Ist das Rückenmark mitbetroffen, treten unterhalb der Verletzung entsprechende Störungen oder auch Ausfällen auf, z. B. Lähmungen, Empfindungsstörungen oder unnatürliche Reflexe. Je nach der Lokalisation des Wirbelbruchs und Ausmaß der Rückenmarksschädigung kann es in schweren Fällen zu einer kompletten Querschnittslähmung kommen.

Wie wird ein Wirbelbruch festgestellt?

Es sind stets Röntgenbilder in zwei Ebenen erforderlich, häufig noch zusätzlich Schräg- oder Schichtaufnahmen. Um die Weite des Spinalkanals und die Stabilität der Hinterkante des Wirbelkörpers sowie der Wirbelbögen beurteilen zu können, wird eine Computertomographie durchgeführt. Besteht der Verdacht auf eine Beteiligung des Rückenmarks, können in einer Kernspintomographie Einblutungen in den Spinalkanal und ins Rückenmark sowie Bandscheibenvorfälle erkannt werden. Besteht der Verdacht auf eine Mitbeteiligung des Rückenmarks, muss stets eine gründliche neurologische Untersuchung erfolgen.

Wie wird ein Wirbelbruch behandelt?

Bei der Behandlung von Knochenbrüchen unterscheidet man eine konservative (nicht operative) und eine operative Therapie. Abhängig von der Lokalisation des Wirbelbruchs bezogen auf die Höhe der Wirbelsäule sowie von Begleitverletzungen und dem Allgemeinzustand des Verletzten kommen unterschiedliche Verfahren in Betracht.

Halswirbelbrüche

Fünf Prozent aller Wirbelfrakturen sind Brüche im Halswirbelbereich. Die ersten zwei Halswirbel haben eine besondere Form und Funktion, sie tragen den Schädel und heißen Atlas und Axis. Der Atlas hat keinen richtigen Wirbelkörper, sondern insgesamt eine Ringform. Brüche dieses Ringes sind häufig von Bandverletzungen begleitet. Eine alleinige Ruhigstellung reicht zur Heilung der Bandverletzungen nicht aus, deshalb erfolgt in diesen Fällen eine direkte Verschraubung der Gelenke zwischen Atlas und Hinterkopf. Sind nur die Atlasbögen gebrochen, erfolgt die Therapie meist konservativ, also nicht operativ. Dazu wird der Kopf mit einem Halo- oder Crutchfield-Fixateur ruhig gestellt. Hierzu werden Schrauben von außen in die Schädeldecke gedreht und über Stäbe mit einer Weste an den Schultern so verbunden, das keine Bewegung der Halswirbelsäule mehr möglich ist. Ist der hintere Anteil des Atlasbogens gebrochen, kann auch die Ruhigstellung mit einer Halskrawatte ausreichend sein.

Der zweite Halswirbel hat einen nach oben gerichteten Zahn, der in den Ring des Atlas hineinreicht. Brüche dieses Zahns (Dens) werden meist verschraubt, anschließend erfolgt die Ruhigstellung in einer Kunststoffkrawatte für sechs Wochen. Brüche am Bogen des Axis können meist konservativ behandelt werden.

Wirbelkörperbrüche mit keilförmiger Erniedrigung lassen sich meistens geschlossen nicht aufrichten und müssen in der Regel operiert werden. Die operative Therapie besteht in der Entfernung der zerrissenen Bandscheibe, dem Einsetzen eines Knochenspans (Entnahme vom Beckenkamm) und dauerhaften Verbindung zu den benachbarten Wirbeln zur Stabilisierung.

Brustwirbel- bzw. Lendenwirbelbrüche

In fast der Hälfte der Fälle ist bei einem Wirbelbruch der Bereich der unteren Brustwirbel- und oberen Lendenwirbelsäule betroffen. Handelt es sich um stabile Wirbelkörperbrüche, kleinere Kantenbrüche oder Kompressionsbrüche mit nur geringer Höhenminderung, kann eine konservative Therapie erfolgen. In der Regel ist eine Krankenhausbehandlung notwendig. Die Behandlung besteht in Bettruhe (Lagerung auf einer harten Matratze), Schmerzmittelgabe und Spritzen ins Unterhautfettgewebe zur Vorbeugung einer Thrombose (Blutgerinnselbildung). Nach Abklingen der Schmerzen kann mit einer Krankengymnastik begonnen werden. Die Dauer der Bettruhe richtet sich nach individuellen Gegebenheiten wie Alter und Allgemeinzustand des Verletzten, Anzahl der verletzten Wirbel und Schwere der Wirbelverletzungen. Da im Sitzen der höchste Druck auf den Wirbeln lastet, sollte auch nach erfolgter Mobilisation zunächst nur gegangen und gelegen werden. Meist wird für eine Übergangszeit von einigen Wochen ein Stützkorsett verordnet.

Berstungsbrüche und Kompressionsbrüche mit großer Höhenminderung sowie bestimmte Formen mit Beteiligung der Wirbelkörperhinterkante erfordern eine operative Therapie. Je nach Befund kann ein Knochenspan zum Aufrichten erforderlich sein, die Stabilisierung erfolgt mit einem Fixateur interne, d. h. in die Wirbelkörper über und unter dem verletzten Wirbel werden Schrauben eingebracht, die durch eine Verplattung für Stabilität im verletzten Bereich sorgen.

Wirbelverletzung beim Kind

Durch die große Elastizität von Knochen, Bandscheiben und Bändern sind Wirbelverletzungen im Kindesalter sehr selten. Kompressionsbrüche mit weniger als 50 Prozent Höhenminderung werden je nach Schmerzsymptomatik so behandelt, dass eine frühe Mobilisation möglich ist. Bestehen Verformungen in beiden Ebenen, wird ein Gipskorsett angelegt. Erst bei Deformitäten über 50 Prozent ist ein operatives Vorgehen zu empfehlen.

Wird ein Wirbelbruch nicht behandelt, können lange Zeit Beschwerden bestehen. Handelt es sich um einen instabilen Bruch, kann es zu Schädigungen des Rückenmarks bis hin zur Querschnittslähmung kommen.

Welche Komplikationen kann es geben?

Bei zehn Prozent aller Patienten mit Wirbelsäulenverletzung ist mit Nerven- und Rückenmarksschäden zu rechnen. Die Schädigung des Rückenmarks erfolgt durch Quetschung als Folge der Verschiebung von Wirbeln oder Bandscheiben. Bei der Halsmarklähmung entsteht das typische Bild eines hohen Querschnitts: Beide Arme und Beine, Brustkorb-, Bauch- und Rückenmuskulatur, die Blasen-, Mastdarm- und Sexualfunktion sind betroffen. Liegt die Schädigung unter der Halswirbelsäule, sind die Arme nicht betroffen.

Entscheidend ist das Erkennen am Unfallort. Größte Vorsicht ist bei der Umlagerung und beim Transport geboten. Die Behandlung von Patienten mit einer Querschnittslähmung sollte in speziellen Zentren durchgeführt werden. In etwa 20 Prozent kommt es zur Rückbildung eines zunächst kompletten Querschnitts.

Heilt ein Wirbelbruch mit einer Höhenminderung oder Deformierung aus, kann es zu Veränderungen in der Achse der Wirbelsäule kommen. Meist ist dann ein konstantes Training der Rückenmuskulatur, anfangs unter krankengymnastischer Anleitung, erforderlich.

Linktipps:

– Sexstellungen bei besonderen Bedürfnissen
– Wirbelsäulenverletzungen
– Gemeindenahe Rehabilitation

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Kave Atefie





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